HC = horroris causa/humoris causa


Die Geschichte hinter dem Video

Ich kenne HC Strache nicht. Ich kenne nur seine Medienauftritte und seine rechtspopulistischen Sprüche (samt adäquater Politik). Aber ich habe ihn jetzt sehr privat kennengelernt. Vier Stunden lang im Urlaub auf Ibiza. Oder was Menschen vom Schlage eines HC Strache halt als Urlaub verstehen. Da gibt es keine Pause von der Gier nach Macht.

Heinz-Christian Strache (FPÖ)
HC Strache (Foto: Wikipedia)

Oder ist das Urlaub, wenn man noch wurstiger als sonst schon über die Spielregeln der Demokratie hinweggeht? Urlaub ist auf alle Fälle der (noch?) maßlosere Konsum von Alkohol, Red Bull, Zigaretten, eigenen Fingernägeln und weiß sonst noch was. Geile Mischung: Sedativum gemischt mit Aufputschmitteln. Klar, dass dann der Hormonhaushalt durcheinander gerät und das Denkvermögen leidet. Bleibt nur der pure Instinkt und der allgegenwärtige innere psychische Motor eines von Kindheit an gefühlt Zu-kurz-Gekommenen (nein, kein Wortspiel!).

Kann Authentizität „dumm“ sein?

Die österreichische Tageszeitung „Kurier“ attestiert dem zurückgetretenen FPÖ-Obmann (Parteivorsitzenden) eine „atemberaubende Dummheit“. Ich finde, diese Diagnose ist viel zu harmlos. Abgesehen davon, dass man weiß, dass HC Strache per se nicht „dumm“ ist. Aber die Situation und das Verhalten der Protagonisten ist viel abgefeimter, als dass es „dumm“ genannt werden könnte. Denn hier kommt der Strache ans Tageslicht, wie er nun mal ist. Authentizität live in action. In Red Bull veritas, sozusagen. Und das vor zwei Menschen, die er das erste Mal in seinem Leben sieht. Wie mag er sich aufführen, wenn man „unter sich“ ist? Daher hier auch keine klammheimlich Freude, sondern das Gegenteil. (Was ist das Gegenteil von klammheimlich?)

Ich habe seinerzeit meine eigenen Erfahrungen gemacht damit, wie Menschen sich ideologisch entblößen, wenn sie von ihrer eigenen Wichtigkeit besoffen sind und in einem Gegenüber die geeignete, vielleicht dringend gewünschte Projektionsfläche für ihre sonst sorgsam verhüllten politische Ansichten finden. Wo sie doch sonst immer so aufpassen müssen, nicht mit ihren Ansichten anzuecken oder gar das eigene Geschäft zu schädigen.

Vergangenheit als investigativer Reporter

Ich war ja beim WIENER selbst jahrelang als investigativer Reporter unterwegs und war immer eher entsetzt als erfreut, wenn ich im Sinne der Story erfolgreich war, und sich Menschen in ihrer politischen Verstocktheit oder ihrer Gier entblößt haben. Sei es, wenn sie ein KZ für AIDS-Opfer bauen wollten, samt Stacheldraht und bewaffneter Wache; oder wenn sie einen dubiosen rechten politischen Verein zu finanzieren bereit waren, ähnlich wie es HC Strache der Oligarchen-Nichte vorschlug, um die Finanzierungsgesetze der politischen Parteien in Österreich zu umgehen; oder wenn sie sich nicht zu fein waren, Schleichwerbung im TV zu machen etc.

Ich hatte mich damals nach jedem meiner „Erfolge“ oft selbstkritisch gefragt, ob ich meine Gegenüber zu sehr gelockt habe, sie also verführt habe. Gott sei Dank hatte ich immer einen Zeugen oder mein (verborgenes) Aufnahmegerät dabei, damit ich mich später beruhigen konnte, dass sich meine „Opfer“ schon selbst um Kopf und Kragen geredet haben. Ich hatte nur die geeignete Situation dafür geschaffen, sozusagen die Plattform für ihre Selbstentblößung.

Das Budget der Inszenierung

Genau dasselbe habe ich im Strache-Video entdeckt. Auch hier war gekonnt die Situation inszeniert. Das fing sicher schon im Vorfeld, in Gesprächen mit Gudenus, dem Initiator des Treffens, an. Dann am Abend selbst wurde mit viel Aufwand und Kosten gearbeitet. Das hat die Süddeutsche Zeitung sehr gut in ihrer Dokumentation „In der Falle“ dokumentiert.

Es wurden Tausende Euros für die Anmietung des Anwesens auf Ibiza ausgegeben, hinzu kamen Kosten für das Catering, die vielen Stimulanzien und wohl auch für die Anmietung protziger Autos (Maybach, BMW Z4) und etliche Bodyguards als passendes Ambiente. Letztere wären sicher sehr hilfreich gewesen, falls der Prank, wie man heute bösartige Streiche nennt, schief gegangen wäre. Und bei den Kosten nicht zu vergessen: das technische Equipment mit einer kleinen Armada an versteckten Kameras und Mikrophonen in verschiedenen Zimmern und draußen auf der Veranda samt deren Aufnahmegeräte.

Die Jagd auf die Initiatoren

Und last not least mussten auch noch die beiden Protagonisten, die Darstellerin der russischen Oligarchen-Nichte und deren Begleiter gefunden – und schätzungsweise – bezahlt werden. Was für ein Aufwand. Unterschätze keiner, was das für eine massive Organisations-Arbeit ist. Und insgesamt dürfte da locker ein Budget von 25.000 bis 40.000 ofder mehr Euros zusammengekommen sein. Viel zu viel Geld für einen investigativen Scherz, zu viel auch für eine Aktion von Medien. Eher ein Budget, das einen professionellen Hintergrund und ein veritables Interesse vermuten lässt. Die Jagd auf die Initiatoren dieses Spektakels wird die nächsten Wochen spannend zu beobachten sein.

Aber zurück, was auf den Videos zu erleben ist. Da ist weit mehr jenseits der eifrig kolportierten dubiosen Angebote, der möglichen Durchstechereien, der verdeckten Spenden und skizzierten Einschränkungen demokratischer Rechte und Institutionen zu entdecken. Man muss sich einmal komplett auf die völlig absurde Situation in der Villa auf Ibiza einlassen.

Machogehabe vs. gute Nerven

Man stelle sich es nur vor: Hier sitzen neben Strache auch noch Johann Gudenus, der Fraktionsvorsitzende der FPÖ, und vor allem seine Ehefrau über vier Stunden herum. Und es hat spürbar keinen Einfluss, dass neben der vermeintlich reichen Russin noch eine zweite Frau in der Runde sitzt. Da wird trotzdem ungeniert gebalzt und geprahlt. Es scheint sogar, dass diese Anwesenheit zur Ungezügeltheit und Ungehobeltheit eher angestachelt hat. Machogehabe at its extreme.

Mich interessieren in der Situation besonders die beiden Protagonisten, die im Video nicht zu sehen sind. Aus gutem Grund wahrscheinlich, zu ihrem eigenen Schutz. Die Darstellerin der geldigen Russin und ihr Begleiter, ein Deutscher (?) mit guten Russischkenntnissen. Dieses Meeting mit all seinen absurden Wendungen und dem Konsum von stimulierenden Substanzen über vier Stunden lang ausgehalten zu haben und immer wieder leise und gekonnt nachgehakt zu haben, ohne je zu übertreiben, das setzt wahnsinnig gute Nerven, eine ähnliche Abgefeimtheit – nennen wir es hier mal „mentale Stärke“ – wie die des Gegenübers und hohe Motivation voraus.

Spannung, Spannung, Spannung…

Das Faszinosum des per Video dokumentierten Treffens ist neben seiner Dauer vor allem seine Fülle an Themen und Absurditäten und der Einblick in ein virtuoses Panoptikum menschlicher Abgründe. Und es ist immer spannend: Wann, bitte, fliegt der Prank endlich auf?

Einmal ist es ganz nah dran. „Dös is a Falle!“, raunt Strache. Er hat Verdacht geschöpft, weil die reiche russische Milliardärs-Nichte dreckige Fußnägel hat. Das muss aber nicht wirklich störend gewesen sein, denn sein Jagdinstinkt ist längst geweckt: „Bist du deppert, die ist schoarf!“, meint er zu Gudenus. Da glaubt Strache seinem Adlatus Gudenus gerne, als der ihn beruhigt: „Des is kaa Falle!“

Die Unwirklichkeit des HC Strache

Kein Wunder, dass „Joschi“, wie Strache Johann Gudenus nennt, kein Interesse hat, dass das Treffen im Fiasko endet. Schließlich hat er es eingefädelt und ist mit seinen  Russischkenntnissen – er hat in Moskau studiert – unabkömmlich als Dolmetscher und Stichwortgeber. Wenn der in Aussicht gestellte Geldregen mit schwarzem russischen Geld wirklich kommt, wird er der große Held in der FPÖ sein.

Die Wahrheit ist aber eine andere. Es gab, so heißt es, im Nachgang zu der „Party“ auf Ibiza noch ein paar Kontakte zwischen Gudenus und dem Vermittler. Aber irgendwann muss der Kontakt ja abgebrochen sein. Vor allem aber wurde nichts von dem, was besprochen wurde, je Wirklichkeit. Es floss kein Geld aus Russland, es kamen keine Spenden herein und auch die Kronen-Zeitung wurde nicht gekauft und im Sinne der FPÖ umgemodelt.

Viel Spaß im neuen Leben

Irgendwann nach der Wahl 2017 muss Strache und Gudenus klar geworden sein, dass sie einem Fake aufgesessen sind. Die Ansprechpartner waren nicht mehr zu erreichen. Alles war wie im Rausch verflogen. Vielleicht sieht die Wirklichkeit bei der FPÖ so aus, dass alles jenseits der Realität geschieht? Aber Strache muss sich doch bewusst gewesen sein, dass er sich mit dem Meeting erpressbar gemacht hat. Aber auch das scheint in der österreichischen Politik der Normalfall zu sein, wie es Strache im Video in seinen Andeutungen über die Homosexualität und Sexualeskapaden österreichischer Politiker angedeutet hat.

Spätestens seit Mittwoch vor dem Erscheinungstermin der Story in der Süddeutschen Zeitung und im Spiegel am Freitag, als er von den beiden um Stellungnahme gebeten wurde, muss Strache bewusst geworden sein, dass diese Nacht auf Ibiza sehr verhängnisvoll für ihn werden sollte. Dann spätestens dürfte ihm auch klar geworden sein, dass das komplette Fiasko auch noch gefilmt und aufgezeichnet worden war. Interessant, dass er sich nicht bemüßigt fühlte, umgehend seinen Chef, Kanzler Sebastian Kurz, darüber zu informieren. Und irritierend, dass er bei seinem Rücktritt am Samstag so konsterniert und geschockt aussah, als hätte er alles gerade erst erfahren. Er muss bis zuletzt gedacht haben, irgendwie damit davonzukommen.

Irrtum. Wie formulierte der österreichische Kabarettist Michael Niawarani so schön: „Sehr geehrter Herr Strache. – Viel Spaß im neuen Leben!“

P.S.: Das alles hat übrigens in einem Land stattgefunden, dass berühmt ist für mediale Späße. Ich erinnere mich heute noch mit Vergnügen daran, als Ottfried Fischer für den WIENER im Ductus von Franz Josef Strauß den damaligen Bundespräsidenten Kurt Waldheim angerufen hat und ihn auf die Wiesn eingeladen hat.

 

 

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Der rosa Clown


Ein Ausweg aus der globalen Coulrophobie

Coulrophobie? Nie gehört? – Das ist verständlich. Es beschreibt die Angst vor Clowns, die heutzutage immer mehr Kinder überfällt. Und damit sind noch nicht einmal Grusel- und Killerclowns wie „Pogo der Clown“ oder „Pennywise“ („Es“) gemeint, die in Horrorfilmen ihr Unwesen treiben. Kinder verängstigen einfach die weißen Gesichter, die krassen Grimassen und das linkische Treiben der Spaßmacher, die dann eben so gar nicht Spaß machen.

Pennywise 02
Der Horror-Clown Pennywise

Am schlimmsten sind die weißen Clowns, die hochnäsig, arrogant und selbstverliebt die Chefs der Clowntruppen sind. Wikipedia definiert sie treffend so: „Seine Partner kommandierend, wendet [der Weißclown] dem Publikum häufig den Rücken zu und scheint es auch sonst kaum zu beachten. Dadurch wirkt er, wie auch durch gespielte Ernsthaftigkeit, eitel und arrogant, also als Karikatur des Vertreters einer Elite.

Die Weißclowns sind auch der Grund, warum ich in meinem Blog zuletzt über Monate hinweg stumm geblieben bin. Metaphorisch gesprochen, ist mir schlicht „die Spucke weggeblieben“ während weltweit die weißen Clowns die Macht übernommen haben. Man könnte lachen, wie ein Donald in Amerika, ein Salvini in Italien, ein Bolsonaro in Brasilien, ein Orban in Ungarn, ein Maduro in Venezuela, ein Strache in Österreich, ein Farage – oder noch besser: Boris Johnson – in Großbritannien ihre Possen zum Besten geben. Aber das Lachen kann nicht funktionieren, weil es eben keine Komödien sind, die hier veranstaltet werden. (Apropos: Theresa May scheint es zu gelingen, der erste weibliche weiße Clown zu werden. Weiß, ganz ohne Schminke.)

Back to the future

Mir jedenfalls ist erst mal das Schreiben vergangen. Denn je mehr man sich an den Lügen und Absurditäten der sogenannten Populisten abarbeitet, desto mehr unverdiente Aufmerksamkeit wird ihnen zuteil. Denn hinter dem Deckmantel ihrer Untaten wird ja stets handfeste Politik betrieben, werden Demokratien ausgehebelt und mühsam erkämpfte Rechte vernichtet. Das ist nicht lustig. So atemberaubend auch die Volten der Polit-Clowns, so absurd ihre Verkleidungen (Donald Trump als Orange-Clown) und so abgefeimt ihre Intelligenz und so abgründig ihre Ignoranz sein mögen.

Mein Schweigen ist so gesehen gelebte Coulrophobie. Oder besser, sie war es. Ich will mich in Zukunft nicht mehr an diesen unerfreulichen Gestalten abarbeiten. Das tun andere in genügendem Ausmaß, teilweise sogar übereifrig – Stichwort: „unverdiente Aufmerksamkeit“. Meine forsche These ist, dass dieses Horrorkapitel doch irgendwann zu Ende geht. Vielleicht gerade dadurch, dass man zeigt, wie es anders besser gehen könnte. Mein Thema soll also wieder die „Zukunft“ sein. Also Szenarien, wie eine Welt aussehen könnte, die wir uns noch nicht so recht vorstellen können.

Sprunghafte Zukunft

Das Thema Zukunft kann man bierernst betreiben. Die Gefahr ist, dass man dabei schnell mal mit einer Prognose komplett daneben liegt. Jeder ist viel zu sehr im Hier und Jetzt, oder – noch schlimmer – im Überkommenen, Vergangenen gefangen, um wirklich frei und unvoreingenommen Künftiges vorhersagen zu können. Und selbst wenn man es könnte, gefällt es oft genug der Zukunft, es sich noch einmal völlig anders zu überlegen.

Der beste Beweis dafür ist, dass Zukunftsforscher zwar mit ihren Büchern und den Beratungsleistungen bei Firmen gutes Geld verdient haben. Reich geworden ist keiner, indem er sein Geld auf eine Zukunftstechnologie gesetzt hat. Ober anders formuliert. Larry Page und Sergej Brin sind mit Google reich geworden, Mark Zuckerberg mit Facebook und nicht Timothy Berners-Lee, der „Erfinder“ des Internet oder gar einer der Vordenker des Internet wie Jaron Lanier oder andere.

Silly idea contest: Utopolgy

Ich werde mir in Zukunft eher die Idee des legendären Futurologen zu Herzen nehmen: „thinking the unthinkable“, das Undenkbare denken, über das Undenkbare nachzudenken. Eine Praxis, die auch Wired-Urgestein Kevin Kelly oder Musikologe Brian Eno pflegen. Wir ahnen heute recht gut, was auf uns in Zukunft zukommen kann. Aber wir vergessen allzu oft, darüber ganz naiv und kreativ nachzudenken. Nur so können wir aus der Umklammerung des Bekannten entkommen.

Ich möchte nachdenken, wie eine Welt aussehen könnte, in der eine Share-Economy herrscht. Wie könnte eine Welt und wie könnten Gesellschaften funktionieren, in der Existenzängste – dank garantiertem Grundeinkommen – der Vergangenheit angehören. Wie kann künstliche Intelligenz unsere „menschliche“ Intelligenz unterstützen – und wie könnten wir diese human intelligence, wenn sie von lästigen Alltagsarbeiten entlastet ist, weiterentwickeln? Oder wie sieht eine Welt aus, in der wir keine Energieprobleme mehr haben?

Man könnte mit solch einem Denken die Futorologie um eine Utopologie erweitern. Vorgemacht hat so etwas vor mehr als 100 Jahren Jules Verne. Er hat sich Geschichten dazu ausgedacht, wie es aussehen könnte, wenn Mythen und ewige Wünsche der Menschheit Wirklichkeit werden: Eine Reise zum Mond, eine Tauchfahrt in den Ozeanen, eine Reise um die Welt und vieles mehr. Fragt sich, ob der Wunschkatalog von uns Menschen längst erschöpft ist. Ich denke nicht.

Lust auf Zukunft

Die Zuversicht auf eine positive Zukunft schrumpft die letzten Jahre immer mehr. Die Idee, „meine Kinder sollen es einmal besser haben als wir selbst“, scheitert an negativen Zukunftsperspektiven. Das zunehmende Versagen von (etablierter) Politik und Wirtschaft ist eine Ursache dafür. Die Apokalyptik unserer Medienwelt samt den Panikverstärkern der Social Media verstärkt den Zukunftspessimismus. Unsere auf die real existierende Wirklichkeit genagelte Denkweise findet da keinen Ausweg. Eine Dosis Utopologie kann da nicht schaden. Vor allem wenn sie ein gutes Stück Wahrscheinlichkeitsnähe mit sich trägt.

Klar ist, dass man sich, wenn man eine positive, strahlende, vielleicht bisweilen auch faszinierende mögliche Zukunft ausmalt, lächerlich machen kann. Sogar ganz sicher lächerlich macht. Das ist vielleicht sogar Absicht. Es ist nicht schlecht, mit einem Lächeln oder Grinsen in die Zukunft zu ziehen. Ernst und Bitterkeit, Angst und Bedenken gibt es sowieso genug.

Man macht sich sicherlich in den Augen der Ernsthaften und Bedenkenträger, der Pessimisten und Untergangsapologeten zum Clown, wenn man die Zukunft rosig ausmalt. Ich will das Experiment mal wagen, mich zum rosa Clown zu machen. Mal sehen, wie das so ist. Mal sehen, wie viele Ideen das freisetzt. Mal sehen, wie sehr das Spaß macht. Mal sehen, wie das so ankommt. Mal sehen, ob der rosa Clown vielleicht Mut macht. Nicht zuletzt für die Welt unserer Kinder.

 

Trolle trollen sich nicht


Es gibt ein Leben jenseits des Bösen

Ich habe mir vor einiger Zeit die Rede von Richard Gutjahr auf der TED-Konferenz in Marrakesh angehört. Er beschreibt da, wie er zum Ziel schlimmster Shitstorms, Beleidigungen, Verunglimpfungen und sogar Morddrohungen geworden ist, bloß weil er zufällig beim Terroranschlag in Nizza vor Ort war (Urlaub) und kurz darauf beim Amoklauf in München (seiner Heimatstadt). Beide Male hat er – er ist schließlich Journalist – mit seinem Handy mitgefilmt und gleich darauf auf Facebook berichtet.

Richerd Gutjahr

Da Trolle und Verschwörungstheoretiker Zufälle ausschließen, war Gutjahr für sie ein Agent, Mossad-Mitarbeiter und was sonst noch. Er wurde auf allen Kanälen mit Verleumdungen gegen ihn und seine Frau (sie ist Israelin) bombardiert, auf Facebook, Twitter und besonders heftig auf YouTube. Es lohnt sich, diesen Wahnsinn, dem Richard Gutjahr ausgesetzt war, mal „anzutun“ (in des Wortes Bedeutung). Man kann es in seinem Blog nachlesen oder sich das Video der TED Konferenz ansehen.

Die Hölle im Shitstorm

Danach versteht jeder, wie verzweifelt, verstört und fertig man nach solch einem Shitstorm bzw. einer solchen Verleumdungskampagne ist – und wie viel Kraft (und Geld) es braucht, sich dagegen zu wehren. Und wie viele Rückschläge es dabei gibt. Danach versteht man, warum es Sinn macht, wenn man Rechtsstaatsprinzipien auch im Netz durchsetzen muss. Auch wenn das dem Liberalismus der Netzapologeten und Silicon Valley Investoren gegen den Strich geht.

Es ist schon faszinierend zu beobachten, wie sich das Image der Deutschen und Europäer und ihr Umgang mit Datenschutz und Schutz der Privatsphäre (privacy) in den USA gewandelt hat. Früher hat man uns bestenfalls belächelt, normalerweise herbe kritisiert für den Versuch, das Internet zu regulieren. Heute werden wir immer mehr zum Vorbild erklärt. Immer mehr Menschen verstehen, dass man das Netz nicht ungeschützt lassen darf vor Trollen und Firmen, die Daten missbrauchen.

Die Abgefeimtheit der Verlorenen

Nach solch einer Schilderung wie von Richard Gutjahr mag man an der Menschheit verzweifeln. Das Gute im Menschen? In derartigen Fällen versteckt es sich zu gut. Und stattdessen werden Abgründe sichtbar, die man eigentlich in einer angeblich zivilisierten Welt nicht für möglich halten mag. So viel blinder Hass, so schwarze Aggression, so viel Abgefeimtheit, so viel in Bösheit umgeschlagene Verzweiflung. Anders mag man sich nicht vorstellen, dass Menschen so weit kommen können.

Aber ehe man in solchen Momenten zum Menschenverachter werden mag; ehe man seine Zuversicht in eine Entwicklung der Menschheit zum Besseren, zu Vernunft, Zuversicht und Liebe verlieren mag: Stopp! Es ist nicht so, dass das Internet die Menschen schlechter macht. Es hat sie sichtbarer und so viel lauter gemacht. Es hat sie sicher in ihrem Kampf um Aufmerksamkeit (und schwarzer Macht) „mutiger“, böser, negativ kreativer gemacht. Und die Aufmerksamkeit, die sie so generieren, lässt sie immer weiter machen, immer schwärzer, immer gnadenloser.

Transparenz der menschlichen Abgründe

Aber daran ist nicht das Internet schuld. Zumindest nicht direkt. Es hat nur transparenter gemacht, welch Abgründe es im Menschen gibt. Es macht nur sichtbar, wie „verrückt“, wie der Normalität entrückt Menschen heute sind. Solche Menschen gab es immer. Sie hat nur keiner beachtet. Die Gesellschaft hat immer Räume geschaffen, in denen sich solch verzweifelt negative Menschen austoben konnten. Brot und Spiele, Alkohol und Fußball, Gewalt und Krieg.

In unserer anonymen Gesellschaft sind solche gefährlichen, gefährdeten Menschen nicht mehr wenigstens rudimentär in einen sozialen Kontext gebunden, sei es so etwas wie eine Dorfgemeinschaft, eine Hausgemeinschaft, eine Religionsgemeinschaft, Vereine oder sogar eine Familie. Einsamkeit macht depressiv, das ist längst nachgewiesen. Es macht aggressiv und wenn sozial ungebremst, böse und destruktiv.

Kein Grund zum Menschenhass

Wir müssen eigentlich froh sein, dass uns das Internet dieses Fakt immer wieder klar vor Augen führt. Schlimm nur für die, die darunter real leiden müssen. Und nicht jeder ist so stark und mutig wie Richard Gutjahr. (Und selbst der war nahe daran zu zerbrechen.) Aber wir müssen als Gesellschaft versuchen, eine Zivilgesellschaft, eine zivilisierte Gesellschaft am Leben zu erhalten. Und genauso wie das Internet die Option zum Bösen verstärkt, so stärkt sie auch den Zusammenhalt der anderen. Der Menschen, die andere Menschen mögen, die das Leben lieben, die Liebe leben, die darum kämpfen, dass das Leben besser wird. Nicht nur für ein paar Menschen, sondern für viele, für immer mehr.

Es gibt genug schöne Dinge, genug Fortschritte, genug Errungenschaften und genug positive Ereignisse, die uns die Existenz von Trollen & Co. aushaltbar machen sollten. Die Medien helfen da kaum weiter, sie berichten nur, wenn was passiert. Und nur schlimme und schlechte Dinge passieren. Gutes zeichnet sich nicht dadurch aus, dass es passiert, es geschieht und existiert – unberichtet, zu oft unbemerkt und kaum mal kommentiert. Was helfen gesunkene Kriminalitätsraten, wenn der tägliche Alarmismus eine konträre Geschichte erzählt?

Aber auch hier hilft das Internet ein wenig. Es gibt schön gemachte Sites, die sich der positiven Seite der Macht stellen und gute Nachrichten verbreiten. Schöne Beispiele sind Sites wie Human Progress oder sogar intelligente Statistik-Analysen wie bei Our World in Data. Beide Sites sind in Englisch. Fehlten nur noch ein paar deutsche Pendants – und User, die bereit sind, positive Nachrichten zu verdauen – anstatt sich immer wieder versichern zu lassen, wie schlimm die Welt – und vor allem die Menschen auf ihr sind.

Ingo Appelt for President!


Die Absurdität der Politik in Italien

Stell Dir vor, alle Politiker, die Du als Kind als Staatsmänner geachtet und vielleicht bewundert hast, stellen sich als korrupt oder sogar als Marionetten der Mafia heraus. Stell Dir vor, alle Parteien, mit denen Du groß geworden bist, lösen sich im Laufe der Jahre aufgrund von Korruption, Intrigen, Rivalitäten und Inkompetenz ins Nichts auf. Die beliebten, grandiosen Sommerfeste, die diese Parteien in Deinem Dorf, Deiner Stadt organisiert haben, gibt es einfach nicht mehr.

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Und stell Dir vor, Du erlebst ganz real mit, wie der Bürgermeister und die Gemeinderäte in Deinem Dorf oder Deiner Stadt sichtbar immer nur den eigenen Vorteil im Auge haben. Und Du musst, willst Du auf Deinem Grund ein Haus bauen oder auch nur ein Bett im Krankenhaus bekommen, mit einem dieser „Volksvertreter“ gut bekannt, am besten befreundet sein, damit das klappen kann. Oder Dein Sohn oder Deine Tochter suchen einen Arbeitsplatz oder auch nur einen unbezahlten Praktikumsplatz und Du erlebst, dass ohne Beziehungen nichts geht, aber auch rein gar nichts.

Die Scheindemokratie der Selbstversorger

Und Du erlebst, wie in Politik, Wirtschaft und Kirche immer wieder von Veränderung die Rede ist, von Wandel, von Neuanfang – und nichts passiert. Es wird nur alles immer schlimmer: die Straßen immer maroder, die Bahnverbindungen rarer, die Preise immer höher – und die Schulden immer höher. Deine eigenen und die des Staates.

Und dann stell Dir vor, dass einer der dubiosesten Wirtschaftsbosse plötzlich beschließt, Politiker werden zu wollen. Und er schafft das, weil die meisten Fernsehsender und Zeitungen des Landes ihm gehören und die Parteien eine Wahlrechtsreform beschlossen haben, von der sie sich irrigerweise sichere Wahlgewinne versprochen haben. Und zu jeder Wahl werden dann die Wahlbezirke neu bestimmt, teilweise in absurden regionalen Grenzen, weil sich so die Parteien bessere Gewinnchancen ausrechnen.

Demokratur oder Basisbewegung

Wie fühlt man sich wohl, wenn man als normaler, wenigstens ein wenig engagierter Staatsbürger in solch einem Land lebt und vor einer neuen Wahl steht. Und gerade hast Du erlebt, wie der letzte Erneuerer, der das alte System „verschrotten“ wollte, an seiner eigenen Eitelkeit und der manischen Sucht nach Macht gescheitert ist. Was wählt man dann? Wem vertraut man dann noch? Sicher ist, keinem aus dem etablierten Polit-Establishment. Denn die versprechen einmal mehr das Blaue vom Himmel herunter obwohl jeder weiß, dass sie nichts davon halten werden.

Dann bleiben einem in Italien, und von diesem Land ist hier die Rede, nur zwei Möglichkeiten. Option 1: Entweder man ist dumm, naiv oder autoritätshörig und fällt auf den Populismus und das Starke-Mann-Gehabe der Rechten herein. Die wollen bestenfalls eine Demokratur, aber besser gleich die Abschaffung der Demokratie und rabiate Gesetze. Und sie nutzen geschickt und perfide die Angst vor den Fremden – und davon gibt es in Italien, dem mit Abstand von Flüchtlingen am meisten angesteuerten Land mit seinen ewigen, kaum kontrollierbaren Grenzen, mehr als genug – mehr als sonstwo in Europa.

Ein Comedien als Politiker

Wer nicht in diese Kategorie gehört, dem blieb bei der Wahl Anfang März 2018 nur Option 2: Der konnte eigentlich nur das MoVimento 5 Stelle, kurz M5S wählen. Eine Basis-Bewegung, die erklärtermaßen keine Partei ist. Und wie das bei neu gegründeten Bewegungen ist, sammeln sich hier allerlei unterschiedliche Menschen. Kluge, engagierte, integere Menschen, und das ist erlebbar die Mehrheit. Sie alle vereint die Ablehnung der etablierten Politik. Aber natürlich gibt es auch weniger kompetente, eigenartige und auch sinistere Menschen. So wie im richtigen Leben.

M5S macht es leicht, aus etablierter Sicht die Nase zu rümpfen. Nicht nur weil hier auch  Politneulinge am Werk sind, sondern auch weil der Kopf und Initiator der Bewegung, Beppe Grillo, einst ein Comedien war, dessen herbe Verspottungen von Politikern nicht mehr dem Begriff „Kabarett“ gerecht werden. Das ist in etwa so, als hätte in Deutschland Mario Barth eine politische Bewegung gegründet oder besser: eine Mischung aus Ingo Appelt (was die Tonwahl angeht) und Dieter Nuhr (wenn es um Analyse geht).

Buntes Programm-Potpurri

Das ist gewöhnungsbedürftig, aber die Gewöhnung an das M5S wird erleichtert u. a. durch die Tatsache, dass M5S keine Wahlkampferstattung kassiert, dass die Abgeordneten 70 Prozent ihrer – in Italien notorisch stattlichen – Diäten in Förder-Fonds für die jeweiligen Regionen geben. Und in fast allen Kommunen, von Sizilien bis Turin, in denen sie das Sagen haben, haben sie gute Arbeit geleistet – und vor allem haben sie sich nicht korrumpieren lassen. Und Ausnahmen bestätigen die Regel: Aber das Versagen der M5S-Bürgermeisterin in Rom ist nicht zuletzt den mafiösen Strukturen (u. a. der Altparteien) der Stadt geschuldet, die sich erfolgreich gegen Änderung sperren.

Das MoVimento 5 Stelle hat programmatisch viel zu bieten. Eher zu viel. Neben ehrenvollen Zielen wie ein z. B. Grundeinkommen gibt es auch eine Menge unausgegorener Ideen und schmerzhafter Widersprüche – zum Beispiel zur Flüchtlingsfrage. Aber so ist das, wenn man eine Bewegung ist, in der Ideen und Konzepte im Wettstreit sind und nicht in Hinterzimmern ausbaldowert werden.

Alternativen nicht gewünscht

Noch ist das M5S im Entwicklungsstatus. Alle sind gespannt, wo das noch hinführen wird. Auch innerhalb der Bewegung. Vor allem jetzt, wo die Bewegung die Wahlen gewonnen hat – ohne eine Mehrheit zu erreichen. Springen sie jetzt über ihren Schatten und arbeiten mit einer „etablierten“ Partei zusammen? Und wollen die das überhaupt? Und wenn ja, welche Politik wird gemacht? Rechts oder links oder keines von beiden? Bestenfalls sogar eine, die eine Alternative zur stromlinienförmigen Politik der Etablierten in Europa aufzeigt.

Dabei mag sie vielleicht auch schmerzhaft sein, diese Alternative, weil sie übers Ziel hinausschießt oder schlicht falsch ist. Aber vielleicht besser so, als es gar nicht zu versuchen, wie wir es hier in Deutschland gewohnt sind. Dank Merkel und ihrer „Alternativlosigkeit“. Sicher ist, dass sie hierzulande nicht mit Interesse und Verständnis begleitet werden wird, sondern garantiert nur immer neue Untergangs-Szenarien beschrieben werden: Ende der EU, Italxit, Griechenland II etc.

Unsere Pressemüdigkeit kommt nicht zuletzt auch daher, dass man sich als interessierter Bürger oft nicht umfassend und kompetent informiert fühlt. Mag zum einen eine gewisse Konventionsnähe sein, mag Ideologie sein, mag Veränderungsangst sein; vielleicht aber auch schlicht Denkfaulheit oder Lust am Negativen. Angstszenarien lesen sich besser, verkaufen sich besser und passen besser in unsere gängigen Filterblasen als nachdenkliche Features und Artikel, die dem Leser noch Denk- oder Entscheidungs-Leistungen abfordern.

Ich bin gespannt …

 

 

Nostalgie für die Zukunft


Ein Zurück in die Zukunft gibt es nicht

Ich schreibe gerade, viel. Das Thema: Zukunft. Dazu passt es perfekt, Steve Roach zu hören, bei mir erprobt in vielen Meditationen und Kreativ-Seancen. Sein neuestes Werk – durchaus hörenswert – heißt „Nostalgia for the Future“. Ein wunderbarer Begriff. Er beschreibt so wundervoll die Sehnsucht nach einer Zukunft, in der wir noch darauf hofften, dass Träume wahr werden. Dass Menschen zum Mond , wir selber in 80 Tagen um die Welt fliegen und wir Stück um Stück unserer Welt – und vielleicht sogar dem Kosmos – möglichst viele Geheimnisse entreißen.

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Das sah man 1910 für das Jahr 2000 voraus.

Damals träumte man noch davon, dass Roboter einem die Arbeit abnehmen und wir mit fliegenden Autos überall hin kommen – oder bei Bedarf einfach in andere Welten teleportiert werden wie Captain Kirk und Co. Und natürlich hoffte man, wenn man ein wenig menschenfreundlich geprägt war, dass der Kampf gegen den Hunger besiegt wird und Frieden auf Erden herrschen möge.

Die Zukunft verdüstert sich

Heute befürchten wir, dass Roboter uns die Arbeit wegnehmen und wir haben es satt, auf unseren Reisen die Massen von anderen Touristen um uns herum zu haben. Jetzt auch noch aus Fernost. Und auf dem Mond waren wir, danke, das erst mal ist abgehakt. Dem kann man nur noch dadurch etwas Spannung abgewinnen, indem man das weltverschwörungstechnisch als einzigen Betrug und Hollywood-Inszenierung abtut.

So gesehen war damals die Zukunft noch in Ordnung, sie strahlte Faszination aus. Heute hat sich so manche Zukunftsvision zur Dystopie verdunkelt. Und wir scheinen nur noch die Wahl zu haben, welche der verschiedenen Horrorszenarien wir denn gerne hätten: Klimakatastrophe oder doch gleich lieber die atomare Apokalypse. So jedenfalls stellen es die Medien in ihrem notorischen Pessimismus und Alarmismus gerne dar.

Die ungute Zukunft der 50er Jahre

Entsprechend werden in immer mehr Ländern Menschen zu Präsidenten und Regierungschefs gewählt, die die Reise zurück in die Mitte des vergangenen Jahrhunderts als Ziel gewählt haben. Damals als die Männer noch das Sagen hatten und die Farbigen noch ungestraft als Neger wahlweise betüttelt, missioniert oder abqualifiziert werden durften. Allen voran Donald Trump. Seine Vision einer modernen Welt stammt ja deutlich aus den 50er Jahren. Da ging man ja auch noch unbekümmert mit Energieressourcen um, da waren Bergarbeiter noch Helden der Arbeit und das ganze Kleinklein von wegen Rücksichtnahme und Nachhaltigkeit gab es nicht.

Bei einem alten, ungebildeten, ignoranten Mann wie Donald Trump ist solch eine Lust auf eine Zukunft des mittleren 20. Jahrhunderts noch irgendwie nachvollziehbar. Bei Menschen wie einem Victór Orban oder gar einem Sebastian Kurz ist das dann doch frappierend. Zugegeben, das Leben damals scheint in der Rückschau einfacher und überschaubarer gewesen zu sein. Schöner, angenehmer oder gar attraktiver war es nicht. Dazu ist mein Gedächtnis zu gut, als dass ich solch einem Irrglauben zum Opfer fallen könnte.

Mars statt Mond

Richtig ist, dass wir, die Babyboomer, bessere Chancen hatten. Bessere Chancen, auch aus wenig viel zu machen. Aber die Chancen, ins Nichts zu fallen, waren damals ebenfalls größer. Uns wurde keine goldene Zukunft versprochen, obwohl wir große Teile davon erleben durften. Meine Jugend war geprägt von der Angst der Eltern, es könne wieder zu einem Krieg, zur Vernichtung alles Erreichten kommen. Stattdessen haben wir in Europa die längste Friedensphase seit je erlebt. Ja, speziell auf Kosten der Dritten Welt. Ja, auf Kosten unserer Umwelt und unseres Klimas.

Wir haben heute ein spürbares Problem mit der Zukunft. Denn sie verspricht uns scheinbar mehr Probleme als Perspektiven. Und wenn unser Zukunftsglaube schwächelt, hat halt die Nostalgie Konjunktur. Eine Sehnsucht nach einer Zeit, als die Zukunft noch in Ordnung war. Und dagegen hilft auch nicht, wenn man einfach mal, wie Elon Musk, die Ziele in die Länge streckt. Sein Zukunftsziel ist nun, zum Mars zu fliegen. (Trump, ganz 50er Jahre, bescheidet sich, noch mal zum Mond aufzubrechen.)

Eine neue Vision der Zukunft

Apropos Elon Musk. Seine Vision von Zukunft ist nur eine sanfte Modernisierung alter Träume. Elektroautos waren schon im 19. Jahrhundert eine Realität, bevor die Produzenten von Verbrennungsmotoren im Schulterschluss mit den Ölkonzernen sie vertrieben. Auch autonomes Fahren ist keine neue Idee. (Die Reichen und Mächtigen kennen ja sowieso nichts anderes, sie haben ja Chauffeure.) Und die Welt durch Tunnel zu verbinden, ist auch eine uralte Idee. Nur geht es bei Musk per Hyperloop etwas schneller.

Was wir dringend brauchen, ist eine Vision einer Zukunft, die für alle Erdenbewohner gilt. Eine, die das Überleben von 10 oder 12 Milliarden Menschen sichert – und deren Leben lebenswert macht. Eine Vision, die nicht nur digitale Spielereien und immer neue, mehr oder weniger sinnige Gadgets bringt, sondern Digitalität in seiner gesamten innovativen Kraft nutzt. Eine Vision eines Lebens, das heute noch nicht gelebt wird, das aber spätere Generationen zu lieben lernen werden. Eine Welt, in der vielleicht Künstliche Intelligenz eine wichtige Rolle spielt und wir froh um sie sind, weil sie uns stärker und klüger macht.

Zukunft ist kein Zuckerschlecken

Das setzt aber voraus, dass der Reichtum an Geld, an Daten, an Wissen und (künstlicher) Intelligenz nicht in den Händen weniger verbleibt und der normale Bürger nicht nur  zum manipulierten Konsum-Automaten verkommt. Das setzt wiederum voraus, dass wir selbst uns mit den „unheimlichen“ Optionen der Zukunft auseinandersetzen: Big Data, Transparenz, künstliche Intelligenz, digitale Welt. Wir müssen dafür wirkliches Interesse haben, ja Neugier, Habgier – jeweils in des Wortes Bedeutung – dafür entwickeln.

Wir müssen uns mit allen Zukunftsthemen ausdauernd beschäftigen, darüber informieren, uns unsere Meinung bilden. Wir müssen diese neue Welt umarmen, auch wenn wir noch nicht so genau wissen, wie angenehm oder widerborstig sie sein mag. Zukunft kommt nie als Zuckerschlecken. Und wehe dem, der das verspricht. Wir müssen die süßen Stellen einer künftigen Welt erst für uns entdecken. So wie es die Generationen vor uns auch getan haben.

 

Die Depression der Babyboomer


Sind wir fit für unsere Zukunft?

„Alt werden ist nichts für Feiglinge.“ Das hat der liebe Joachim Fuchsberger selig festgestellt. Und sogar ein Buch darüber geschrieben. Alt werden, das ist nicht nur eine Zunahme von Malaisen. Alt werden ist nicht nur ein Verlust an Energie und Vitalität. Alt werden ist vor allem eine herbe Belastung für das psychische Immunsystem.

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Alter heißt: schon pensioniert sein bzw. in Rente sein. Das heißt, das gewohnte Leben ist vorbei. Und egal, wie sehr man den Ruhestand herbei gesehnt haben mag, es ist erst mal gar nicht schön, seinen täglichen Rhythmus zu verlieren. Und gar nichts mehr zu sagen zu haben, gar nicht mehr gebraucht zu werden. Und Ehe oder Partnerschaft sind auf dem Prüfstand, wo man jetzt dauernd aufeinander sitzt. Und so toll sind die neuen Hobbys, die man sich ausgedacht hat, wenn man ehrlich ist, nicht.

Sehenden Auges aufs Abstellgleis

Und auch die Zeit vor dem Ende des Arbeitslebens ist nicht schön. Wichtige neue Projekte laufen an einem vorbei, man ist ja bald weg. Die eigene, so wichtige Erfahrung, wird nicht mehr gebraucht, wird nicht mehr wertgeschätzt. Man fährt sehenden Auges aufs Abstellgleis. Eine eklige, niederschmetternde Erfahrung.

An diesem Punkt wird jeder gezwungen inne zu halten und einen Blick auf sein Leben zurück zu werfen. Und wer es da versäumt hat, für sich zu sorgen, emotional, ideell – und natürlich finanziell, wie soll der noch gute Laune haben? Wer jetzt nicht auf ein wirklich gelungenes Leben zurück blicken kann – und jetzt mal ehrlich und keine Lebenslügen! -, der hat eigentlich kaum noch eine Chance, das wirksam zu ändern.

Die Auflösung des Vertrauten

Rund um einen herum ändert sich währenddessen die Welt in atemberaubendem Tempo. Internet, Smartphone, Soziale Medien – alles ganz schlimm. Und so sehr man darüber schimpft, es nützt nichts. Man muss mit – oder wird abgehängt. Schlimmstenfalls von der eigenen Ehefrau, die sich das Internet von Kindern oder Enkeln hat beibringen lassen. Von den Kindern! Den Enkeln!!!

Und dann diese Globalisierung. Alles wird so fremd. Die Worte, die Gesichter, die Sprache, die Nachbarn, die Produkte. Und jetzt auch noch all diese Flüchtlinge. Millionen von ihnen. Schwarze! Araber! Muslime! Frauen mit Kopftuch! Das darf doch nicht wahr sein. Die haben noch ihr Leben vor sich – und wir sollen ihnen noch dabei helfen.

Depression, die Boomkrankheit

Die Psychologie kennt das Phänomen gut: Altersdepression. Menschen über 65 neigen dazu. Sie sind dreimal so anfällig für Depression wie jüngere Menschen. Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu 25 Prozent der Senioren darunter leiden. Vorzugsweise Männer. Und in Altenheimen sind die Zahlen noch verheerender, da sind fast die Hälfte depressiv. Und Depression ist die Boom-Krankheit schlechthin!

Diagnostiziert und behandelt werden diese Depressionen kaum. Denn alte Menschen geben nur körperliche Malaisen zu, psychische nie: „Ich bin doch nicht verrückt.“ Also werden die körperlichen Symptome der Altersdepression behandelt, nicht aber die Ursachen: die geknickte Psyche.

Typische Symptome der Altersdepression sind:

  • Negative und pessimistische Zukunftsperspektiven
  • Vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
  • Gefühl von Schuld und Wehrlosigkeit
  • Angstzustände
  • Suizidgedanken

Die Folgen: Verzweiflung, Aggression, Ohnmachtgefühle, Narzissmus (mangels Selbstwert), Wut, Schuldzuweisungen, Empathieverlust, Rigidität etc.

Gegenmittel: ein geglücktes Leben

Warum ich das schreibe? Ja, auch ich werde älter. Ja, auch ich erlebe Malaisen. Aber ich habe den großen Vorteil, dass ich vor ca 20 Jahren sehr drastisch und effektiv vor der Altersdepression aus berufenem Mund gewarnt worden bin. Zitat: „Herr Konitzer, Sie haben es jetzt noch in der Hand, im Alter griesgrämig auf der Bank zu sitzen – oder gut gelaunt den Lebensnachmittag und -abend zu genießen.“

Ich habe mich damals für Zweiteres entschieden und etliche Dinge in meinem Leben – und vor allem in meinem Psychosystem geändert. Ich hoffe, nachhaltig erfolgreich. Auch ich kenne die schwarzen Vögel, die manchmal über einem kreisen. Aber ich weiß inzwischen, wie ich den Blick von ihnen wenden kann und dem Leben zu.

Der Booster nach rechts

Ich erlebe aber rund um mich herum Altersgenossen, die das nicht gemacht haben. Und mit ihnen zu diskutieren, wird immer schwieriger. Speziell natürlich zum Thema Flüchtlinge. Oft ist die rigide Haltung erschreckend: Grenzen dicht, alle raus, und zwar sofort. Etwa in der Tonlage. Meist verschwiemelt und nur dumpf. Aber wehe, das Thema kommt irgendwie zur Sprache. Und das kommt es heutzutage unweigerlich.

Die Altersdepression und ihre Auswirkungen, das sind jetzt die Probleme der Generation der Babyboomer. Die Ältesten von ihnen, Jahrgang 1946, werden dieses Jahr 70, die Jüngsten, Jahrgang 1964, sind auch schon 52 – und habe es nicht mehr soooo weit hin zur Rente. Und genau diese Generation muss sich jetzt entscheiden, ob sie unsere Welt, Europa und Deutschland nach rechts drängt oder ob sie sich, allen innerem Grummeln zum Trotz, für eine offene, tolerante und vielleicht sogar innovationsfreundliche Gesellschaft erwärmen kann.

Mut machen statt Katastrophismus

Schön wär’s. Wir haben hierzulande keinen Macron, der mit seiner Art einem ganzen Volk Mut, gute Laune und Kraft geben und den Weg in eine offene Gesellschaft verheißungsvoll machen kann. Da ist auch keiner in dieser Art in Sicht. Merkel? Schulz?? Lindner??? Schade. Aber glücklicherweise droht auch kein Rattenfänger rechts von der Mitte.

Bliebe als Hoffnung, dass die Medien endlich ihren Alarmismus und Katastrophismus, ihren Zynismus und ihre akademische Version von Altersdepression beenden und in kritischer Haltung Mut machen sowie die zunehmend schnellere Veränderung der Welt erklären und moderieren. Ich werde versuchen, das an dieser Stelle hier auch weiter zu tun.

In diesem Sinne: Die Zukunft ist da! – Meine Prognosen, was auf uns in den nächsten Jahren alles zukommt, habe ich in einem Vortrag bei den Lokalrundfunktagen in Nürnberg zusammengefasst.

Die Slides dazu sind hier zu finden: www.slideshare.net/MichaelKonitzer/die-zukunft-ist-da-jetzt-aber-echt

Der Soundfile des Vortrages ist hier: soundcloud.com/michkon-1/die-zukunft-ist-da-jetzt-aber-echt

 

Die Verdummung Amerikas


Jede Kritik an ihm macht Trump stärker

Als Mensch, der in der Schule Rhetorik am Beispiel eines Cicero nahe gebracht bekommen hat, ist jede Rede von Donald Trump eine Pein. Nicht dass man im Römischen Reich vor 2.000 Jahren nicht auch gelogen hat, dass sich die Balken (der Rednerbühnen?) gebogen haben. Ein Julius Cäsar hatte einen ähnlich kreativen Umgang mit Fakten und Wahrheiten wie die Populisten heute. Aber ihm gelang es wenigstens, einen Gedanken nach dem anderen verständlich zu formulieren.

Donald Trump Hairstyle

Anders Donald Trump. Wenn er frei spricht, schafft er es ohne Anstrengung (wahrscheinlich genau deswegen!) in gestoppten 32 Sekunden Redezeit sieben Themen nacheinander anzureißen, ohne eines davon zu irgendeinem Ende zu bringen. Jeder Goldfisch wäre mit solch einer Rede unterfordert, wie der britische Comedian John Oliver scherzt (min 6:20).  Nichtsdestoweniger bekommt er viel Beifall bei solchen Reden. Nicht nur von seinen Claqueuren, die er zu allen seinen Reden mitbringt. (Hat er sich von Putin & Co. oder auch den alten Römern abgeschaut.)

Realitäten aus Wolkenkuckucksheim

Egal welche öffentliche Rede man sich von Trump anschaut/anhört. Egal wie gruselig die Inhalte sind, wie viel gelogen wird und Tatsachen verdreht werden, Trump begeistert seine Massen. Er tut das um so mehr, je weniger er an einem Redemanuskript hängt. Frei spricht er am erfolgreichsten. Vor allem auch, weil er dann völlig unbekümmert die Realitäten beschreiben kann, wie er sie sich in seinem Wolkenkuckucksheim (derzeit Pennsylvanian Avenue 1600) zurechtgezimmert hat.

Ich habe einige Zeit gebraucht, bis ich verstanden habe, was Trump in seinen Reden so erfolgreich macht. Vor allem, weil man ja so konsterniert ist über seine billige Art, Beifall zu heischen. „Fremdschämen“ ist als Ausdruck zu harmlos, wenn man seine Lügen und Verdrehungen hört und seine mangelnde Kenntnis von Grundwissen live erleben muss.

Monolog unter Gleichgesinnten

Tatsache ist, dass Trump rein gar nicht zu Menschen wie mich und Unsereinem spricht. Er spricht ausschließlich zu Seinesgleichen. Zu Menschen, die genauso ungebildet, vorurteilsbesessen, banal und stumpf sind wie er selbst. Zu Menschen, die genauso gerne an Verschwörungstheorien glauben wie er, die ebenso Gutmenschen und treue Steuerzahler verachten. Kurzum, die sich vom politischen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen System abgehängt fühlen; weil sie weniger Bildung, weniger Geld, weniger Chancen und weniger Perspektive haben. Ausgerechnet sie haben in ihm, dem reichen Söhnchen, der Chancen im Übermaß hatte, ihr Idol gefunden.

Trumps Geheimnis ist auch seine banale Sprache. Linguisten haben es analysiert: Es ist der Sprachstil eines Viertklässlers. Sein Wortschatz ist extrem begrenzt, er nutzt nur kurze Worte und Begriffe, malt damit aber prägnante Bilder. Er grenzt keinen Zuhörer durch zu viel Zahlen, Wissen, Fremdwörter oder komplexe Inhalte aus. Das ist nicht neu, das hat schon Berlusconi und anderen seines Kalibers zum Erfolg verholfen. Aber Trumps Sprache ist zudem grammatikalisch brutal primitiv. Sie ist stets nur eine Aneinanderreihung von kurzen Sätzen, unterbrochen nur von Inklusions-Gesten nach dem Motto: Wir verstehen uns, wir sind die, die fürs Richtige kämpfen.

Ausgrenzung der Etablierten

Mit seiner Art zu reden – und seinen Inhalten – grenzt Donald Trump wirksam die Andersdenkenden, die Gebildeten, die Wissenden und die Menschen aus, denen Komplxität keine Angst macht. Daher geht die Philippika des Schriftststellers und Intellektuellen Philipp Roth gegen Trump in der New York Times ins Leere: „Ich habe noch nie einen Politiker erlebt, der menschlich so armselig ist, wie Trump: Er hat keine Ahnung vom Regierungsgeschäft, von Geschichte, Wissenschaften, Philosophie oder Kunst. Er ist unfähig, Subtiles oder Nuanciertes auszudrücken oder zu verstehen, er kennt keine Scham und sein Wortschatz umfast gerade mal 77 Wörter.“

Trumps Sprachstil und seine Inhalte sind sogar das perfekte Gegenmittel gegen Kritik solcher Art. Seine Sprache ist, TV-Reality-geübt, das perfekte Antidot (Achtung, Fremdwort) gegen jeden Intellektualismus, gegen das Establishment und ihre kulturellen, sprachlichen und wissenshuberischen Ausgrenzungsriten. Sie schafft ein heimeliges Zugehörigkeitsgefühl der Zu-kurz-Gekommenen, der Ungebildeten und Unwissenden, der Chancenlosen. Sie fühlen sich ernst genommen, sie haben das Gefühl, verstanden zu werden, weil sie diesen Trump verstehen. Und zum Dank nehmen sie ihm auch noch jeden Unsinn ab und bejubeln ihn.

Die gespaltene Gesellschaft

Trump und seine Unterstützer haben kapiert, dass die amerikanische Gesellschaft (und nicht nur die) brutal gespalten ist: Zwischen urbanen, besser gebildeten und sensibel sozialisierten Menschen und den von Bildung und Jobchancen abgehängten ländlichen Gebieten im amerikanischen Kernland: der Heimat der Republikaner und der Religiösen, der von Arbeit und Chancen beraubten Arbeiter, der unteren Mittelklasse. Trump baut durch seine hypersimple Sprache eine veritable Mauer zwischen Stadt und Land.

In den ländlichen Gebieten ist man von Bildung, Wissen und der Vielfalt urbaner Gesellschaft und urbaner Medien abgeschnitten und dafür heimgesucht von beredten Spinnern, Predigern und Talkradio-Hosts, die Verschwörungstheorien und Unbildung verbreiten und das Sprachniveau längst auf niedrigstes Niveau gebracht haben. Überraschend, dass ausgerechnet ein New Yorker diesen niedrigen Sprachlevel genau trifft. Donald Trump ist der lebende Beweis dafür, dass auch ein New York Weltläufigkeit nicht garantieren kann.

Jede Kritik hilft Trump

Es nutzt daher nicht, wenn wir jede der Reden Trumps analysieren, wenn wir deren Fakten penibel checken oder uns auch nur lustig über ihn machen. Wir sind Trump so egal wie sonst was. Wir sind der Feind, und jede kritische Anmerkung, sei sie noch so richtig, klug oder feinsinnig, verstärkt nur die Wirkung seiner Reden bei seiner Zielgruppe. Jede Kritik der Intellektuellen lässt Trump in den Augen seiner Fans noch mutiger, noch entschlossener und wichtiger wirken.

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Nein, der gebe ich keine Hand! Die ist ja Physikerin!

Der verweigerte Händedruck mit Merkel und der pöbelhafte Auftritt Trumps bei der NATO und der G8 waren kein Zufall. Das war jeweils eine Konfrontation mit dem Feind: Angela Merkel, eine Wissenschaftlerin, Physikerin sogar, die Rationalität liebt, das ist für Trump, den Pöbler und Gernegroß, die Personifizierung des Anti-Trump. Und jedes Merkel-Bashing oder die anhaltenden Beleidigungen des Londoner Bürgermeisters, einem Intellektuellen und Muslim, bringt Trump Punkte bei seinen Fans und Wählern. Und Trump hat nie aufgehört Wahlkampf zu machen, jetzt schon für die Wahl 2020.

Die De-Intellektualisierung der USA

Spannend wird sein, ob Trump es schafft, der Dummheit in Amerika auf Dauer eine Mehrheit zu geben und die amerikanische Gesellschaft erfolgreich zu de-intellektualisieren und damit zu de-politisieren. Spannend wird sein zu beobachten, ob und wie es Wissenschaft, Intellektualität und Vernunft schaffen, wieder von den Abgehängten und Unterprivilegierten, von den Unwissenden und Ungebildeten gehört und verstanden zu werden.

Das ist die Herausforderung, vor der wir auch in Europa im Angesicht von Populismus und rechten Rattenfängern stehen. Wie ist es zu schaffen, die wirtschaftliche und die intellektuelle Spaltung unserer Gesellschaft zu bremsen oder gar aufzuheben? Nur mit schönen Worten geht das wohl nicht. Aber ebenso wenig mit einer Infantil-Sprache à la Trump.