Holt die Gegenwart die Zukunft ein?

„The future is moving closer to the present, as if they were actually apart, that is.“, schreibt Robert Fripp (King Crimson) am 2.Januar 2017 in seinem Tagebuch. Zukunft und Gegenwart kommen immer dichter zusammen, wenn sie denn je getrennt waren. Der Satz erinnert mich an die ewige Wahrheit aller Zukunftsforscher, die William Gibson formuliert hat: „Die Zukunft ist längst schon da. Nur nicht gleichmäßig verbreitet.“ („The future is already here – it’s only not evenly distributed.“)

fridge

Wenn der Kühlschrank leise chattet…

Nie war der Job für Zukunftsforscher schwieriger als heute. Die technische Entwicklung in vielen Bereichen geht rasend schnell voran. Da kann man mit Voraussagen schnell danebenliegen. (Mathias Horx leidet gerade wieder an entsprechender Häme.) Die soziale und kulturelle Verarbeitung all dieser technischen Neuerungen hinkt deutlich hinterher. Entsprechend schlecht kann man neue Wirklichkeiten prophezeien. Sicher ist hier nur, dass sich nichts so entwickeln wird, wie Techniker und ihre Promotoren (auch in den Medien) es voraussagen. Bestes Beispiel für solche Flops: das Fabelwesen des intelligenten, kommunizierenden Kühlschranks.

Der unerwünschte Bastard

Hier darf man William Gibson neu interpretieren: Die soziale und kulturelle Adaption findet längst statt, nur nicht überall gleich. Die jungen und jüngsten Generationen tun das längst. Aber die Generationen, die über die administrativen Anpassungen und kulturellen Lernprozesse entscheiden, hinken noch schwer hinterher: Wir erinnern uns an Merkels „Neuland“, an die Philippika des Chefs der Lehrergewerkschaft gegen digitale Geräte in der Schule – und natürlich mit besonderem Grausen an den digitalen Kommissar Günther Oettinger.

Irgendwo in dieser Kluft zwischen stiller, unreflektierter Adaption durch die Jungen und Unkenntnis, Desinteresse und Ignoranz der Älteren und Mächtigen findet derzeit unsere Zukunft statt. Ein elternloser Bastard, für den niemand Verantwortung übernehmen kann bzw. will. Ein unerwünschtes Kind für die Eliten, die ihre Privilegien durch die Digitalisierung gefährdet sehen. Siehe die Finanzkrisen und die offensichtliche Abscheu, die etwa ein Donald Trump für Computer und all das Internet-Gedöns formuliert.

Technik ist Pop

Die junge Generation staunt, welche Spielzeuge ihnen die Technik und die digitalen Dienste in die Hand geben. Sie versuchen ganz skrupellos (… und das ist gut so), irgendwie daran Spaß zu finden und finden ihn fast immer dort, wo es die Techniker und Vermarkter nicht erwartet haben. Und wenn es auch nur der Spaß ist, dass die Erwachsenenwelt nicht mit neuer Technik und ihrer Nutzungskultur klar kommen. Das war schon immer der Hauptmotivator für junge Menschen: von älteren Generationen verwaiste Regionen zu (er-)finden. So gesehen sind Technik und Digitalität Pop. Und Zukunft ist es irgendwie auch.

Die Zyklen dieser Eroberung neuer virtueller Freiräume, deren lärmende Kartierung durch die Medien und der Versuch, der mal naiv positiven, meist aber warnend abwartend oder ignorant unterbindenden (Oettinger!) Reaktion der Mächtigen (Kapital und/oder Politik) werden immer kürzer. Fast mag es wie eine Echtzeitreaktion in Zeitlupe aussehen. Daher stimmt der Eindruck, dass Zukunft und Gegenwart immer enger zusammenrücken.

Das Dilemma der Zukunftsforschung

Zukunftsforschung ist bislang meist der Versuch, von absehbaren Innovationen und verlässlichen statistischen Entwicklungen für mögliche Adaptionen in technischer, gesellschaftlicher und kultureller Hinsicht Prognosen zu wagen. Mit den heute nur noch minimalen Aneignungszeiten ist die Art von Zukunftsforschung heute obsolet.

Wegweiser Zukunft

Geht’s zur Zukunft nach rechts?

Erschwerend kommt die Generationenkluft zwischen Zukunftsschaffenden (den Jungen) und (älteren) Zukunftsanalytikern hinzu. Das Adaptionsgeschehen der Digital Natives erscheint aus der vermeintlichen Höhe analytischen Wissens und vordigitaler Kultur naturgegeben eher wirr. Ist es auch. Aber wie sonst soll eine Adaption im non-linearen Raum funktionieren? Die Generation der Analytiker hat nie das Try-and-Error-Prinzip gelebt. Schon gar nicht in Deutschland.

Der kaputte Mythos

Im übrigen hat die Zukunftsforschung ihren Ur-Mythos eingebüßt. Sie versprach fast immer, mit wenigen Ausnahmen (in Deutschland) eine Zukunft, in der wir es besser haben werden. Sie versprach mehr Bequemlichkeit (angenehm), mehr Freiheit (anstrengend aber positiv besetzt) und mehr Glück (bzw. Glücksersatz).

Nur Ersteres ist wahr geworden. Die Bequemlichkeit hat uns alle Bedenken um unsere Privatsphäre vergessen lassen. Das mit der Freiheit hat sich als Schimäre entpuppt, schon weil die meisten Menschen mit diesem Gut (und der damit verbundenen Verantwortung) nicht umgehen können. Und Glück, ob materiell oder spirituell, bringt nie die Zukunft, die kann nur die Gegenwart liefern.

Die Zukunft, die haben die anderen

Eine rosa Zukunft, in der wir es alle besser haben werden, das wagt kein ernst zu nehmender Zukunftsforscher mehr zu prognostizieren. Zwar zeigen alle Statistiken, und davon viele ernst zu nehmende, dass es uns heute so gut geht wie noch nie. Dass weniger Menschen hungern, weniger Kinder sterben, immer weniger Armut herrscht und es weniger Kriege seit Menschengedenken gibt.

Aber diese Zahlen beweisen nur, dass es unheimlich vielen Menschen in Asien, Südamerika und Afrika besser geht. Die breite Masse der Menschen in Europa oder Amerika stagniert in ihrem Wohlstand dagegen seit langem. Zugleich wird die Schere zwischen Arm und Reich immer größer. So erlebt man subjektiv eine gefühlte Verarmung im Vergleich zu den Hyperreichen. Und die Aussichten sind mager. Der Wachstums-Traum ist ausgeträumt. Schon mangels Ressourcen und aufgrund der unabsehbar wachsenden Zahl an Menschen auf dieser Erde.

Der amerikanische Traum

Auffallend war rund um den Jahreswechsel, wie viel Zukunftsprognosen in den internationalen, vor allem amerikanischen Medien zu lesen waren. Donald Trumps Retro-Politik zum Trotz. Viele Artikel begeisterten sich einmal mehr für neue Technologien, neue Gadgets und neue Bequemlichmacher (Amazon: Alexa!).

Aber es gab auch viele erstaunlich tiefschürfende Zukunftsperspektiven zu lesen. Etwa wie die absehbaren Verbesserungen in Medizin und Gesundheitstechnolgie unser Leben und die dabei vital gelebte Zeit massiv verlängern werden. Aber wie soll das funktionieren mit sozialen Systemen, die darauf nicht eingestellt sind. Und wie soll das mit einer Denke funktionieren, die nicht auf Geschenke an Lebensqualität und Vitalität vorbereitet ist? – Apropos Denke: Hochnuanciert auch viele Artikel zur Künstlichen Intelligenz (KI), zur Gehirnforschung und der möglichen Kollision zwischen menschlicher und Maschinen-Intelligenz.

Klar wird in solchen Artikel, dass es so wichtig wie noch nie ist, sich mit der Zukunft auseinanderzusetzen. Kritisch und konstruktiv, skeptisch und begeisterungsfähig, visionär und rational, neugierig und gelassen. Vor allem weil die Zukunft noch nie so nah war wie heute. Da hat Robert Fripp recht. Allzu oft ist die Zukunft, auf die wir warten, längst schon Gegenwart. Vielleicht manchmal noch nicht hier bei uns. Aber da sollten wir dafür sorgen, dass das schleunigst passiert.

Das Goldfisch-Syndrom

13. Dezember 2016


Eine kleine Erklärung der Welt von heute

Wie hält es ein Goldfisch in einem Wasserglas aus? Immer nur im Kreis schwimmen – und von allen beglotzt werden. – Ganz einfach, sein Gedächtnis reicht gerade mal für neun Sekunden. Einmal rund ums Glas braucht aber 10 Sekunden. Also ist jede neue Runde ein neues Abenteuer. Und ewig grüßt das Goldfisch…

Golden fish (Carassius Auratus)  in a bowl

Unser Gedächtnis ist ein wenig besser, als das vom Goldfisch. Aber unsere Fähigkeit, bei einem Thema zu bleiben, sich auf einen Inhalt einzulassen und uns zu konzentrieren ist schlimmer als die vom Goldfisch. Gerade mal 8 Sekunden beträgt unsere Ausmerksamkeitsspanne. In den letzten 15 Jahren hat sie sich halbiert. 2000 waren es noch 12 Sekunden. Das hat eine Konsumentenstudie von Microsoft gerade festgestellt.

Der nahe liegende Kritik-Reflex wäre natürlich, gleich mal wieder den Untergang des Abendlandes zu beklagen samt ausgiebigem Bashing von allem digitalen Teufelswerk unter besonderer Berücksichtigung des Smartphones. Denn wie soll unsere Welt weiter bestehen, wenn wir ihr keine Aufmerksamkeit schenken, oder zumindest nur noch in homöopathischen Dosen. Und was, wenn nur noch das Phone smart ist, aber nicht mehr seine Nutzer?

Kommt eine post-rationalen Zeit?

Aber wir könnten auch einmal das Bild von dem Goldfisch im Glas weiter bemühen. Vielleicht ist die Reduzierung der Aufmerksamkeitsspanne auch eine logische Überlebensstrategie für unseren aktuellen Zeitgeist. Hier mal ein paar gewagte Thesen und Fragestellungen zu einer möglichen postrationalen Epoche:

  • Unser Gehirn, vor allem das der digital Natives, verarbeitet längst in viel kürzerer Zeit auch hoch komplexe Informationen. Daher der Trend zum Bewegtbild. Nur hier lassen sich Informationen optimal verdichten. Sprache – und die ganz besonders in schriftlicher Form von Text – ist viel zu langsam zu verarbeiten. Unser Gehirn ist schon längst einen Schritt weiter.
  • In einer Welt, in dem es keine Wahrheiten mehr gibt, weil Wahrheit und Lüge, Bild und Photoshop-Fake so nah beieinander liegen, wird schlicht Zeit vergeudet, wenn noch langwierig Inhalte rezipiert werden. Vor allem, wenn Fake-News und Foto-Pranks viel attraktiver sind und besser ins eigene Vorurteilsschema passen. Unser Gehirn ist schon mal ins postfaktische Zeitalter voran gereist.
  • Sind wir nicht Gefangene der Aufklärung und ihrer Früchte? Sind nicht Ratio und Logik, Kritik und Wissenschaft, Fortschrittsglaube und Wachstumsfetischismus zuletzt irgendwie in Misskredit geraten, weil diese positiven Werte unsere Gesellschaft in Arm und Reich teilen, weil nur eine kleine Schicht oben die Früchte erntet, ohne Rücksicht auf andere?
  • Sind nicht die Werte der Aufklärung wie Emanzipation und Toleranz strittig geworden? Wie sonst kann man im Kampf gegen solche Werte Wahlen gewinnen? Und wird nicht Freiheit immer mehr als Stress erlebt, als Überangebot an Möglichkeiten und die damit verbundene Verantwortung als belastend?
  • Aber im Ernst. Sind nicht durch den Materialismus und blinden Fortschrittsfetisch die Werte der Aufklärung auch pervertiert worden? Haben wir vor lauter Vernunft und Logik nicht den Zugang zu unserer mentalen Kraft und darüber oft unsere psychischen Gesundheit verloren? Warum sonst nehmen sonst Depressionen so zu? Und warum erleben Tools, die unser Verhalten kontrollieren, solch einen Boom. Früher hat man wohl besser gewusst, was einem gut tut und richtig ist, und das ist jetzt weg?

Gefühlte Wahrheiten fühlen sich gut an

Vielleicht baut sich unser Gehirn gerade um, weg von Vernunft und Logik, weg von Linearität und Literalität. Weg von den Buchstaben der Aufklärung hin zu hochkomplexen multimedialen Informationsschemata, hin zu nur jenseits reiner Logik verstehbaren Realitätsclustern. Daher auch die Zunahme von „gefühlten“ Wahrheiten.

Und wahrscheinlich stehen wir, wenn wir den Gedanken einmal wagen wollen, erst am Anfang solch einer Entwicklung, die vor allem all denen, die noch im Bildungsideal der Aufklärung der vordigitalen Zeit groß geworden sind, schlichtweg graust. Das würde die absurden Auswüchse des aktuellen Siegeszugs der Lüge, der Desinformation und des Ressentiments erklären helfen.

Krisen kündigen neue Zeiten an

Schlimm und schwer vermittelbar ist, dass ausgerechnet Menschen aus dem Vorgestern diese Auswüchse, wie sie an jedem Anfang einer neuen Epoche stehen, so clever und skrupellos auszunützen verstehen. Für Krisenzeiten ist typisch – und 2016 hat jeder als sich selbst beschleunigende Krise erlebt – dass sie eine Veränderung einleite. Und je krisenhafter, desto gravierendere Veränderungen passieren. Neue Zeiten, neue Epochen und evolutionäre Sprünge kündigen sich immer auf solche Weise an.

Bleibt nur zu hoffen, dass die Evolution weiß, was sie da macht. Und dass wir diesem Evolutionssprung gewachsen sind. Dass der Umbau unserer Denkapparate schnell genug geht und dann auch noch in die richtige Richtung… – jenseits eines Goldfisch-Daseins. Obwohl: Sind Goldfische unglücklich?

Sie sollen es besser haben

29. November 2016


Donald Trump, das Ende der Evolution?

Also gut, irgendwann war uns das Leben als Einzeller zu langweilig und wir mutierten zu Mehrzellern. Irgendwann war uns auch das Dasein als Amöbe zu langweilig und wir bildeten Organe aus, Gliedmaßen und ein vegetatives System etc. Ja und dann ging’s raus aus Wasser und Sumpf und aufs feste Land. Und dann war es uns zu langweilig auf vier Füßen zu krauchen und wir gingen aufrecht. Und unser Gehirn wuchs und unser Talent zum Denken, zur Sprache und intersozialer Aktion.

eating_amoebe

Amöbe bei der Mahlzeit. Mahlzeit!

Alles Quatsch natürlich. Das haben wir nicht aus Langeweile getan, sondern weil wir stets gehofft haben, so die Gefahr zu verringern, gefressen zu werden. Und vor allem glaubten wir, dass wir so bessere Chancen hätten, mehr Nachkommen zu produzieren – die es einmal besser haben sollten als wir selbst. Evolution ist ja kein philosophisches Konstrukt, sondern eine fesche Survival-Methode.

Wir machen uns die Erde untertan

Aber dann kamen doch die Philosophen, vor allem aber Religionsgründer. Und damit kam der Gedanke in Welt, sich die Welt untertan zu machen bzw. vorerst mindestens alle anderen Religionen – und deren Territorien und Menschen. Bis wir es zu Weltkriegen mit Millionen von Toten geschafft haben und dabei wie im Vorbeigehen die ultimative Waffe erfunden haben: die Kernenergie, die uns die Möglichkeit gegeben hat, mit einem einzigen Knopfdruck unsere komplette Welt final auszulöschen.

Wir waren fast schon soweit, diese finale Option erfolgreich zu verdrängen. Nur Nordkoreas Kim-Sippe hat immer mal wieder mit ihren beschränkten (!) Mitteln auf die Option des atomaren Holocaust hingewiesen. Ab sofort ist Kim Jong-un nicht mehr allein auf weiter nuklear verseuchter Flur. Denn President-elect Donald Trump findet atomare Konfliktlösung auch eine bedenkenswerte Option politischen Handelns.

Das Ende der Evolution

Ach ja, Donald Trump. Ist er also der optionale Schlusspunkt der Evolution? Schließlich ist er mithilfe der a-rationalen Kreise der Evolutionsleugner der rechten Republikaner erst zum Präsident geworden. Nicht dass Donald Trump auch die Evolution leugnen würde. Er sieht sich wahrscheinlich in seinem narzisstischen Wahn eher als dessen Vollendung. Aber auf alle Fälle wollen Trump und sein Think Tank um Stephen „Breitbart“ Bannon (nie war die panzerhafte Assoziation dieses Begriffes passender als hier)  das Rad der Evolution zurückdrehen.

Zurück zu alten Werten soll es gehen. Wie man so etwas flächendeckend implantieren soll, bleibt offen. Gelungen ist das bislang nur einigen ausgewählten (vorzugsweise faschistischen) Diktatoren. Stets mit dem Ergebnis, dass die Evolution am Ende einen riesigen Schritt tat – und Werte und Normen massenweise zerpulverte.

arrival

Szene aus „Arrival“

Zurück zu altem Wohlstand soll es gehen. Mit altgewohnten Methoden. Früher hieß das „Autobahnen bauen“, heute „die Infrastruktur verbessern“, samt Autobahnen, versteht sich. Es wird aber schwierig werden, dafür geeignete und willige Bauarbeiter zu finden, vor allem, wenn man die, die willig wären, aussperrt, weil sie Mexikaner und anderes Gesocks sind.

Zynismus leicht gemacht

Es fällt leicht, zu leicht, sich über die Ideen und Ziele eines Donald Trump oder Stephen Bannon lustig zu machen. Solch Zynismus ist billig, er bietet sich einfach zu sehr an. Vor allem aber lenkt er ab von dem anderen, nicht weniger schlimmen Zynismus sozusagen der anderen Seite. Die Alternative zu Trump wäre eine Fortsetzung des neoliberalen „Weiter-so“ gewesen, samt gesamtgesellschaftlicher Verantwortung und Alimentation der Finanzsysteme.

Die Alternative wäre ein „Weiter-so“ der immer größeren Spaltung unserer Gesellschaften in „Arm“ und „Reich“, in Gier und Resignation, in Ultra-Reichtum und breites Prekariat – auf relativ hohem Niveau. Hungern muss keiner mehr, dafür sorgt irgendwann schon ein bedingungsloses Grundeinkommen, aber Chancen und Gestaltungsmöglichkeiten gibt es nur für die wenigsten, nur für die Reichen, ihre Mischpoke und ihre Günstlinge – man ist ja nicht so…

Die real existierende Alternative zu einem Donald Trump ist – und es tut weh, es zu schreiben – keine echte Alternative. Sie ist ähnlich anti-evolutionär, sie gibt sich nur evolutionär mit immer neuen Erfindungen und Ideen, immer neuen Start ups und digitalen Gadgets. Aber in ihrem Denken ist sie altmodisch. Solange sie keine Ideen hat, die Schere zwischen Arm und Reich nicht nur nicht größer werden zu lassen, sondern auch wieder zuklappen zu lassen, ist sie ähnlich zynisch wie Trump & Co..

Eine Welt ist nicht genug

Wir stehen vor eklatanten Problemen in dieser Welt. Wir brauchen mehr Ressourcen als absehbar da sind. Wir werden nur im guten Fall 11 Milliarden Menschen – das ist um die Hälfte mehr als heute. Die müssen ernährt und vor allem mit sauberem Wasser und sauberer Luft versorgt werden. Und wir müssen radikal umdenken, denn wie soll das funktionieren, wenn uns schon einige Hunderttausende Migranten an den Rand der Staatskrise bringen? Uns erwarten Millionen und Milliarden…

Die Alternative ist nicht, eine Neben- oder Ersatzwelt zu schaffen, sei es der Mars oder sonst ein Exo-Planet. Das mag für eine versprengte Handvoll Menschen funktionieren, nicht für eine Weltgesellschaft. Die zieht nicht mal so schnell um. Wir müssen diese Welt lebenswert erhalten bzw. wieder lebenswert machen. Das geht nur, indem wir Schranken abbauen. Zwischen Arm und Reich; zwischen Ost und West; zwischen Nord und Süd; zwischen Schwarz und Weiß. Zwischen allen Ländern. Die Erde kennt keine Grenzen, die haben wir erfunden.

Keine Sorge um die Evolution

Auch die Evolution kennt keine Grenzen. Sie geht auf jeden Fall weiter. Ob mit uns oder ohne uns. Das entscheiden wir. Ob wir (noch) evolutionstauglich sind, oder eben nicht. Ob wir innovativ und zugleich weise genug sind, um eine Welt zu erfinden, die für alle lebenswert ist und für die es zu kämpfen lohnt. Sorge darum habe ich im Prinzip nicht. Sicher ist, eine Welt in Angst wird die Lösungen nicht finden. Angst lähmt das Denken. Das ist leider ein Erbe aus den Zeiten, als wir noch ums Überleben in freier Wildbahn kämpfen mussten. Sozusagen eine Restschlacke der Evolution. (Schöne Illustration dazu ist der Film „Arrival“ von Denis Villeneuve.)

So gesehen müssen wir heute wie einst kämpfen, dass es unsere Nachkommen besser haben als wir. Dass unsere Welt für sie ökologisch, ökonomisch – und vielleicht auch mental und sozial besser und weiser ist als jetzt. Und bei solch einer Frage sollte dann ein Donald Trump nur eine Randnotiz der Geschichte sein, so wie es auch eine Hillary Clinton (gewesen) wäre. Je kleiner wir diese halten, desto besser.

 

Ökonomie als Muppet-Show

20. April 2016


Das Thema Wirtschaft darf man ernst nehmen, muss man aber nicht

Verstehe ich das richtig mit den Negativzinsen? Wenn ich mein Girokonto überziehe, bekomme ich Zinsen gutgeschrieben? Schließlich helfe ich den Banken, nicht auf ihren Negativzinsen sitzen zu bleiben. Denn das Schlimmste, habe ich gehört, was einer Bank heute passieren kann, ist es, wenn ein Mensch mit ganz viel Geld kommt und es bei der Bank deponieren will. Kein Wunder, dass da das Geld auf die Bahamas ausweicht. Dort scheint es noch willkommen zu sein. Oder die Briefkästen dort sind anonym und permissiver. Und das Wetter ist auch besser.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Suchs Paket. Selbstausbeutung als Dienstleister.

Ein wenig darf man sich ja fast amüsieren über unsere zinslose Welt. Es entkrampft so. Plötzlich lösen sich die Zungen und auch die schweigsamsten Menschen geben inzwischen zu, viel Geld in der Finanzkrise verloren zu haben. Noch vor einem halben Jahr haben sie das noch strikt bestritten. Jetzt fällt es leicht, die Verluste zuzugeben. Ist ja eh wurscht. Man bekäme ja jetzt gar keine Zinsen mehr dafür. Oder gar noch Strafzinsen.

Überraschend, dass die AfD noch nicht die Zinslosigkeit für sich entdeckt hat. Ausgerechnet diese kruden Politiksimulatoren-Clique, die einst als Anti-Euro-Partei gestartet ist. Schließlich war es Allah selbst, der verboten hat, für Geld Zinsen zu nehmen. Also ist die Zinslosigkeit doch auch ein Stück Moslemisierung des Westens. – Zugegeben, die arabischen Staaten haben sich nie so recht an das Prinzip gehalten. Zinsen und Dividenden für ihre Ölmilliarden haben sie zumindest gerne kassiert.

Langsam macht sich Antiökonomismus breit

Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Auch das Christentum hat es seinen Gläubigen lange verboten, Geld gegen Zinsen zu verleihen. Das führt dazu, dass dieses Geschäft einst einzig von Juden betrieben wurde. Mit den bekannten negativen gesellschaftlichen Nebenwirkungen. – Heute ist die Finanzbranche dabei, ähnlich unbeliebt zu werden. Von Antiökonomismus spricht allerdings noch keiner. Aber jetzt ist dieser Begriff endlich mal in der Welt. Wird sicher noch seine Verwendung finden.

Fakt ist. Geld wird nicht mehr gespart, sondern gleich ausgegeben. So spart man sich den Umweg übers Sparbuch. Und hat auch mehr davon. Die Konsumgüterindustrie freut sich. Nur der Handel nicht. Denn der bekommt vom Geldsegen nicht mehr viel ab. Also der stationäre Handel. Der versteht sich mittlerweile sowieso nur als Konsumgüter-Museum und verlangt Eintritt von Kunden, die sich „nur mal so umsehen wollen“. Um zu wissen, was sie dann online bestellen wollen.

Aus der Logistik wird Unlogistik

Der Onlinehandel boomt, die Versandlogistik brummt. Nein , es sind nicht die Lieferdrohnen, die uns drohen. Sondern die Paketdienste, die die Güter „ausliefern“. Oder gibt es inzwischen einen besseren Begriff für das Versteckspiel mit Konsumgütern, das da gespielt wird? Statt wie früher lange zu warten, bis der Postmitarbeiter das hinterlegte Paket im Lager gefunden hat, dürfen wir jetzt selbst in der Paketstation suchen, in dem das an der Haustüre nicht ausgelieferte Paket versteckt ist. Mein Vorschlag: Wir nennen das Unlogistik.

Apropos Selbstausbeutung. Das Gejammere, das wir viele Dienstleistungen, für die es früher Personal gab, selbst machen müssen, dürfte bald vorbei sein: Reisen buchen, Produkte selbst konfigurieren und bestellen (und abholen, s. o.), Mietwagen am Straßenrand suchen etc. Wir bekommen bald neues Personal, an das wir das delegieren können: Bots. Also kleine, virtuelle Helferlein, die wir rumkommandieren und die das tun, was wir wollen. Bots ist die Koseform von „Robotern“. Deutsch Roboterlein oder Roböttchen.

Die lieben Bots namens Siri oder Alexa

Die ersten gibt es ja schon. Teilweise üben sie noch, teilweise funktionieren sie schon. Sie hören auf so lieblichen Namen wie Siri oder einen vertrauten wie Alexa. Manche sind profan und springen zu Diensten, wenn man sie mit „Hallo Google“ anherrscht. (Fragt sich, wie lange man bei Robotern Herr im Haus ist.)

Kurios wird es, wenn die Helferlein aka Bots Familienmitglieder werden. Alexa etwa, bereits millionenfach in den USA verkauft, ist offiziell ein kabelloser Lautsprecher mit ausgefeilter Mikrofontechnik. Sie steht im Wohnzimmer oder der Küche und wartet auf ihren Einsatz. Bei manchen Menschen steht sie in wirklich jedem Zimmer. Nach einem kurzen „Hallo Alexa“ ist sie zu Diensten. Sie spielt auch Musik, wenn man ihnen es befiehlt. Aber lieber beantwortet sie Fragen, liest bei Bedarf Kochrezepte vor, und am liebsten bestellt sie, was man auch immer zu brauchen meint.

Immer präsent und Teil der Familie

Diese Bots sind wie einst die Haushaltshilfe oder das Zimmermädchen. Downtown Abbey für Arme sozusagen. Immer zu Diensten – aber sie bekommen auch alles lautstark mit, was so im häuslichen Leben geschieht. Mal sehen, wann den Geräten auch ein Streitschlichtungs-Algorithmus einprogrammiert wird. Oder noch lebensnaher: ein Intrigen-Generator.

Wie auch immer. Die Bots werden auf alle Fälle die nächste große Sache. Wenn Facebook, Microsoft und Amazon das wollen, wird das kommen. Und da werden Siri (Apple) und Google nicht tatenlos, ratlos und serviceunwillig abseits stehen. Im Gegenteil. Sie werden uns eifrig und sehr aktiv dabei helfen, Negativzinsen zu vermeiden. – Das Geld, das sie dabei verdienen, wird dann schon einen Weg auf einsame Zinsen-Eilande finden. Siri, Alexa & Co. sei Dank.

Wir schaffen das?

10. Januar 2016


Die Welt wird ganz, ganz schlimm – oder eben nicht.

Jahreswechsel. Eigentlich ein guter Zeitpunkt, mal inne zu halten und ohne Ressentiment und Angst in die Zukunft zu blicken. Was wird die nächsten Jahre auf uns zu kommen? – Wir wissen darüber so viel wie schon lange nicht mehr. Es wird sich nämlich so ziemlich alles ändern. Alles. Wir stehen vor so vielen und drastischen Disruptionen wie kaum je zuvor.

constWir wissen nur nicht, was sich und wann genau es sich ändern wird. Und wie es sich ändern wird, ist noch offen. Und wohin es dabei geht, wissen wir auch nicht. Aber da könnten wir versuchen, ein wenig mit zu steuern. Oder anders formuliert: Wenn wir jetzt nicht anfangen uns darum zu kümmern, kann es wirklich sehr schlimm werden. Dann wüsste ich nicht, was ich den schlimmsten Dystopien der Pessimistologen entgegen setzen sollte.

Also kurz mal aufgelistet, was auf uns sicher zukommt. Zwei interessante Artikel dazu ist die technikgläubige Zukunftsprognose von Zukunftsoptimist Peter Diamandis und das Interview mit Klaus Schwab, Gründer und Chef des World Economic Forum in Davos, der sehr illusionslos die kommenden Veränderungen benennt.

Das absehbare Zukunfts-Szenario

Also, was wird auf uns zukommen? – Die Weltbevölkerung wird unweigerlich wachsen. Wenn es gut geht, auf 10 Milliarden Menschen. Aber es können auch 12 oder 15 Milliarden werden. Wir wissen längst, dass Wohlstand, Bildung und Gleichberechtigung die einzigen wirksamen „Verhütungsmittel“ sind. Also: Wohlstand, Bildung und Gleichberechtigung gerade für die Dritte Welt.

In unserer Welt wird es sehr voll werden. Und es wird sehr eng werden. Denn die meisten Menschen werden in Mega-Citys leben. Jeder weiß, wie viel Aggressionspotential in solch einer Situation steckt. Einziges Gegenmittel ist viel Empathie und Rücksichtnahme. Oder viel, sehr viel Kontrolle.

Wir stehen vor dem nächsten großen Sprung in die Digitalität. Wir und alle Dinge um uns herum werden unaufhörlich Daten generieren, die kontinuierlich gesammelt und ausgewertet werden. Die Algorithmen, die das tun, kennen wir nicht und verstehen sie auch nicht. Und wir sind nicht in der Lage, deren Ergebnisse zu kontrollieren, geschweige denn zu korrigieren. – Das müsste schleunigst geändert werden; Geschäftsgeheimnisse hin oder her.

Entwicklungen sind nicht aufzuhalten

Wir werden unweigerlich den gläsernen Menschen bekommen. Diese Entwicklung ist nicht aufzuhalten – wie so viele andere ebenso. Das ist die unabwendbare Folge der Digitalisierung und der damit verbundenen Datensammlerei – und unserem Bedürfnis nach immer bequemeren Services. Der Deal, Bezahlung von Services durch Daten, ist längst heimlich fix. Wir müssen nur noch klären, wie wir diese Tatsache verwalten und die nötigen Kontrollen effektiv gestalten. Wir werden alle Little Brothers – und entscheiden selbst, ob George Orwells Ängste Wirklichkeit werden.

Die Computer werden weiter immer schneller rechnen können. Immer schwerer wird es für uns, alle Folgen einer immer weiter um sich greifenden Digitalität zu verstehen und da irgendwie mitzuhalten. Eine Gesellschaft, die nur noch Spielball ist, hat verloren. Sie wird kapitulieren und sich nicht mehr als Gesellschaft verstehen und als Gesellschaft handeln.

Das Horror-Szenario: Eine Welt ohne Arbeit

Wir werden eine Welt voller Roboter bekommen. Nur Roboter garantieren die heute als unablässig erachtete Steigerung von Produktivität. 80 Prozent der Jobs, mit denen wir heute unser Geld verdienen, wird es in den nächsten 25 Jahren nicht mehr geben. Es werden Millionen von Menschen ohne (bezahlte) Arbeit da stehen. Dafür muss unser komplettes Lohn-, Steuer- und Rentensystem von Grund auf geändert werden. Nur eines von vielen Stichworten dazu: bedingungsloses Grundeinkommen.

Eine Welt ohne Arbeit ist eine völlig andere Welt. Eine Gesellschaft ohne Arbeit ist eine völlig andere Gesellschaft. Der Mittelstand löst sich auf. Er hat schlicht nichts mehr zu tun. Was aber dann? Werden die Menschen sich zu beschäftigen wissen? Wie sieht dann Wohlstand aus? Und wie lässt sich der Abgrund zwischen vielen Menschen mit wenig Geld und ganz wenigen mit ganz viel Reichtum erträglich gestalten? Es drohen sonst ungeheure soziale Spannungen.

Alle unsere gesellschaftlichen Institutionen und Errungenschaften stehen dann zur Disposition. Die wenigsten werden überleben. Und das nur, wenn sie sich an die neue Wirklichkeit anpassen. Ein digitalisiertes Gesundheitssystem wird zwar wirkliche Wunder bewirken können. Aber wie werden diese bezahlbar bleiben: personalisierte, intelligente Medikamente, Gentherapie, Zelltherapie, Krebstherapien, Immuntherapien, Psychobehandlung, personalisiertes Gesundheitscoaching, Funktionsmonitoring etc.?

Politik kann nicht (mehr) verändern

Wie soll unsere Politik solch krasse Veränderungen bewältigen? Politiker sind dafür weder geeicht noch ist unser politisches System auf Veränderung angelegt. Ganz im Gegenteil. Wie aber soll eine Gesellschaft im rapiden, disruptiven Wandel gemanagt werden? Wie soll eine Gesetzgebung aussehen, die diese Veränderungen bewältigt? Klaus Schulz etwa verlangt eine agile Gesetzgebung, also gleichsam sich automatisch anpassende Gesetze.

Und es werden viele Gesetze und Regelungen kontinuierlich geändert werden müssen. Das Finanzsystem muss gebändigt werden, das Steuersystem an die disruptiven Änderungen angepasst werden müssen – Stichworte: Produktivitätssteuer, Robotersteuer, Datensteuer, Prosperitätssteuer… Unser Sozialsystem muss nicht nur agil, sondern fluid auf die absehbaren Veränderungen reagieren: Überalterung, Arbeitsverluste, Zuwanderung, Grundeinkommen…

Vor allem aber wird die große Mehrheit der Menschen von den Veränderungen überfordert sein. Sie tut sich heute schon so schwer. Und heute erleben wir nur den ersten Hauch kommender Disruptionen. Wir erleben schon jetzt, wie Menschen ihre Unfähigkeit und ihr Unwillen, Änderungen zu akzeptieren und anzugehen, in Aggression und Verweigerung treibt – und in die Arme von Rechtspopulisten, die unverantwortlicherweise einfache Lösungen versprechen.

Wir brauchen ein Change-Management für unsere Gesellschaft

Wie soll das Change-Management für eine komplette Gesellschaft, für ein komplettes Staatssystem oder gar für hypernationale Systeme wie die Europäische Union aussehen, oder gar für eine Weltregierung? Wie muss dafür ein geeignetes Bildungssystem aussehen? Und eine Fortbildung für die Pädagogen, die Menschen (nicht nur Jugendliche) für solch ein System fähig machen sollen?

Und was tun mit all den Menschen, die noch nicht einmal in der Moderne oder unserer digitalen Wirklichkeit angekommen sind? Was ist mit der Zweiten und der Dritten Welt – und den Menschen die vor dort zu uns fliehen?

Es gibt keine einfachen Lösungen, das ist sicher. Aber man kann sich relativ gut auf die am meisten unterschätzten Fähigkeiten des Menschen verlassen: seine Ingenuität und seine Anpassungsfähigkeit. Aber beide dürfen nicht dauernd überstrapaziert werden. Wir lernen nicht am besten, wenn wir andauernd ins kalte Wasser geschmissen werden oder im Panikmodus handeln müssen.

Bei sich selbst anfangen

Besser wäre es, wenn wir all diesen Veränderungen ins Auge sehen. Wissend und mit Mut. Vielleicht sogar manchmal mit Vorfreude. Besser wäre es, wenn wir von Veränderungen nicht stets auf dem falschen Fuß erwischt werden, wenn wir agieren und nicht nur reagieren. Nur so hätten wir eine echte Chance, in etwa mitbestimmen zu können, wohin unser Weg geht.

Der derzeitige Modus des „alternativlosen“ Dahinwurstelns ist sicher falsch. Genauso das konsequente Wegsehen vor den kommenden Entwicklungen. Es wäre toll, eine Kanzlerin, meinetwegen auch einen Kanzler zu haben, der die Probleme der Zukunft klar benennt, der Ideen und Vorschläge für deren Bewältigung hat und dann wirkungsvoll Zuversicht ausstrahlt: „Wir schaffen das!“

Hilfe statt Hysterie

Aber nur auf die Politik hoffen, ist sicher allzu blauäugig. Jeder muss bei sich selbst anfangen. Ich habe mir angewöhnt, auf alle Änderungen und die begleitenden hysterischen Untergangsszenarien (der Medien u.a.) relaxt, emotionslos, gleich-gültig und neugierig zu reagieren. Klappt nicht immer, aber immer besser. Ich habe mir den analytischen Blick eines Insektenforschers angewöhnt, der die in seinem Schmetterlingsnetz gefangenen seltsamen und manchmal nicht hübschen Exemplare mit großem Interesse begutachtet.

Be-gut-achtet. Was ist gut? Was schlecht? Ich versuche anderen zu helfen, das Gute auch zu sehen und Ängste abzubauen. Mache Mut und helfe Schwellenängste abzubauen. Und bei Schlechtem versuche ich dagegen aktiv zu werden. Immer und überall. Aber ganz unhysterisch. Mit Argumenten und Perspektiven. Ist anstrengend – und funktioniert nicht immer. Aber nur so schaffen wir es, die neue Welt annehmbar, vielleicht sogar positiv zu gestalten.

Die hermetische Gesellschaft

1. November 2015


Wir müssen entscheiden, in welcher Art von Gesellschaft wir leben wollen

Ich frage mich, wie soll unsere Welt aussehen, wenn wir überall von Zäunen und Mauern umgeben sind? Wie stellen sich Politiker unseren Alltag vor, wenn sie uns -. oder sich? – gegen Flüchtlingsströme abschotten wollen? Wie soll unsere Gesellschaft funktionieren, wenn es wieder bewachte und kontrollierte Grenzen gibt? Mit graust bei der Vorstellung solch einer sich hermetisch nach außen abschließenden Gesellschaft.

Broken Glass Security

Der erste Denkfehler ist doch hier, dass irgendwann die Flüchtlingsströme abreißen werden und wieder „Normalität“ einkehren wird. Das wird sie nicht. Das weiß jeder halbwegs intelligente Politiker. Wir haben alles dafür getan, dass wir ein Jahrhundert, wenn nicht ein Jahrtausend der Migration erleben werden. Wir haben Konflikte geschürt und Waffen geliefert. Wir haben unseren Wohlstand auf Kosten der Dritten Welt (und auch der Zweiten Welt) angesammelt. Wir haben politische Dummheiten zugelassen – und wirtschaftliche Desaster dazu.

Vertreibung durch Krieg und Klima

Das Ergebnis sind Menschen, die vor Kriegen, Stammesfehden und/oder religiöser oder ethnischer Verfolgung fliehen. Aus Syrien, aus Afrika, aus dem Nahen Osten. Wir haben Personal in Afghanistan angeheuert, das heute vor der tödlichen Rache der Taliban zu uns flüchten. Wir haben es versäumt, schwachen Wirtschaften ausreichend Chancen zum Wachstum zu geben. Kein Wunder, dass diese Menschen bei uns Sicherheit und Prosperität suchen.

Und wir haben nicht genug Druck ausgeübt, dass endlich wirksam der Klimawandel eingebremst wird. Absehbar ist, dass bald aus all den dicht bevölkerten meeresnahen Landstrichen, die nicht reich genug sind, wirksame Deiche zu bauen, bei steigendem Meeresspiegel die Menschen fliehen werden müssen. Weite Teile von Afrika und des Nahen Ostens werden absehbar bald zu heiß für menschliches Leben abseits von Klimaanlagen sein.

Migrationsdruck durch Masse

Und schon jetzt wissen wir, dass in Zentralafrika die Bevölkerung rapide zunehmen wird. Die zusätzlichen 4 Milliarden Menschen, die im Laufe der nächsten Jahrzehnte zu den bestehenden 7,5 Milliarden hinzukommen, werden in Afrika geboren. Welch massiver Migrationsdruck wird hier schon durch die schiere Masse von Menschen entstehen?

Alle diese Probleme sind real existent. Daran kann man erst mal wenig ändern, kurzfristig und mittelfristig am wenigsten. Aber mit den daraus resultierenden Folgen müssen wir umzugehen lernen. Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir uns um Flüchtlinge kümmern müssen. Das muss weltweit geschehen, wenn wir nicht wollen, dass sie bald vor unserer Haustüre stehen. Und wenn sie dort stehen, müssen wir Wege und Prozesse finden, damit umzugehen. Fair, vernünftig und effektiv.

Spiel ohne Grenzen

Was für eine Illusion, diese Probleme mit Mauern und Zäunen eindämmen zu wollen. Wie wenig wirksam das funktioniert, kann man ja an der Grenze der USA zu Mexiko beobachten. Und Europa hat unendlich lange Grenzen und unendlich lange Küstenlinien: 66.000 Kilometer. Und wenn es doch versucht würde: Wer will die Verantwortung für die Menschenleben übernehmen, die eine Abschottung mit Grenzwällen und (schießendem?) Grenzpersonal selbstverständlich kosten würde. Man stelle sich eine Gesellschaft vor, die nicht bis ins Mark bei Bildern von toten Kindern erschrickt.

Die Vorstellung, wie eine Gesellschaft aussehen würde, die sich hinter Mauern und Zäunen vor dem Ansturm von Verfolgten und Wohlstandssuchenden verschanzt, treibt mich am meisten um. Wir können ja beobachten, was der Abschied von der Idee, ein Einwanderungsland zu sein, aus den USA die letzten Jahrzehnte gemacht hat. Wir sehen, wie ein weltoffenes Land wie Israel, das hermetisch von seinen Nachbarn abgeschottet ist und unablässig neue Mauern zu den Palästinensern baut, sich gesellschaftlich verhärtet hat.

Exportgut Offenheit und Kultur

Ich habe dieses Jahr in China erlebt, wie egozentrisch und selbstvergessen ein Land funktioniert, dass so gut wie keine Fremdeinflüsse zulässt. So gern gesehen Ideen von außen sind, so wenig möchte man sein Land Fremden öffnen. Mit der Folge, dass zu wenig eigene Ideen entwickelt werden, dass Innovation, Kultur und Lösungskompetenz von anderswo her importiert wird. Wo man hinsieht, westliche Marken, wo man hinhört, westliche Musik.

Importiert werden Marken, Kultur und Innovation gerade auch aus Europa: diesem Schmelztiegel aus Kulturen, Sprachen, Denkweisen, Trends und Völkern. Dieser Schmelztiegel funktioniert aber nur mit offenen Grenzen und nicht als Gated Community. Austausch funktioniert nur mit einer Kultur des Vertrauens und nicht mit einer der Angst vor allem Fremdem und voller Misstrauen. Wir brauchen aber gerade Zutrauen und Selbstbewusstsein, um wirksam in den Austausch mit anderen Denkweisen und Kulturen gehen zu können, ohne Schaden zu nehmen.

Beschränktheit durch Mauern

Zäune und Mauern schaffen nur eine vermeintliche Sicherheit. Sie produzieren aber verlässlich Begrenztheit, Klaustrophobie, Angst und Beschränktheit. Wer einmal durch eine Stadt in Apulien spaziert ist zwischen lauter mit Flaschenscherben bewehrten hohen Mauern, der kennt die Beklemmung, die solch Bauwerke auslösen. Nach außen wie nach innen. Wie frei, beschwingt und glücklich bewegt man sich in Gegenden mit angedeuteten Zäunchen oder unbewehrten Gärten, in denen ein frei stehendes Gartentor allem Sicherheitswahn Hohn spricht.

Mir wird physisch unwohl, wenn ich mir vorstelle, wie solch eine hermetisch abgeschlossene Gesellschaft aussehen müsste. Was sie aus uns machen würde. Wie man in solch einer von Misstrauen geprägten Alltagswelt miteinander umgehen würde. Es wäre eine ängstliche, „fürchterliche“ Welt, die von einem Gegeneinander statt einem Miteinander geprägt wäre.

Natürlich bekommt man solch eine offene Welt nicht gratis. Sie kostet Mut, sie kostet Selbstvertrauen – und auch Geduld und gute Nerven. Unser Auto ist gerade die Tage in Italien aufgebrochen worden, Papiere, Handy und Geld sind weg. Unangenehm und nervig in der Wiederbeschaffung. Aber kein Grund panisch oder sauer zu werden. Nur vielleicht ein wenig umsichtiger.

Blauäugig und effektiv

Die Diebe, das waren Menschen, die Geld brauchten. Davon werden wir in Zukunft viele erleben, speziell wenn wir unsere Grenzen offen lassen. Ich halte es aber für besser, auch gerade ihnen eine Kultur der Offenheit und des Vertrauens zu offerieren. Wer eine Gesellschaft der Freiheit, Offenheit und des Vertrauens einmal kennen gelernt und genossen hat, wird vielleicht gerne mithelfen, sie zu verteidigen.

Vertrauenskultur: Nationen mit viel Vertrauen in andere.

Vertrauenskultur: Nationen mit viel Vertrauen in andere.

Das kann man blauäugig nennen. Oder als Gutmenschentum verurteilen. Mit geht es da auch gar nicht um Moral. Ich glaube einfach, dass Offenheit die effektivere Art der Sicherheit ist. Ich denke, dass sie die einzige Option ist, die Welt, die wir lieb gewonnen haben, in großen Zügen zu bewahren. Eine hermetische Gesellschaft, die sich luftdicht von der schlimmen Welt außen herum abdichtet, wird daran schlicht ersticken.


Trends 2015 – Ideen, Fakten Perspektiven

Manchmal überrascht der digitale Wandel selbst mich. Irgendwann vor ein paar Monaten erreichte mich eine Email vom Fischer Verlag, in der nachgefragt wurde, ob ich einem Reprint des Buches „Trends 2015“ zustimmen würde. Einzige Bedingung, drei Exemplare der damaligen Ausgabe zum digitalen Einlesen zur Verfügung stellen. Die Email kam von Fischer Digital, die das Buch, das Gerd Gerken und ich 1995 veröffentlicht haben, als eBook und als Reprint (on demand?) in Taschenbuchform neu auflegen wollten.

Trends 2015Und siehe da, heute wurden tatsächlich zwei gedruckte Belegexemplare geliefert. Das Buch ist als Ebook und als Taschenbuch bei den üblichen Verdächtigen (Amazon, Libri etc.) zu erwerben. Das freut mich wirklich. Ich denke aber, das Buch braucht eine kleine Bedienungsanleitung, um es zu verstehen – und gegebenenfalls wertzuschätzen. Die Kritiken zum Buch – teilweise noch im Netz – waren damals recht gut. Nur wenige Rezensenten lebten ihre generelle Aversion gegen Trendforschung und Zukunftsprognosen aus.

Die Zukunft der Zukunft

Ach ja, damals. Das Buch wurde in den Jahren 1991 bis 1994 geschrieben. Es entstand aus einer Artikelreihe in der Zeitschrift WIENER – Zeitschrift für Zeitgeist. Dort behandelten wir der Reihe nach Zukunftsszenarien für die unterschiedlichsten Themen. Von Zukunft der Liebe, Zukunft des Sex bis Zukunft des Sport oder Zukunft der Demokratie etc. Das Buch war dann eine Sammlung von überarbeiteten Versionen der Zeitschriftenartikel, um einige Themen und einen Einleitungs- und einen Schlussartikel – Die Zukunft der Zukunft – ergänzt.

1995 erschien das Buch als Paperback im Schweizer Scherz Verlag und verkaufte sich so gut, dass es 1998 von dtv als Taschenbuch herausgebracht wurde. Als Titel hatten Gerd Gerken und ich „Trends 2025“ gewählt. Das war dem Scherz Verlag zeitlich viel zu weit weg. Zitat: Keinen interessiert, was in 30 Jahren passieren wird. Also wurde der Titel zu „Trends 2015 – Ideen, Fakten, Perspektiven“ verjüngt. – So gesehen kommt der Reprint zeitlich richtig, nur eigentlich müsste er jetzt – endlich richtig – „Trends 2025“ heißen. Denn die Entwicklungen, die wir in dem Buch beschreiben, sind deutlich noch nicht abgeschlossen, sondern werden teilweise gerade im Moment erst virulent.

Multimedia statt Internet

Ich freue mich, dass das Buch jetzt wieder auf dem Markt ist. Für die Inhalte und Prognosen müssen wir uns nicht schämen. Im Gegenteil. Man muss das Buch nicht aus einer historischen Perspektive lesen – es bietet genug Polarisierungen und Provokationen, um auch noch heute lesenswert zu sein. Vor allem, weil wir mit einigen Prognosen ziemlich richtig lagen. Das lässt hoffen, dass wir auch beim Rest nicht so schlecht liegen – bei der Vorausschau bis in das Jahr 2025 – und darüber hinaus. Vor allem funktioniert das Buch besonders gut als Erklärung und Beschreibung  unserer Jetztzeit und der Gründe, warum es so gekommen ist – oder kommen musste.

Dabei weist das Buch eine große Kuriosität auf. Kein einziges Mal taucht im Buch der Begriff „Internet“ auf. Dieser Terminus war zu Redaktionsschluss Ende 1994 einfach noch nicht verbreitet und adaptiert. Wir haben uns im Buch bei der Beschreibung des „digitalen Zeitalters“ (Zitat!) mit Begriffen wie „digitale Kommunikationskanäle“, „Cyber“, „Virtualität“ und vor allem „Multimedia“ beholfen. Letzteres haben wir als interaktiv und immersiv definiert und als Ersatz für alle bisher existierenden Medien. Auch, dass dieses neue Hypermedium unser Sozialleben grundlegend ändern wird, haben wir prognostiziert. So gesehen haben wir das Internet und viele seiner Auswirkungen vorausgesehen – nur der Terminus war naturgegeben in den Jahren 1992 bis 1994 hierzulande noch nicht geläufig genug.

Auch bei einigen anderen Themen und Begriffen passiert das in dem Buch. So gut Zukunftsprognosen auch inhaltlich sein mögen. der Begriff, der sich dann letztlich durchsetzen wird, ist beim besten Willen nicht erahnbar. So hat das Buch an der einen oder anderen Stelle ein wenig – sprachliches – Patina angesetzt. Mich stört das nicht, im Gegenteil, es gibt dem Reprint fast ein wenig nostalgische Eleganz. Und es zeigt, wie schnell unsere Sprache auf die Veränderungen der Welt reagiert. Und trotzdem gibt es einige Begriffe, die bis heute auf eine schlüssige Benennung warten. Wir haben dazu einige brauchbare Vorschläge geliefert.

24 Kapitel über die Zukunft

Folgende 24 Themen behandeln wir in dem Buch :

  1. Schöne neue Welt – Einleitung für die Zukunft
  2. Die telematische Gesellschaft – Die Zukunft der Trends
  3. New Edge – Zukunft des Denkens
  4. Die Hyperrealisten kommen – Zukunft des Minds
  5. Die Generation von morgen – Zukunft der Generation X
  6. Die Liebe auf Probe – Zukunft der Liebe
  7. Cybersex und Sexpeace – Zukunft des Sex
  8. Das große Nagual – Zukunft der Freizeit
  9. Media goes Multimedia – Zukunft der Medien
  10. Bewusstsein durch Cyber – Zukunft der Kunst
  11. Die Bodyshow – Zukunft des Sports
  12. Spaß muss sein – Zukunft der Arbeit
  13. Family Business – Zukunft der Firmen
  14. Interfusion – Zukunft des Marketing
  15. Ode an den Code – Zukunft der Werbung
  16. Der Stoff, aus dem Gefühle sind – Zukunft der Mode
  17. Faster times, faster food? – Zukunft der Ernährung
  18. Der Fetisch der Mobilität – Zukunft des Autos
  19. Der Mythos des Homunculus – Zukunft der Gentechnologie
  20. Schluss mit Bambi – Zukunft der Ökologie
  21. Die freie Spiritualität – Zukunft der Religionen
  22. Das Ideal und der Ekel – Zukunft der Demokratie
  23. Neuentwürfe einer Ideologie – Zukunft der Ideologien
  24. Wir werden Schamanen, die träumen – Zukunft der Zukunft

Wie man sieht, sind wir keinem inhaltlichen Risiko aus dem Weg gegangen damals. Das ist vor allem das Verdienst von Gerd Gerken, der sich nie gescheut hat, auch kontroverse Themen sehr kontrovers, mutig und provokativ anzugehen. Ich bin ihm bis heute dankbar, dass er mich zwang, aus meiner ideellen und mentalen Komfortzone herauszukommen. Die ersten „gemeinsamen“ Kapitel waren noch ein Mitschreiben von meiner Seite mit dem Bemühen, Gerd Gerkens sehr eigene Sprache und Terminologie allgemein verständlich umzusetzen.

Raus aus der Komfortzone

Im Prozess der Arbeit an immer mehr Themen konnte ich mich dann mehr und mehr einbringen. Ich hatte immer besser gelernt. selbst kontrovers und „rücksichtslos“ zu denken – und zu schreiben. Am Ende der Entwicklung stand nicht nur dieses Buch, bei dem ich in Eigenregie das Einleitungskapitel schrieb – und Gerd Gerken standesgemäß das Schlusskapitel. Am Ende der Entwicklung stand auch meine Kündigung beim WIENER. Man muss nur das Kapitel „Zukunft der Medien“ lesen, dann versteht man, warum. Ich wechselte damals 1993 zur Werbeagentur „Scholz & Friends“ nach Hamburg, um dort deren Abteilung „Trend Research“ aufzubauen.

Und wie es das Schicksal so wollte, kam dann ein großer Trend auf, den man in Deutschland damals nicht ernst nehmen wollte (oder konnte): das Internet. Ich hatte so meine Probleme, meine Kunden von diesem Trend und seinen Implikationen zu überzeugen. Also arbeitete ich mich tiefer und tiefer in die Materie ein – und war dann plötzlich einer der wenigen „Experten“ fürs Internet in Deutschland – und wurde als Chefredakteur von Europe Online nach München abgeworben. Das war 1995, vor 20 Jahren. (Dazu bald mehr – hier an dieser Stelle.)

Gerd Gerken – der Urvater der deutschen Trendforschung

Ach ja, es wird heute dann doch Menschen geben, die Gerd Gerken nicht kennen. Ende der 80er- Jahre und in den 90er-Jahren war er ein gesuchter Coach (damals war der Begriff noch nicht so herabgewirtschaftet wie heute) und ein erfolgreicher Buchautor mit mehr als einem Dutzend Büchern über neues Marketing, Business, Firmenführung – und er war der erste ernst zu nehmende Trendforscher Deutschlands. Von ihm haben alle Trendexperten hierzulande gelernt. Nicht nur ich, auch Matthias Horx und etliche andere.

Gerd Gerken und ich arbeiten bis heute in unterschiedlichsten Projekten zusammen. Nicht mehr publizistisch, das ist nun mein Part. Aber wir versuchen, in immer neuen Projekten die Möglichkeiten der digitalen Kommunikation möglichst weit auszureizen. So gesehen war das Buch das Beste, was mir passieren konnte. Schön, dass es es jetzt wieder gibt. – Ich lese mich gerade wieder in ihm fest…

%d Bloggern gefällt das: