Holt die Gegenwart die Zukunft ein?

„The future is moving closer to the present, as if they were actually apart, that is.“, schreibt Robert Fripp (King Crimson) am 2.Januar 2017 in seinem Tagebuch. Zukunft und Gegenwart kommen immer dichter zusammen, wenn sie denn je getrennt waren. Der Satz erinnert mich an die ewige Wahrheit aller Zukunftsforscher, die William Gibson formuliert hat: „Die Zukunft ist längst schon da. Nur nicht gleichmäßig verbreitet.“ („The future is already here – it’s only not evenly distributed.“)

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Wenn der Kühlschrank leise chattet…

Nie war der Job für Zukunftsforscher schwieriger als heute. Die technische Entwicklung in vielen Bereichen geht rasend schnell voran. Da kann man mit Voraussagen schnell danebenliegen. (Mathias Horx leidet gerade wieder an entsprechender Häme.) Die soziale und kulturelle Verarbeitung all dieser technischen Neuerungen hinkt deutlich hinterher. Entsprechend schlecht kann man neue Wirklichkeiten prophezeien. Sicher ist hier nur, dass sich nichts so entwickeln wird, wie Techniker und ihre Promotoren (auch in den Medien) es voraussagen. Bestes Beispiel für solche Flops: das Fabelwesen des intelligenten, kommunizierenden Kühlschranks.

Der unerwünschte Bastard

Hier darf man William Gibson neu interpretieren: Die soziale und kulturelle Adaption findet längst statt, nur nicht überall gleich. Die jungen und jüngsten Generationen tun das längst. Aber die Generationen, die über die administrativen Anpassungen und kulturellen Lernprozesse entscheiden, hinken noch schwer hinterher: Wir erinnern uns an Merkels „Neuland“, an die Philippika des Chefs der Lehrergewerkschaft gegen digitale Geräte in der Schule – und natürlich mit besonderem Grausen an den digitalen Kommissar Günther Oettinger.

Irgendwo in dieser Kluft zwischen stiller, unreflektierter Adaption durch die Jungen und Unkenntnis, Desinteresse und Ignoranz der Älteren und Mächtigen findet derzeit unsere Zukunft statt. Ein elternloser Bastard, für den niemand Verantwortung übernehmen kann bzw. will. Ein unerwünschtes Kind für die Eliten, die ihre Privilegien durch die Digitalisierung gefährdet sehen. Siehe die Finanzkrisen und die offensichtliche Abscheu, die etwa ein Donald Trump für Computer und all das Internet-Gedöns formuliert.

Technik ist Pop

Die junge Generation staunt, welche Spielzeuge ihnen die Technik und die digitalen Dienste in die Hand geben. Sie versuchen ganz skrupellos (… und das ist gut so), irgendwie daran Spaß zu finden und finden ihn fast immer dort, wo es die Techniker und Vermarkter nicht erwartet haben. Und wenn es auch nur der Spaß ist, dass die Erwachsenenwelt nicht mit neuer Technik und ihrer Nutzungskultur klar kommen. Das war schon immer der Hauptmotivator für junge Menschen: von älteren Generationen verwaiste Regionen zu (er-)finden. So gesehen sind Technik und Digitalität Pop. Und Zukunft ist es irgendwie auch.

Die Zyklen dieser Eroberung neuer virtueller Freiräume, deren lärmende Kartierung durch die Medien und der Versuch, der mal naiv positiven, meist aber warnend abwartend oder ignorant unterbindenden (Oettinger!) Reaktion der Mächtigen (Kapital und/oder Politik) werden immer kürzer. Fast mag es wie eine Echtzeitreaktion in Zeitlupe aussehen. Daher stimmt der Eindruck, dass Zukunft und Gegenwart immer enger zusammenrücken.

Das Dilemma der Zukunftsforschung

Zukunftsforschung ist bislang meist der Versuch, von absehbaren Innovationen und verlässlichen statistischen Entwicklungen für mögliche Adaptionen in technischer, gesellschaftlicher und kultureller Hinsicht Prognosen zu wagen. Mit den heute nur noch minimalen Aneignungszeiten ist die Art von Zukunftsforschung heute obsolet.

Wegweiser Zukunft

Geht’s zur Zukunft nach rechts?

Erschwerend kommt die Generationenkluft zwischen Zukunftsschaffenden (den Jungen) und (älteren) Zukunftsanalytikern hinzu. Das Adaptionsgeschehen der Digital Natives erscheint aus der vermeintlichen Höhe analytischen Wissens und vordigitaler Kultur naturgegeben eher wirr. Ist es auch. Aber wie sonst soll eine Adaption im non-linearen Raum funktionieren? Die Generation der Analytiker hat nie das Try-and-Error-Prinzip gelebt. Schon gar nicht in Deutschland.

Der kaputte Mythos

Im übrigen hat die Zukunftsforschung ihren Ur-Mythos eingebüßt. Sie versprach fast immer, mit wenigen Ausnahmen (in Deutschland) eine Zukunft, in der wir es besser haben werden. Sie versprach mehr Bequemlichkeit (angenehm), mehr Freiheit (anstrengend aber positiv besetzt) und mehr Glück (bzw. Glücksersatz).

Nur Ersteres ist wahr geworden. Die Bequemlichkeit hat uns alle Bedenken um unsere Privatsphäre vergessen lassen. Das mit der Freiheit hat sich als Schimäre entpuppt, schon weil die meisten Menschen mit diesem Gut (und der damit verbundenen Verantwortung) nicht umgehen können. Und Glück, ob materiell oder spirituell, bringt nie die Zukunft, die kann nur die Gegenwart liefern.

Die Zukunft, die haben die anderen

Eine rosa Zukunft, in der wir es alle besser haben werden, das wagt kein ernst zu nehmender Zukunftsforscher mehr zu prognostizieren. Zwar zeigen alle Statistiken, und davon viele ernst zu nehmende, dass es uns heute so gut geht wie noch nie. Dass weniger Menschen hungern, weniger Kinder sterben, immer weniger Armut herrscht und es weniger Kriege seit Menschengedenken gibt.

Aber diese Zahlen beweisen nur, dass es unheimlich vielen Menschen in Asien, Südamerika und Afrika besser geht. Die breite Masse der Menschen in Europa oder Amerika stagniert in ihrem Wohlstand dagegen seit langem. Zugleich wird die Schere zwischen Arm und Reich immer größer. So erlebt man subjektiv eine gefühlte Verarmung im Vergleich zu den Hyperreichen. Und die Aussichten sind mager. Der Wachstums-Traum ist ausgeträumt. Schon mangels Ressourcen und aufgrund der unabsehbar wachsenden Zahl an Menschen auf dieser Erde.

Der amerikanische Traum

Auffallend war rund um den Jahreswechsel, wie viel Zukunftsprognosen in den internationalen, vor allem amerikanischen Medien zu lesen waren. Donald Trumps Retro-Politik zum Trotz. Viele Artikel begeisterten sich einmal mehr für neue Technologien, neue Gadgets und neue Bequemlichmacher (Amazon: Alexa!).

Aber es gab auch viele erstaunlich tiefschürfende Zukunftsperspektiven zu lesen. Etwa wie die absehbaren Verbesserungen in Medizin und Gesundheitstechnolgie unser Leben und die dabei vital gelebte Zeit massiv verlängern werden. Aber wie soll das funktionieren mit sozialen Systemen, die darauf nicht eingestellt sind. Und wie soll das mit einer Denke funktionieren, die nicht auf Geschenke an Lebensqualität und Vitalität vorbereitet ist? – Apropos Denke: Hochnuanciert auch viele Artikel zur Künstlichen Intelligenz (KI), zur Gehirnforschung und der möglichen Kollision zwischen menschlicher und Maschinen-Intelligenz.

Klar wird in solchen Artikel, dass es so wichtig wie noch nie ist, sich mit der Zukunft auseinanderzusetzen. Kritisch und konstruktiv, skeptisch und begeisterungsfähig, visionär und rational, neugierig und gelassen. Vor allem weil die Zukunft noch nie so nah war wie heute. Da hat Robert Fripp recht. Allzu oft ist die Zukunft, auf die wir warten, längst schon Gegenwart. Vielleicht manchmal noch nicht hier bei uns. Aber da sollten wir dafür sorgen, dass das schleunigst passiert.

Ökonomie als Muppet-Show

20. April 2016


Das Thema Wirtschaft darf man ernst nehmen, muss man aber nicht

Verstehe ich das richtig mit den Negativzinsen? Wenn ich mein Girokonto überziehe, bekomme ich Zinsen gutgeschrieben? Schließlich helfe ich den Banken, nicht auf ihren Negativzinsen sitzen zu bleiben. Denn das Schlimmste, habe ich gehört, was einer Bank heute passieren kann, ist es, wenn ein Mensch mit ganz viel Geld kommt und es bei der Bank deponieren will. Kein Wunder, dass da das Geld auf die Bahamas ausweicht. Dort scheint es noch willkommen zu sein. Oder die Briefkästen dort sind anonym und permissiver. Und das Wetter ist auch besser.

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Suchs Paket. Selbstausbeutung als Dienstleister.

Ein wenig darf man sich ja fast amüsieren über unsere zinslose Welt. Es entkrampft so. Plötzlich lösen sich die Zungen und auch die schweigsamsten Menschen geben inzwischen zu, viel Geld in der Finanzkrise verloren zu haben. Noch vor einem halben Jahr haben sie das noch strikt bestritten. Jetzt fällt es leicht, die Verluste zuzugeben. Ist ja eh wurscht. Man bekäme ja jetzt gar keine Zinsen mehr dafür. Oder gar noch Strafzinsen.

Überraschend, dass die AfD noch nicht die Zinslosigkeit für sich entdeckt hat. Ausgerechnet diese kruden Politiksimulatoren-Clique, die einst als Anti-Euro-Partei gestartet ist. Schließlich war es Allah selbst, der verboten hat, für Geld Zinsen zu nehmen. Also ist die Zinslosigkeit doch auch ein Stück Moslemisierung des Westens. – Zugegeben, die arabischen Staaten haben sich nie so recht an das Prinzip gehalten. Zinsen und Dividenden für ihre Ölmilliarden haben sie zumindest gerne kassiert.

Langsam macht sich Antiökonomismus breit

Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Auch das Christentum hat es seinen Gläubigen lange verboten, Geld gegen Zinsen zu verleihen. Das führt dazu, dass dieses Geschäft einst einzig von Juden betrieben wurde. Mit den bekannten negativen gesellschaftlichen Nebenwirkungen. – Heute ist die Finanzbranche dabei, ähnlich unbeliebt zu werden. Von Antiökonomismus spricht allerdings noch keiner. Aber jetzt ist dieser Begriff endlich mal in der Welt. Wird sicher noch seine Verwendung finden.

Fakt ist. Geld wird nicht mehr gespart, sondern gleich ausgegeben. So spart man sich den Umweg übers Sparbuch. Und hat auch mehr davon. Die Konsumgüterindustrie freut sich. Nur der Handel nicht. Denn der bekommt vom Geldsegen nicht mehr viel ab. Also der stationäre Handel. Der versteht sich mittlerweile sowieso nur als Konsumgüter-Museum und verlangt Eintritt von Kunden, die sich „nur mal so umsehen wollen“. Um zu wissen, was sie dann online bestellen wollen.

Aus der Logistik wird Unlogistik

Der Onlinehandel boomt, die Versandlogistik brummt. Nein , es sind nicht die Lieferdrohnen, die uns drohen. Sondern die Paketdienste, die die Güter „ausliefern“. Oder gibt es inzwischen einen besseren Begriff für das Versteckspiel mit Konsumgütern, das da gespielt wird? Statt wie früher lange zu warten, bis der Postmitarbeiter das hinterlegte Paket im Lager gefunden hat, dürfen wir jetzt selbst in der Paketstation suchen, in dem das an der Haustüre nicht ausgelieferte Paket versteckt ist. Mein Vorschlag: Wir nennen das Unlogistik.

Apropos Selbstausbeutung. Das Gejammere, das wir viele Dienstleistungen, für die es früher Personal gab, selbst machen müssen, dürfte bald vorbei sein: Reisen buchen, Produkte selbst konfigurieren und bestellen (und abholen, s. o.), Mietwagen am Straßenrand suchen etc. Wir bekommen bald neues Personal, an das wir das delegieren können: Bots. Also kleine, virtuelle Helferlein, die wir rumkommandieren und die das tun, was wir wollen. Bots ist die Koseform von „Robotern“. Deutsch Roboterlein oder Roböttchen.

Die lieben Bots namens Siri oder Alexa

Die ersten gibt es ja schon. Teilweise üben sie noch, teilweise funktionieren sie schon. Sie hören auf so lieblichen Namen wie Siri oder einen vertrauten wie Alexa. Manche sind profan und springen zu Diensten, wenn man sie mit „Hallo Google“ anherrscht. (Fragt sich, wie lange man bei Robotern Herr im Haus ist.)

Kurios wird es, wenn die Helferlein aka Bots Familienmitglieder werden. Alexa etwa, bereits millionenfach in den USA verkauft, ist offiziell ein kabelloser Lautsprecher mit ausgefeilter Mikrofontechnik. Sie steht im Wohnzimmer oder der Küche und wartet auf ihren Einsatz. Bei manchen Menschen steht sie in wirklich jedem Zimmer. Nach einem kurzen „Hallo Alexa“ ist sie zu Diensten. Sie spielt auch Musik, wenn man ihnen es befiehlt. Aber lieber beantwortet sie Fragen, liest bei Bedarf Kochrezepte vor, und am liebsten bestellt sie, was man auch immer zu brauchen meint.

Immer präsent und Teil der Familie

Diese Bots sind wie einst die Haushaltshilfe oder das Zimmermädchen. Downtown Abbey für Arme sozusagen. Immer zu Diensten – aber sie bekommen auch alles lautstark mit, was so im häuslichen Leben geschieht. Mal sehen, wann den Geräten auch ein Streitschlichtungs-Algorithmus einprogrammiert wird. Oder noch lebensnaher: ein Intrigen-Generator.

Wie auch immer. Die Bots werden auf alle Fälle die nächste große Sache. Wenn Facebook, Microsoft und Amazon das wollen, wird das kommen. Und da werden Siri (Apple) und Google nicht tatenlos, ratlos und serviceunwillig abseits stehen. Im Gegenteil. Sie werden uns eifrig und sehr aktiv dabei helfen, Negativzinsen zu vermeiden. – Das Geld, das sie dabei verdienen, wird dann schon einen Weg auf einsame Zinsen-Eilande finden. Siri, Alexa & Co. sei Dank.

Wir schaffen das?

10. Januar 2016


Die Welt wird ganz, ganz schlimm – oder eben nicht.

Jahreswechsel. Eigentlich ein guter Zeitpunkt, mal inne zu halten und ohne Ressentiment und Angst in die Zukunft zu blicken. Was wird die nächsten Jahre auf uns zu kommen? – Wir wissen darüber so viel wie schon lange nicht mehr. Es wird sich nämlich so ziemlich alles ändern. Alles. Wir stehen vor so vielen und drastischen Disruptionen wie kaum je zuvor.

constWir wissen nur nicht, was sich und wann genau es sich ändern wird. Und wie es sich ändern wird, ist noch offen. Und wohin es dabei geht, wissen wir auch nicht. Aber da könnten wir versuchen, ein wenig mit zu steuern. Oder anders formuliert: Wenn wir jetzt nicht anfangen uns darum zu kümmern, kann es wirklich sehr schlimm werden. Dann wüsste ich nicht, was ich den schlimmsten Dystopien der Pessimistologen entgegen setzen sollte.

Also kurz mal aufgelistet, was auf uns sicher zukommt. Zwei interessante Artikel dazu ist die technikgläubige Zukunftsprognose von Zukunftsoptimist Peter Diamandis und das Interview mit Klaus Schwab, Gründer und Chef des World Economic Forum in Davos, der sehr illusionslos die kommenden Veränderungen benennt.

Das absehbare Zukunfts-Szenario

Also, was wird auf uns zukommen? – Die Weltbevölkerung wird unweigerlich wachsen. Wenn es gut geht, auf 10 Milliarden Menschen. Aber es können auch 12 oder 15 Milliarden werden. Wir wissen längst, dass Wohlstand, Bildung und Gleichberechtigung die einzigen wirksamen „Verhütungsmittel“ sind. Also: Wohlstand, Bildung und Gleichberechtigung gerade für die Dritte Welt.

In unserer Welt wird es sehr voll werden. Und es wird sehr eng werden. Denn die meisten Menschen werden in Mega-Citys leben. Jeder weiß, wie viel Aggressionspotential in solch einer Situation steckt. Einziges Gegenmittel ist viel Empathie und Rücksichtnahme. Oder viel, sehr viel Kontrolle.

Wir stehen vor dem nächsten großen Sprung in die Digitalität. Wir und alle Dinge um uns herum werden unaufhörlich Daten generieren, die kontinuierlich gesammelt und ausgewertet werden. Die Algorithmen, die das tun, kennen wir nicht und verstehen sie auch nicht. Und wir sind nicht in der Lage, deren Ergebnisse zu kontrollieren, geschweige denn zu korrigieren. – Das müsste schleunigst geändert werden; Geschäftsgeheimnisse hin oder her.

Entwicklungen sind nicht aufzuhalten

Wir werden unweigerlich den gläsernen Menschen bekommen. Diese Entwicklung ist nicht aufzuhalten – wie so viele andere ebenso. Das ist die unabwendbare Folge der Digitalisierung und der damit verbundenen Datensammlerei – und unserem Bedürfnis nach immer bequemeren Services. Der Deal, Bezahlung von Services durch Daten, ist längst heimlich fix. Wir müssen nur noch klären, wie wir diese Tatsache verwalten und die nötigen Kontrollen effektiv gestalten. Wir werden alle Little Brothers – und entscheiden selbst, ob George Orwells Ängste Wirklichkeit werden.

Die Computer werden weiter immer schneller rechnen können. Immer schwerer wird es für uns, alle Folgen einer immer weiter um sich greifenden Digitalität zu verstehen und da irgendwie mitzuhalten. Eine Gesellschaft, die nur noch Spielball ist, hat verloren. Sie wird kapitulieren und sich nicht mehr als Gesellschaft verstehen und als Gesellschaft handeln.

Das Horror-Szenario: Eine Welt ohne Arbeit

Wir werden eine Welt voller Roboter bekommen. Nur Roboter garantieren die heute als unablässig erachtete Steigerung von Produktivität. 80 Prozent der Jobs, mit denen wir heute unser Geld verdienen, wird es in den nächsten 25 Jahren nicht mehr geben. Es werden Millionen von Menschen ohne (bezahlte) Arbeit da stehen. Dafür muss unser komplettes Lohn-, Steuer- und Rentensystem von Grund auf geändert werden. Nur eines von vielen Stichworten dazu: bedingungsloses Grundeinkommen.

Eine Welt ohne Arbeit ist eine völlig andere Welt. Eine Gesellschaft ohne Arbeit ist eine völlig andere Gesellschaft. Der Mittelstand löst sich auf. Er hat schlicht nichts mehr zu tun. Was aber dann? Werden die Menschen sich zu beschäftigen wissen? Wie sieht dann Wohlstand aus? Und wie lässt sich der Abgrund zwischen vielen Menschen mit wenig Geld und ganz wenigen mit ganz viel Reichtum erträglich gestalten? Es drohen sonst ungeheure soziale Spannungen.

Alle unsere gesellschaftlichen Institutionen und Errungenschaften stehen dann zur Disposition. Die wenigsten werden überleben. Und das nur, wenn sie sich an die neue Wirklichkeit anpassen. Ein digitalisiertes Gesundheitssystem wird zwar wirkliche Wunder bewirken können. Aber wie werden diese bezahlbar bleiben: personalisierte, intelligente Medikamente, Gentherapie, Zelltherapie, Krebstherapien, Immuntherapien, Psychobehandlung, personalisiertes Gesundheitscoaching, Funktionsmonitoring etc.?

Politik kann nicht (mehr) verändern

Wie soll unsere Politik solch krasse Veränderungen bewältigen? Politiker sind dafür weder geeicht noch ist unser politisches System auf Veränderung angelegt. Ganz im Gegenteil. Wie aber soll eine Gesellschaft im rapiden, disruptiven Wandel gemanagt werden? Wie soll eine Gesetzgebung aussehen, die diese Veränderungen bewältigt? Klaus Schulz etwa verlangt eine agile Gesetzgebung, also gleichsam sich automatisch anpassende Gesetze.

Und es werden viele Gesetze und Regelungen kontinuierlich geändert werden müssen. Das Finanzsystem muss gebändigt werden, das Steuersystem an die disruptiven Änderungen angepasst werden müssen – Stichworte: Produktivitätssteuer, Robotersteuer, Datensteuer, Prosperitätssteuer… Unser Sozialsystem muss nicht nur agil, sondern fluid auf die absehbaren Veränderungen reagieren: Überalterung, Arbeitsverluste, Zuwanderung, Grundeinkommen…

Vor allem aber wird die große Mehrheit der Menschen von den Veränderungen überfordert sein. Sie tut sich heute schon so schwer. Und heute erleben wir nur den ersten Hauch kommender Disruptionen. Wir erleben schon jetzt, wie Menschen ihre Unfähigkeit und ihr Unwillen, Änderungen zu akzeptieren und anzugehen, in Aggression und Verweigerung treibt – und in die Arme von Rechtspopulisten, die unverantwortlicherweise einfache Lösungen versprechen.

Wir brauchen ein Change-Management für unsere Gesellschaft

Wie soll das Change-Management für eine komplette Gesellschaft, für ein komplettes Staatssystem oder gar für hypernationale Systeme wie die Europäische Union aussehen, oder gar für eine Weltregierung? Wie muss dafür ein geeignetes Bildungssystem aussehen? Und eine Fortbildung für die Pädagogen, die Menschen (nicht nur Jugendliche) für solch ein System fähig machen sollen?

Und was tun mit all den Menschen, die noch nicht einmal in der Moderne oder unserer digitalen Wirklichkeit angekommen sind? Was ist mit der Zweiten und der Dritten Welt – und den Menschen die vor dort zu uns fliehen?

Es gibt keine einfachen Lösungen, das ist sicher. Aber man kann sich relativ gut auf die am meisten unterschätzten Fähigkeiten des Menschen verlassen: seine Ingenuität und seine Anpassungsfähigkeit. Aber beide dürfen nicht dauernd überstrapaziert werden. Wir lernen nicht am besten, wenn wir andauernd ins kalte Wasser geschmissen werden oder im Panikmodus handeln müssen.

Bei sich selbst anfangen

Besser wäre es, wenn wir all diesen Veränderungen ins Auge sehen. Wissend und mit Mut. Vielleicht sogar manchmal mit Vorfreude. Besser wäre es, wenn wir von Veränderungen nicht stets auf dem falschen Fuß erwischt werden, wenn wir agieren und nicht nur reagieren. Nur so hätten wir eine echte Chance, in etwa mitbestimmen zu können, wohin unser Weg geht.

Der derzeitige Modus des „alternativlosen“ Dahinwurstelns ist sicher falsch. Genauso das konsequente Wegsehen vor den kommenden Entwicklungen. Es wäre toll, eine Kanzlerin, meinetwegen auch einen Kanzler zu haben, der die Probleme der Zukunft klar benennt, der Ideen und Vorschläge für deren Bewältigung hat und dann wirkungsvoll Zuversicht ausstrahlt: „Wir schaffen das!“

Hilfe statt Hysterie

Aber nur auf die Politik hoffen, ist sicher allzu blauäugig. Jeder muss bei sich selbst anfangen. Ich habe mir angewöhnt, auf alle Änderungen und die begleitenden hysterischen Untergangsszenarien (der Medien u.a.) relaxt, emotionslos, gleich-gültig und neugierig zu reagieren. Klappt nicht immer, aber immer besser. Ich habe mir den analytischen Blick eines Insektenforschers angewöhnt, der die in seinem Schmetterlingsnetz gefangenen seltsamen und manchmal nicht hübschen Exemplare mit großem Interesse begutachtet.

Be-gut-achtet. Was ist gut? Was schlecht? Ich versuche anderen zu helfen, das Gute auch zu sehen und Ängste abzubauen. Mache Mut und helfe Schwellenängste abzubauen. Und bei Schlechtem versuche ich dagegen aktiv zu werden. Immer und überall. Aber ganz unhysterisch. Mit Argumenten und Perspektiven. Ist anstrengend – und funktioniert nicht immer. Aber nur so schaffen wir es, die neue Welt annehmbar, vielleicht sogar positiv zu gestalten.

Wir Flichtlinge

7. September 2015


Von West nach Ost

Meine Familie ist ziemlich migrationserfahren. Im 17. Jahrhundert ging es für uns von Holland nach Pommern. Da gab es viele Feuchtgebiete trocken zu legen. Und das konnten wir Holländer damals besonders gut. Dort in Pommern holten wir uns auch unseren Namen: Konitzer. Die Stadt Konitz, mitten in Pommern, wurde später m Kaiserreich eine beliebte Sommerfrische für gestresste Berliner.

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Vater und Sohn in Reihenhaus-Idylle

Von dort ging es mit den Konitzers rund 100 Kilometer weiter nach Osten nach Neuenburg an der Weichsel. Eine Region, die häufig ihre Herrscher gewechselt hatte. Dort konnte man Integration üben, sprachlich und kulturell, ohne erst den Wohnsitz wechseln zu müssen. Mein Vater hatte positive Erinnerungen an diesen Kulturmix aus deutsch, polnisch und kaschubisch. Sein Leben lang liebte er es, beim Rasieren lauthals die polnische Nationalhymne zu singen. Natürlich auf polnisch.

Von Ost nach West

1920 musste unsere Familie dann aber wieder migrieren. Zwangsweise. Neuenburg lag damals auf der falschen Uferseite der Weichsel und war in den Reparationsverhandlungen nach dem 1. Weltkrieg Polen zugeschrieben worden und heißt seitdem Nowe. Für die Familie Konitzer ging es zurück nach Westen, nach Herne, mitten in den Ruhrpott. Mein Vater, Bruno Konitzer, war da gerade mal 16 Jahre alt.

Integration im Ruhrgebiet? Nur marginal, auf keinen Fall hörbar (Dialekt). Eine Zeit lang spielte mein Vater bei Westfalia Herne Fußball. Er blieb Fan des Vereins bis zum Lebensende. Aber schon bald zog es ihn wieder nach Osten, nach Berlin. Dort arbeitete er beim Deutschen Patentamt und erlebte die spannenden Zeiten Ende der frühen 30er-Jahre und die schlimmen der späteren 30er-Jahre.

Die Metropole lockt

Seine Frau freite Bruno Konitzer im tiefsten Schlesien. Eine Attraktion für die junge Braut Ursula war erklärtermaßen die Aussicht, die Provinz verlassen zu können und ins geliebte Berlin umzusiedeln. Leider nur für kurze Zeit. Dann kamen die Bomben, die Flucht heim nach Schlesien und von dort die Vertreibung. Es ging via Österreich ins dörfliche Hessen nach Kirtorf. Dort vereinigte sich die im Krieg zersplitterte Familie wieder.

Von dort ging es nach einem Abstecher ins westfälische Arnsberg nach München. Hier kam ich auf die Welt. Ich wuchs mit all den Erzählungen auf von Flucht, Todesangst und mieser Behandlung (in Tschechien und Österreich) und natürlich Verlust von Hab und Gut, von Schmuck und Erinnerungsstücken. Es wurde von Heimat erzählt, die weit weg – und nicht zu erreichen war.

Das Vielvölker-Projekt

So war ich damals ein Kind, das nicht so recht wusste, wo es hingehörte. Papa und Mama sprachen hochdeutsch, Oma schlesisch. „Wir Flichtlinge“ fingen viele Erzählungen von ihr an. Das Schlesische kennt kein „ü“, das „ü“ wird dort halbiert und „i“ gesprochen. (Und das „r“ verknödelt sich im Rachenraum zu einem gutturalen Urlaut.) So konservativ mein Vater politisch war, mit Vertriebenenverbänden und ihren Treffen wollte er nie etwas zu tun haben. Meine Mutter sowieso nicht.

Meine Integration nach Bayern fand dann in der Münchner Vorstadt, in Berg am Laim, statt. Eine neu erbaute Reihenhaussiedlung der katholischen Kirche war eine einzige große Integrationsmaßnahme. Unsere direkten Nachbarn waren „Einheimische“, also gebürtige Berg am Laimer, und dazu kamen Ostpreußen, Münchner, Sudetendeutsche, Oberschlesier, Regensburger, Banater Schwaben… – ach ja, aus der Pfalz und Sachsen kamen auch welche.

Christliche Mildherzigkeit

Der große Integrator in diesem Vielvölkergemisch war natürlich der christliche Glaube. So sehr man auch vom Nachbarn und seinen Eigenarten genervt war, man durfte es nicht zeigen, sondern hatte christliche Milde walten zu lassen. Aber Augen rollen durfte man, wenn der Hausputz-Perfektionismus der Nachbarin nervte. Oder anders herum, der schlampig gepflegte Garten missfiel. Meine Mutter lernte sogar zu ertragen, dass unser niederbayerischer Nachbar in seinem Garten ein Schrottlager eröffnete und seine Lokomotivführer-Pension mit seinem Schrotthandel aufbesserte.

Das war gelebte Toleranz. Immer öfter fanden dann immer längere Gespräche über den Zaun statt. Und frisch Gebackenes wurde am Sonntag hinüber- und herüber gereicht. So lernten die Bayern die Vorzüge schlesischer Backkunst kennen und wir typisch bayerische Backwaren. Wenn nur leiser Duft frisch gebackener Krapfen meiner Mutter den Weg ins Nachbarhaus fand, stand unweigerlich Minuten später unser Nachbar Paul in der Tür und flötete mit unwiderstehlichstem bayerischen Charme: „Mutter Ursula, was rieche ich da?“ – Es waren für den Zweck sowieso etliche Krapfen mehr gebacken worden.

Integration auf vier Rädern

Paul und seine liebe Frau Lotte und ihre beiden Söhne waren sowieso die aktivsten Integratoren. Sie kümmerten sich vor allem um meine Wenigkeit. Von ihnen lernte ich mein Bayrisch. Vor allem aber lernte ich bayerisches Land, Leute und Kultur kennen. Paul reiste als Seminarleiter – und Tenor – viel im bayerischen Land umher. Und wenn es passte, lugte sein Kopf kurz durch die Tür mit der Aufforderung: „Kommst mit, Michael?“ Und schon ging’s quer durchs bayerische Oberland.

So lernte ich schöne Kirchen kennen – und noch besser: wunderschöne Kirchenmusik in schönen Kirchen. Oder ich wurde zu Pauls Schwester, der Göde, mitgenommen. Dann verbrachte ich einige Tage in Halfing auf dem Land oder in Erl, ein paar Meter über die Grenze in Österreich. Da hörte ich im Passionsspielhaus das erste Mal die Wiener Sängerknaben. Ein Epiphanie-Erlebnis. Und ich lernte dort am Bauernhof auch Plumpsklos auszuhalten. Ich das Ete-petete-Kind meiner reinlichkeitsbesessenen Mutter.

Kultur mit Messer und Gabel

Mit Onkel Paul, wie er bald hieß – später wurde er auch mein Firmpate – lernte ich aber die viel wichtigere Kultur kennen: die bayerische Ess-Kultur, genauer gesagt, die Schmaus-Kultur. Ich erinnere mich noch immer an den kurzen Abstecher von Erl nach Innsbruck. Da gab es eines der Lieblingsgasthäuser von Onkel Paul. Und sein Lieblingsgericht dort war das so genannte „Appetit-Brot“. Meine Erinnerung malt mir dazu einen riesigen Berg an Leckereien auf einem riesigen Teller: Allerlei Wurst, Käse, Schmalz und dazu Radieserl, Radi, Gurkerl, Tomaten und… und… und. Und richtig, ganz drunten, nicht zu sehen, lagen wirklich zwei Scheiben Brot.

Ich lernte nicht nur solche kuriosen Spezialitäten, vor allem lernte ich das Genießen auf bayerische Art. Genießen auf schlesische Art kannte ich ja. Meine Mutter kochte und buk einfach zu gut. Über die Kombination von beidem bin ich bis heute froh. Und alle Menschen, die von mir bekocht werden.

Das Rezept für Integration auf der Langstrecke

Warum mir das alles gerade jetzt einfällt – und warum ich es gerade jetzt schreibe? Der Anlass war noch nie so naheliegend, wo wieder Tausende Flüchtlinge ins Land kommen. Wie schon so oft in Deutschland. Und immer haben wir Zuwanderung gut gemeistert. Zuletzt in den 90er-Jahren aus Ost-Deutschland. Und immer haben wir davon profitiert.

Ich habe das Erfolgsrezept gelungener Integration ja selbst erlebt. Ein Rezept, das auch auf der Langstrecke funktioniert: Ein Mix aus Toleranz und Milde gepaart mit einem klaren Standpunkt und klarem Wertekanon, ob nun christlich oder abendländisch. Dazu eine echte Begeisterung für die eigene Kultur, die dann authentisch weitergegeben werden kann. Dazu eine Neugier auf fremde Kultur. Kultur im weiten Sinn: von Musik, Theater, Literatur bis hin zu Festen, Kulinarik und Gebräuchen. Die schönsten Weihnachtsfeste waren die, die ich mit Griechen, Italienern und sonstwie Fremden gefeiert haben. Dieses Jahr mit Syrern?

 

 

 


Die Besser-Deutschen

Südtirol. Ein heißer Sommertag. Drückende Hitze. Im Schatten der Säulengänge sitzt ein Paar im Café. Er Deutscher, genauer gesagt Hesse. Unverkennbar der Dialekt. Sie Italienerin, wahrscheinlich Südtirolerin, soweit man aus ihrem Deutsch schließen kann. Eine intensive Debatte.

Er, der Hesse erklärt ihr, der Italienerin, warum Italien nicht funktioniert. Warum es nicht funktionieren kann.  Sie gibt zu, dass in Italien so Manches im Argen liegt. Aber seine Thesen zu den Ursachen überzeugen sie nicht. Sie vermutet andere Gründe. Aber nein, der Hesse weiß es besser. Aber seine Argumente werden nicht besser, wenn er sie – lauter – wiederholt.

Flughafen Shanghai

Flughafen Shanghai

Eine Zeitlang ist das wie Kabarett, wenn man vom Nebentisch aus zuhört. Wir grinsen in uns hinein, weil die Situation so absurd ist. Der Hesse wird mit der Zeit immer aggressiver, wenn ihm widersprochen wird. Denn seine Vorschläge, wie es in Italien besser laufen könnte, funktionieren garantiert. Wenn man ihn nur machen ließe.

Tropfende Wasserhähne

Wenn er meint, die Italiener sind faul, dann stellt seine Gesprächspartnerin richtig: Italiener sind gut im Aufbauen, aber sehr schlecht im Pflegen von Dingen. Stimmt, das haben wir auch schon oft festgestellt. Beispiel: Flughafen Ancona. Ganz neues, modernes Gebäude, schöne Architektur. Aber in den Toiletten tropfen unentwegt die Wasserhähne, allesamt.

Statt sie zu reparieren, wird um die Wasserhähne sorgfältig Toilettenpapier drapiert. Apropos Italiener und Faulheit. Da steckt eine Menge Fleiß drin, jeden Tag die nassen Papierfetzen zu entfernen und adrett neue Manschetten um die Wasserhähne zu legen. Und das über eine lange Zeit, wie wir Jahr für Jahr konstatieren konnten.

Es ist die Sichtweise von uns deutschen Perfektionisten, die uns im Weg steht, solche Lösungen wertzuschätzen. Die säuberlich arrangierten Papiermanschetten rund um die Wasserhähne sind ein eleganter Hinweis, dass die Toilette täglich mehrmals inspiziert und gesäubert wird. Denn ehe die Papiere nass und unansehnlich werden, sind sie ja schon ausgetauscht.

Alles viel zu kontrollig

Wir behelfen uns hierzulande mit Kontrolltafeln, in denen das Toilettenpersonal seine Anwesenheit per Unterschrift dokumentiert. Auch nicht hübsch. Und so kontrollig. In Italien nutzt man tropfende Wasserhähne für den Anwesenheitsnachweis. Auch nur bedingt hübsch. Aber irgendwie eleganter. Ein Installateur, der die Wasserhähne abdichtet, würde das Arrangement nur stören.

Eine komplett andere Sichtweise eines anderen Landes, einer anderen Kultur, ist immer wieder ein Geschenk, das man zu genießen lernen muss. Beispiel China, Flughafen Shanghai. Schauplatz wieder eine öffentliche Toilette, kurz vor Dienstschluss. Beim Betreten ist der Boden mit Massen von Papierhandtüchern übersät. Der Toilettenreiniger nutzt alle weggeworfenen Papierhandtücher, um damit sauber raus zu wischen. Recycling und Ressourcenschonung at it’s best.

Als Wiedergutmachung für meine kurzzeitige Irritation über die Situation bekomme ich mein Papierhandtuch vom Toilettenreiniger persönlich aus dem Automaten gereicht, stilgerecht mit einer tiefen Verneigung. Mein Versuch, mit einem Trinkgeld zu danken, wird entrüstet abgelehnt. – Danke für diese nette außergewöhnliche Erfahrung.

Andere Länder, andere Lösungen

Um im asiatischen Kulturraum zu bleiben. Vor Jahren fragte ein japanischer Referentenkollege in seinem Vortrag nach der optimalen Lösung für folgende Konfliktsituation: Ein Kunde kommt in ein Geschäft – und will für ein Produkt einen Preisnachlass. Sein Argument: Im Konkurrenzgeschäft gleich um die Ecke sei das Produkt billiger. Was also tun? – Großes Rätselraten unter den anwesenden – deutschen und österreichischen – Marketeers.

Die Lösung: ganz einfach. Den Kunden kurz um Geduld bitten, losgehen, das Produkt zum billigeren Preis im Geschäft um die Ecke erstehen, dem Kunden bringen – und zum geringeren Preis verkaufen. So bringt man glaubhaft Kundenorientierung rüber. Großes Staunen, großer Beifall. Leider habe ich bis heute niemanden getroffen, der sich hierzulande solche japanische Kundenverwöhnung angewöhnt hat. – Schade auch.

Noch mal anders, ganz anders, in Afrika. Im Spiegel (Printausgabe 31/2015) erzählen Hauke Goos und Bernhard Riedmann in ihrer Afrikareportage einen wirklich kreativen Lösungsansatz, der uns vorführt, welche Lösungsarmut bei uns herrscht. Die Aufgabe: Die Grenze zwischen Ghana und Burkina Faso ist nachts wieder mal geschlossen. Auch Zöllner wollen ja mal Feierabend haben. Ein Geschäftsmann muss aber noch seinen Flieger in Burkina Faso am nächsten Morgen erreichen.

Unser Lösungs-Kolonialismus

Die Zöllner zu überreden, die Grenze für ihn aufzumachen: keine Chance. Die Lösung: Er erzählt den Grenzern, dass er noch einen wichtigen Termin hat, er noch tanken müsse, aber das Geld dafür nicht reicht. Die Beamten helfen gerne, jeder gibt ein bisschen was, das Geld ist schließlich zusammen. Alle freuen sich.

Bleibt das Problem, dass ein voller Tank bei geschlossener Grenze nicht viel nützt. Das leuchtet den Grenzbeamten ein. Also öffnen sie kurzerhand die Grenze, winken den Wagen freundlich durch und wünschen eine gute Reise. Eine afrikanische Win-Win-Situation.

Irgend so etwas Kreatives hätte den Politikern bei den Verhandlungen zur Griechenlandkrise einfallen sollen. Dann hätten wir heute ein Problem weniger – oder sehr viel weniger. Das Problem der globalisierten Politik ist, dass eine große Lösungs- und Ideenarmut herrscht.

Und ein Lösungs- und Ideenkolonialismus. Oder -Imperialismus. Es gibt immer nur eine Art, Konflikte zu lösen. Unsere Art. Und meist nur die, die sowieso noch nie funktioniert hat. Aber mit ihr ist man auf der sicheren Seite. Sie funktioniert garantiert nicht. Bei alternativen Lösungen weiß man das nicht so genau. Und Risiken, die mögen sie nun mal gar nicht, unsere Banker und Politiker.


Das haben sie davon, diese bösen, bösen Griechen

Kleine Klarstellung vorweg: Mir geht es hier nicht um die Reinwaschung der griechischen Politik und ihres Klientelismus. Die hat in ihren Auswüchsen hochbizarre Züge. Die wären fast amüsant, wären sie erdacht und nicht Wirklichkeit: Wenn sich etwa der Staat mit denselben Katastertricks selbst bescheißt wie es seine Bürger mit ihm tun. Mir geht es auch nicht um eine finanzwirtschaftliche Bewertung der Ergebnisse, dazu fehlt mir jede Kompetenz.

Angela Merkel (rechts) mit ihrem Finanzminister WOLFgang Schäuble

Angela Merkel (rechts) mit ihrem Finanzminister WOLFgang Schäuble

Aber es gibt so viel, was in dieser politischen Hysterieorgie der letzten Wochen derart desaströs lief, dass ein vernünftiges Ergebnis gar nicht mehr möglich war. Die Griechen sind die Bösen, die Unfähigen – und alle anderen die Guten und Tollen. Angela Merkel und speziell Wolfgang Schäuble haben alternativlos recht, und die Griechen haben immer und überall unrecht und machen alles falsch. Das ist ein wirklich kindisches Schwarz-Weiß-Denken. Und es verunmöglicht jedes Handeln jenseits von Aufrechnen und Rechthaben, verhindert jede Kreativität. Weiche Faktoren gelten nicht. Respekt? Fehlanzeige, Save face? Was ist das? Empathie gibt schon gar nicht. Eher schon Wut und Nachtreten.

Die Griechen sind die Schurken

Fangen wir mit den Griechen an. Sie haben eine fatale Staatskonstruktion. Über Jahre haben sich Politiker aller Couleur ihre Wahlergebnisse durch Wohltaten an die Wähler erkauft. Um das zu finanzieren, haben sie sogar die Staatsbilanzen gefälscht. Das ist schlimm und verwerflich. Aber solche Gaunereien funktionieren nur, wenn man sie auch zulässt. Kohl, Waigel & Co. wollten die Griechen beim Euro um jeden Preis dabei haben – und seitdem wird geflissentlich beiseite geschaut, wenn es um Kontrollen geht.

Hat irgendjemand auf der Seite der Zahlmeister und wirtschaftlich Guten mal ein Wort der Selbstkritik fallen lassen? Gab es irgendwann einen Hauch von Reue, dass man die Fehlkonstruktionen des griechischen Staates, die immer schon bekannt waren, stets stillschweigend geduldet hat? Und warum? Weil die Griechen so brav waren, das Geld zu lukrativen Zinsen bei deutschen Banken zu leihen? Und brav haben sie Rüstungsgüter in Milliardenhöhe aus deutschen Landen geordert. (Der Militärhaushalt steht bis heute nicht als Sparmöglichkeit zur Debatte!)

Das neo-liberale Finanzfiasko

Und dann kamen Rezession und die Finanzkrisen. Die trafen das verletzliche Griechenland viel härter als die prosperierenden Länder der EU. Der österreichische Wirtschaftswissenschaftler Stephan Schulmeister hat das in einem lesenswerten Artikel beispielhaft dargestellt. Die Folge waren aber nicht etwa drastische Strukturvorgaben für Griechenland, sondern nur weitere teure Hilfsprogramme, die Griechenland nur tiefer ins Desaster führten. Die damals verantwortlichen Politiker in Griechenland haben das brav mitgemacht. Und wir hier, die Kreditgeber, haben das forciert, weil es ja so alternativlos war. Angeblich. Irgendwo hier ein Fünkchen Selbstkritik? Nein, alles richtig gemacht, wir verdienen schließlich daran.

Was die Sache in der Folge noch schlimmer macht, ist die Sprengkraft, die dabei innerhalb Europas entfacht worden ist. Krisenländer wie Irland, die baltischen Staaten, die Slowakei, Portugal oder Spanien haben brutale Spardiktate auferlegt bekommen. Sie konnten sie besser verkraften als das strukturell katastrophal aufgestellte Griechenland mit seinen unfähigen und unwilligen Politikern. Aber es machte sie in der Folge zu den unerbittlichsten Gegnern Griechenlands. Denn warum soll es denen besser gehen als ihnen selbst? War das Absicht der reichen Länder oder fehlende Voraussicht? Und hat man hier ein selbstkritisches Wort aus Berlin oder Brüssel gehört?

Die Währung als Sprengstoff 

Der Euro ist einst eingeführt worden, um Europa noch näher zusammenzuführen, um nach den Staatsgrenzen auch die Finanzgrenzen einzureißen. Eine ehrenwerte Idee, nur leider arg schlecht zusammengeschustert. Ein ähnlich selbstzerstörerisches Konstrukt wie unser Rentensystem. Mich erschreckt jedenfalls, welche Gräben sich zwischen den Staaten Europas auftun:. Teils politisch zwischen links (Syriza) und rechts (Finnland, Dänemark, Ungarn); klimatisch zwischen Süd und Nord, katholisch und protestantisch/calvinistisch, schlampig und korrekt; wirtschaftlich zwischen Gebern und Nehmern, arm und reich. So gesehen hat der Euro eine fatale Sprengkraft für Europa. – Das war doch genau andersherum gedacht, oder?

Und Wolfgang Schäuble macht das alles in seiner störrischen Wut über griechische (levantische?) Verhandlungsweisen nur noch schlimmer. Er ist doch Politiker genug, um zu wissen, wie verheerend solch hartleibiges Verhalten im Imagebild ist. Der Satz, Schäuble habe in einer Nacht mit seinem Beharren auf einem Grexit alles kaputt gemacht, was wir Deutschen über Jahrzehnte an Vertrauen und Zutrauen bei unseren Nachbarn aufgebaut haben, ist so falsch nicht. Und das nur, weil ihm ein Varoufakis so ausgiebig auf den Nerv gegangen ist? Oder weil ein byzantinisches Staatsverständnis so konträr zu seiner schwäbischen Kehrwochen-Korrektheit ist?

Ideen statt Rechthaberei

Mich entsetzt auch die Ideenlosigkeit der Rettungsmaßnahmen, die ähnlich absurd erscheinen wie das Staatssystem der Griechen, das sie kurieren sollen. Jetzt wird also – hopp, hopp, hopp – die Mehrwertsteuer angehoben. Die Steuer, die bekanntermaßen vor allem den kleinen Mann trifft – und wieder einmal die Reichen verschont. Diese Steuererhöhung macht die Dinge des täglichen Bedarfs teurer, die sich viele Griechen z. B. mit ihren gekürzten Renten schon jetzt kaum mehr leisten können.

Zugleich weiß jeder, dass die Umgehung der Mehrwertsteuer längst schon der beliebteste Volkssport Griechenlands ist. Das wird jetzt nicht besser werden, wenn es sich noch mehr lohnt, den Staat um diese Einnahmen zu betrügen. Also noch mehr Kontrolleure? In Griechenland? – Hier zeigt sich exemplarisch die fatale Unfähigkeit des Nordens, die Mentalität des Südens auch nur ansatzweise verstehen zu können/zu wollen. Statt Kontrolle und Nordländer-Lösungen wären besser gute Ideen gefragt.

Motivation statt Kontrolle

In China, wo die Lust auf Kassenbons und Zahlung von Mehrwertsteuer auch sehr marginal ausgeprägt ist, hat sich der Staat was einfallen lassen: Jeder Kassenbon ist zugleich ein Lotteriezettel mit einer frei rubbelbaren Losnummer. Alle Vierteljahre gibt es dann – öffentlichkeitswirksam im Fernsehen – eine große Ziehung der Gewinnzahlen. Und dann ist man der Blöde, wenn die Gewinn-Nummer aufleuchtet und man die entsprechende Quittung nicht vorweisen kann. – Seitdem ist das stille Einverständnis zwischen Kunde und Verkäufer, auf Quittungen zu verzichten, deutlich gestört. In China! Da hat man nämlich Ideen, wie levantinische Mentalität erfolgreich zu unterlaufen ist.

In Europa geht man den anderen Weg, den des gegenseitigen Blamierens, der Schuldzuweisungen und des Besser-Wissens, des Ausgrenzens und Niedermachens. Europa ist sehr gut in so was. Das haben wir über Jahrhunderte hin geübt – und in immer neue Krisen und Kriege eskalieren lassen. – Ich hatte gehofft, das hinter uns gelassen zu haben: Einer muss der Buhmann sein, auf den sich die Volksseele und die Volksverblöder (BILD!) einschießen können. Diese Methode hat noch immer jede Demokratie wirkungsvoll zerstört. Sie ist der Nährboden für Faschismus – egal in welcher Art von Schafspelz er diesmal auftauchen mag.

Warm Turkey

30. Juni 2015


Wenn Medien-Entzug zum Vergnügen wird

Ich bin auf Entzug. Multiplem Entzug. Nur bedingt freiwillig. Inzwischen aber gutwillig – und mit guter Laune. Los ging’s mit dem – nur teilweise freiwilligen – Entzug der Tageszeitung, in diesem Fall der Süddeutschen Zeitung. Teils war der streikbedingt, teilweise langen Absenzen von zu Hause geschuldet. Meine Abenteuer rund um mein Abo der Süddeutschen Zeitung habe ich hier in diesem Blog ausführlich beschrieben – samt erhellenden Kommentaren vom Digitalchef der Süddeutschen, Stefan Plöchinger.

Inzwischen bin ich Abonnent der Digitalausgabe der Süddeutschen. Nun gut, jeden zweiten Tag vergisst die Site mein Login, aber mit einem Klick kann  ich dann meist wieder weiterlesen. Nur noch freitags und samstags kommt die Printausgabe ins Haus. (Das klappt nach ein paar Anlaufschwierigkeiten auch.) Kein gutes Geschäft für die Süddeutsche, denn diese Kombi kommt billiger als das Voll-Abo. Der Effekt des Schwenks zur digitalen Ausgabe: Ich lese weniger. Dafür kann die Süddeutsche nichts, vor allem die Wochenendausgabe ist wirklich klasse.

Aber so weit ich vom Digital Native altersbedingt entfernt bin, die vielen Jahre Onlinekommunikation – 20 werden es dieses Jahr! – haben ihre Wirkung hinterlassen. Meine Medienrituale – oder wie der britische Digital-Anthropologe Daniel Miller es nennt: meine Mediatisierung – hat sich spürbar verändert. Zu ungunsten der überkommenen Medien.

Jede Kommunikation ist mediatisiert

Ein Artikel in der Zeit über Daniel Miller und seine weltweite qualitative Sozialforschung zu Facebook, Twitter, WhatsApp Instagram & Co. hat diesen Wandel sehr gut beschrieben: „Jedes persönliche und direkte Gespräch ist mediatisiert, es folgt impliziten Regeln und Konventionen.“Das ist im digitalen Umfeld nicht anders: „Menschen sind durch digitale Technologien nicht einen Deut stärker mediatisiert.“ Sein wissenschaftlich untermauertes Resumé zu den Digital Natives: „Technik macht sie glücklich.“ – Ja, tut es – mehr oder weniger – auch bei mir.

Der Vorteil der Zeitung, ob digital oder nicht, ist, dass man selbst bestimmen kann, wann man sie lesen will. Das aber ist beim TV nicht der Fall. Entsprechend ist mein TV-Konsum ausgedünnt. Er geht in championsleague-freien Zeiten inzwischen gegen Null. Obwohl, die letzten Partien habe ich mir sowieso per Streaming angesehen. Das Ende von festgelegten Präsenzzeiten vor dem TV erlebe ich nicht als Entzug, sondern als Befreiung. Krimis langweilen mich, Talkshows lösen Panikattacken bei mir aus…, Was mich interessiert – ein paar Dokus oder die „Anstalt“ vielleicht – sehe ich mir an, wann ich will. In der Mediathek.

Leapfrogging in Realtime

Das Internet bietet einfach zu viele Attraktionen per Video. Grandiose Musikvideos, Vorträge (nicht nur bei TED), Fortbildungskurse, Dokumentationen gibt es en masse bei YouTube & Co. Hinzu kommen Serien bei Amazon Prime (Bosch, The Man in the High Castle) und Netflix. Und für die guten Tipps, was anzusehen lohnt und was angesehen  werden muss, sorgt die Medienkompetenz meiner Freunde bei Facebook und Twitter – allesamt medienaffine Menschen mit erfrischend kontroversen Interessen und breiter politischer Ausrichtung. (Zugegeben, politisch rechts ist gewollt eine breite Lücke.)

Bei meiner Reise zuletzt nach China war ich gezwungenerweise auch Facebook- und Twitter-abstinent. Beides ist ja in China zusammen mit allen Google-Diensten gesperrt. Auch hier, keine großen gefühlten Defizite. In China vermisst im Alltag ja sowieso keiner diese Dienste, weil es adäquate, oft bessere, passendere – und staatlich kontrollierte Angebote in China gibt. Den Effekt konnte ich gut live miterleben. Das Leben ist dort schon weit selbstverständlich digitaler als bei uns. Und das nicht nur bei jungen Menschen. Leapfrogging in Realtime. – Und ich bin kein Frosch und hüpfe mit.

Die Lehre der Leere

Zurück in Deutschland hat mein kontinuierlicher Entzug herkömmlicher Medienzufuhr durch den Streik der Briefträger weiter an Dynamik gewonnen. Seit drei Wochen ist nun unser Briefkasten schon konsequent leer. Und das ist gut so. Zum einen, weil ich als langjähriger Briefträger (zu Schul- und Unizeiten) deren Ausstand nur gut heißen kann. Zum anderen, weil man so erlebt, dass man es so auch gut ohne den gedruckten Spiegel aushalten kann. Gut für mein Zeitmanagement, schlecht für das Print-Business, dem ich schließlich die ersten zwei Jahrzehnte meiner Berufskarriere zu verdanken habe.

Vor allem aber lehrt der leere Briefkasten, wie sehr sich mein Kommunikationsfeld ins Digitale verschoben hat. Das Leben geht auch ganz gut ohne Post weiter. Herrlich, drei Wochen ohne Postwurfsendungen, ohne Werbung, ohne sonstigen Schmarrn. Gut, ein paar Steuerunterlagen sind verschollen, auch Auftragsbestätigungen. Das kann noch ärgerlich werden. Mal sehen, ob das Finanzamt auch höhere Gewalt (= Streik) anerkennen wird. – Und gespannt bin ich, wann der riesige Berg an Post, der in irgendwelchen Postlagern rumgammelt, angeliefert wird. Und wie? Per LKW?

Begleitete Verflachung und Verdummung

Wie geht es jetzt eigentlich Amazon? Ich bestelle dort nun gar nichts mehr. Dies auch aus erziehungstaktischen Gründen. Entweder wird aus Amazon eine verantwortungsvolle Firma mit Steuerzahlungen, adäquaten Löhnen – oder die Geschäfte in meinem Umfeld werden weiter von meiner Amazon-Abstinenz profitieren. Ich spüre auch hier fast keinerlei Mangelerscheinungen. Das ist Entzug auf die bequemste und irgendwie angenehme Art. Warm turkey statt cold turkey.

So verläuft meine Entwicklung zum Digital Adaptive in Riesensprüngen vorwärts. Den Einflüssen von Old School-Ritualen wie Streik sei dank. Und auch, weil die Medienlandschaft so spürbar und rapide verflacht. Welch Irrtum, im Digitalen nur in krampfhaft erzeugten Klick-Fantastilliarden zu denken. Man kann Clicks auch durch Leistung und Haltung erzielen. VOX, Mic, Vice, Mashable und andere in den USA machen es vor. Jürgen Habermas hat nicht so unrecht, wenn er wie zuletzt in der Süddeutschen schreibt: „Zur postdemokratischen Einschläferung der Öffentlichkeit trägt auch der Gestaltwandel der Presse zu einem betreuenden Journalismus bei, der sich Arm in Arm mit der politischen Klasse um das Wohlbefinden von Kunden kümmert.” Begleitete Verflachung und Verdummung, sozusagen. – Schön, dass ich da nicht mehr mittun muss. Warm turkey.

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