Europe Online – Digitales Tagebuch 1-1996

25. Januar 2016

Der erste Teil meines Digitalen Tagebuchs auf Europe Online von 1996.

Europe_OnlineDas Jahr der Ratte

mak@muc.001.96.17:04

Das „Jahr der Ratte“ hat begonnen. So jedenfalls wertet das asiatische „Horoskop“ das Jahr 1996. Und daß heißt nur Gutes. Denn die Ratte steht in Asien für Energie und Vitalität. Optimale Voraussetzungen für das erste komplette Online-Jahr.

Und was noch besser ist: die Ratte ist auch das Symbol für die Wahrung und Mehrung von Reichtum. Das wird Andreas Struck, unseren Geschäftsführer besonders freuen.

Fragt sich nur, ob er an (asiatische) Horoskope glaubt? – Ich persönlich glaube an Horoskope, klar. Aber nur so lange sie mir Positives verheißen…

Die Computer-Steuer

mak@muc.002.96.09:09

Verwaltungen sind seit je sehr einfallsreich, neue Steuerideen und neue Steueranlässe zu erfinden. Am beliebtesten sind dabei Steuern, die sich nicht leicht hinterziehen lassen, weil sie zu leicht zu überprüfen sind. (Nicht zuletzt daher ist die Mehrwertsteuer bei Finanzministern so beliebt.)

Am erfindungsreichsten in Sachen Steuern und Abgaben sind kommunale Behörden. Steuern für Vergnügen, für Bier, für Wasser etc., es gibt kaum ein Gut, daß im Lauf der Geschichte nicht besteuert worden wäre (und meist noch immer besteuert wird).

Irgendwann vor ein paar Hundert Jahren kamen die Gemeinden sogar auf die Idee, alle Fenster, die auf die Straße hinausgehen, je nach Größe mit einer Steuer zu belegen. Wer etwas Licht oder gar Sonnenschein in seiner Wohnung haben wollte, mußte dafür an die Stadt Steuern zahlen. Die Idee erschien bestechend: die Fenster waren einfach abzuzählen und die Größe, einmal vermessen, änderte sich nicht mehr.

Was die findigen Steuererfinder nicht bedachten, war die Steuerintelligenz ihrer Bürger. Die mauerten Fenster einfach zu, machten sie kleiner, und bei Neubauten verzichteten sie so oft wie möglich gänzlich auf Fenster zur Straße hin und bauten nach innen, zu den Höfe hin, wo sie dem Steuertreiben der Stadt entzogen waren. Diese Steueridee beeinflußte so über Jahrzehnte den Architekturstil etlicher europäischer Städte. Zum Negativen natürlich.

Warum dieser Exkurs in die Bau-Historie? Die Brüsseler Stadtverwaltung kam jetzt auf der Suche nach neuen Einnahmequellen auf die wunderbare Idee, künftig für jeden Computerbildschirm innerhalb ihrer Stadtgrenzen eine einheitliche Steuer von 40 Franc zu kassieren. Die Hoffnung der Brüsseler Magistraten ist, mit dem Siegeszug der Informatik eine munter sprudelnde, neue, moderne Eintragsquelle erschlossen zu haben. Allein die Bildschirme der vielen EU-Behörden versprechen sichere und stetig steigende Einnahmen…

Wahrscheinlich aber haben sie sich zu früh gefreut, die Stadtherren in Brüssel. Wahrscheinlich schaffen es sie nur, ihre Stadt von der informellen Entwicklung abzukapseln. Irgendwann werden in Brüssel nämlich aus Steuergründen durchschnittlich weniger Bildschirme stehen als anderswo. Das nämlich lehrt uns das Beispiel aus der Bau-Geschichte.

Telekom Gebührenerhöhung

mak@muc.003.96.10:52

Weltweit werden die Telefongebühren, vor allem für Ortsgebühren, billiger. In den USA sind Ortsgespräche meist sogar gratis. Trotzdem verdienen die Telefon-Firmen dort ihr Geld.

Nur in Deutschland ist das anders. Hier werden die Telefongebühren ausgerechnet im Ortsbereich teurer. Das mag für die Telekom sehr lukrativ und einträglich sein, aber das ist sicher zu kurz gedacht.

Zum einen macht sich die Telekom mit ihren Pannen, ihren schlecht verkauften Strategien und immer neuen finanziellen Ansprüchen ihren Markennamen kaputt. Wenn die Telekom nicht aufpaßt, hat sie nach der Deregulierung des Telekommunikationsmarktes 1998 ein ähnlich mieses Image wie es die AOK einst hatte: Man nimmt sie nur, wenn man muß. Hipper und angesagter sind alle anderen Anbieter.

Schlimmer noch, weil es alle Deutschen trifft, sind die Gebührenerhöhungen für den deutschen Online- und Internet-Markt. Nach den jetzt neuen Telefontarifen können sich nur sehr wenige User noch das Internet – und damit auch Europe Online – oder kommerzielle Online-Services leisten. Überall in der Welt, sind es aber vor allem junge und innovative Leute (mittlerweile geschätze 45 Millionen Menschen), die die Netze nutzen und mit Leben erfüllen. Sie aber schwimmen bekanntlich nicht im Geld.

Die Telekom droht so Deutschland vom Internet-Boom abzukoppeln und uns in ein paar Jahren, wenn sie nicht mehr alleine die Tarife bestimmt, als Netz-Analphabeten ohne Kompetenz und Knowhow in eine dann hoch entwickelte, digitale Welt und einen blühenden globalen Internet-Markt zu entlassen.

Die einzige Möglichkeit auf die Schnelle ist die Reduktion der Ortstarife. Zumindest für die meistgenutzten Nummern, also zum Beispiel die Einwählnummer beim jeweiligen Provider. Noch aber ist die Telekom dazu nicht bereit, obwohl solch eine Regelung technisch möglich wäre. Die Telekom glaubt noch immer nicht, daß durch eine vermehrte Nutzung ihrer Netze mehr Gewinn zu erzielen ist als durch hohe Preise.

Werbeagenturen schlafen

mak@muc.004.96.11:46

51 Prozent der amerikanischen Unternehmen, die eine eigene Web-Site anbieten, haben diese nicht in Zusammenarbeit mit ihren Werbeagenturen entwickelt, sondern mit spezialisierten Web-Agenturen. Das hat das amerikanische Marktforschungsinstitut Forrester Research ermittelt. Die traditionellen Werbeagenturen der USA haben hier offensichtlich einen Trend – und mögliche Zukunftsmärkte – verschlafen.

Es gibt noch keine vergleichbaren Zahlen in Deutschland. Aber hier ist die Situation für die Werbeagenturen wohl eher noch schlechter bestellt als in den USA. Die wenigsten großen Werbeagenturen haben überhaupt eine funktionierende E-Mail-Adresse, ganz zu schweigen eine eigene Website. Ausnahmen bestätigen die Regel. Z.B.: Springer & Jacoby oder .start. Eigene Kontakt-Web-Sites haben immerhin: BBDOScholz & Friends Berlin.

Hier besteht noch ein riesiger Nachholbedarf. Oder anders herum gesehen: eine riesige Marktchance für Newcomer und Web-Wizards mit kreativem und kaufmännischem Talent.

Warten auf das Internet

mak@muc.005.96.15:38

Ein sehr beliebter Scherz zu Zeiten des legendären österreichischen Bundeskanzlers Kreisky, der aufreizend langsam sprach, ging so: „Ansage der Radio-Sprecherin: Sie hören jetzt die Neujahrsansprache von Bundeskanzler Dr. Kurt Kreisy! In den Pausen zwischen den Worten hören sie die Wettervorhersage.“

Ähnlich geht es mir, wenn ich im Internet surfe. Die meiste Zeit hat man zu warten. Fragt sich, was man in der Zwischenzeit macht?

Die ganz effektiven Browseruser (Net-Yuppies) starten zwei oder drei Browser parallel, so daß in jeder Sekunde immer Daten geladen werden können. Man zappt dann einfach nur zwischen den einzelnen Browsern hin und her – und hat bei genügend Leitungsglück immer eine fertig aufgebaute Seite zur Verfügung.

Eine andere Internet-Warte-Technik ist eher literal (ideal für Intellektuelle). Ich kenne einen begeisterten Internet-User, der liest, während sich die Seiten aufbauen, ganzes Bücher aus. (Genauer gesagt sieht sich der Betreffene in den Lesepausen Websites an.) Eine, zur Textorientiertheit der meisten Internet-Inhalte sehr adäquate Methode.

Eine dritte, eher esoterisch angehauchte Methode der Pausenüberbrückung, ist die Meditation. Entweder öffnet man dazu eigene Grafikprogramme und sinniert darüber so lange, bis sich die gewünschte Website aufgebaut hat. Zweite Möglichkeit: man spezialisiert sich auf die Hypnotik der Browser-Protokolle. Man sieht, vielviel K in welcher Geschwindigkeit gerade in den Speicher schleichen. Bei der Vorstellung, welchen verschlungenen Weg die Daten im Netz gehabt haben könnten, öffnet sich der Kopf und Geist und vermittelt das Gefühl völliger Losgelöstheit. – Das Problem ist dann nur, wie man wieder in die Wirklichkeit zurückzufindet, wenn sich endlich die Seite fertig aufgebaut hat. Meist weiß man meist gar nicht mehr, warum man sie überhaupt aufgerufen hat… – oder wer man ist… oder warum man auf der Welt ist… oder warum die Welt ist… usw.usw.usw.

Online ist attraktiver als TV

mak@muc.006.96.00:08

Alle Userumfragen in den USA bestätigen den Trend, den ich unter den Menschen, die online sind, real beobachten konnte. Wer online ist, sieht weniger fern. Mindestens die Stunden, die man online vor dem Computerbildschirm sitzt, gehen von der Zeit vor dem TV-Bildschirm weg. Oft verliert sich der Reiz des Fernsehen völlig.

Ein guter Grund dafür ist die (Inter-)Aktivität der Online-Welt. Ich bekomme nicht mehr Medienkost vorgesetzt und kann bestenfalls per Fernbedienung zwischen den unterschiedlichsten Angeboten, die man alle nicht will, hin- und herzappen. In der Online-Welt kann ich selbst bestimmern, was ich haben will, wohin ich will – oder kann mich ganz freiwillig im Kosmos der Überinformation verlieren.

Es gibt aber noch ein zweites wichtiges Moment, das Online soviel attraktiver als TV macht. Online-Usage macht weit weniger aggressiv – und sie frustriert weit weniger. Der Grund nämlich, warum Fernseh-Konsum aggressiv macht, erklärt die Freiburger Professorin Hertha Sturm, die sich auf Rezeptionsforschung spezialisiert hat, folgendermaßen: „Nicht der Inhalt entscheidet. So hat man es beim Fernsehen fast immer mit ,fehlenden Halbsekunden‘ zu tun zwischen der Erwartung eines Ereignisses und dessen Eintreffen. In realen Situationen ist das anders: Auch in großer Hetze oder bei prekären Situationen gibt es meist noch winzige Zeitspannen für den Betroffenen, sich auf Kommendes einzustellen.“ (Zitat aus FAZ-Magazin vom 5.1.1996)

Wieviel Zeit hat man erst als Internet-User, sich auf Kommendes einzustellen. Erstens informiert normalerweise schon der Link, was einen nach dem Klick erwartet. Dann vergehen lange Sekunden, bis sich das Bild aufbaut. Und Bilder kommen sowieso erst Pixel um Pixel und Zeile um Zeile.

Online gibt es keine „fehlenden Halbsekunden“. Online offeriert oft genug freie Halbminuten. Schön zu wissen, daß das aktiv zur Friedfertigkeit der Online-User beiträgt.

Analoger Tag

mak@muc.007.96.11:22

„Und am siebten Tage sei analog“, sprach der Herr. Acht Stunden Kistenpacken, schleppen und auspacken. Umzug zweiter Teil.

Einzig digitaler Trost: Musik von der CD. Wieder ausgegraben: Neville Brothers, Yellow Moon.

Viel Feind, viel Ehr

mak@muc.008.96.08.19

49 verschiedene Internet-Newsletter zählt allein Yahoo in seiner Directory „News“ auf. Unter dem selben Stichwort findet Lycos sogar 18.896 Einträge. Das Internet, speziell das WWW, und mit ihm das gesamte publizistische und wirtschaftliche Ambiente boomt exorbitant. Es boomt ein wenig zu sehr, als daß es nicht Widerwillen auslösen würde.

Widerwillen bei der alteingesessenen Internetgemeinde, nicht nur weil die einstige Nestwärme dahin geht, sondern auch weil immer mehr kommerzielle und vor allem staatliche Einflüsse, von Ordnungspolitikern bzw. schlagzeilensüchtigen Politprofilanten spürbar werden. Die Anti-Porno-Posse, die die bayerische Staatsanwaltschaft im Zusammenspiel mit Compuserve veranstaltete, war bei uns schätzungsweise erst der Anfang.

Widerwillen gegen den Internet-Boom herrscht aber auch bei allen Internet-Analphabeten. Sie haben (berechtigte) Angst, daß sich hier eine Welt entwickelt, die sich ihrem Verständnis, ihrem Einfluß und ihrer Kontrolle entzieht. Diese Internet-Outsider vor allem werden es sein, die dieses Jahr dem Internet-Trend den Internet-Haß-Trend entgegenstellen werden.

Schon sind die ersten Vorboten dieses Gegen-Trends auszumachen. Die einen unken, daß das Internet innerhalb der nächsten Monate aufgrund von Überlastung zusammenbrechen werde. (Das wurde auch schon vor einem Jahr prognostiziert.) Die anderen beckmessern, daß im Internet kein Geld zu verdienen sei. Wie soll es das auch in einer Welt, die erst ein paar Monate alt ist und in der finanzielle Strukturen erst entwickelt werden müssen (e-cash etc.).

Es ist eine alte Weisheit aus der Trendforschung, daß alle Trends, die wirklich wichtig, wirklich kraftvoll und wirklich lebendig sind, immer Gegentrends verursacht. Und diese Gegentrends sind um so deutlicher, je stärker der auslösende Trend ist. – Auch so gesehen, ist das Internet also auch 1996 voll im Trend.

Wie sagt das Sprichwort? Viel Feind, viel Ehr.

Europe Online im TV

mak@muc.009.96.15.10

Pressemarathon. Ein Filmteam schon am morgen. Europe Online live wird portraitiert. Die gesamte Redaktion wird zu Akteuren. Frage: Ist das Leben und Arbeiten als Online-Redakteur spannend und dramatisch genug um eine Serie wie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ tragen zu können? Antwort: Nein. Wir sind einfach zu wenig naiv und skandälchenträchtig.

Dann die deutsche Computerpresse zum Pressegespräch. Interesse, Fragen, aber durchaus auch Wohlwollen. Mal sehen, ob das bis zum gedruckten Text anhält.

Solche Tage, an denen man Europe Online präsentieren muß/kann, sind sehr hilfreich. Sie geben einem die Chance, die Defizite klar auszumachen, aber auch das Erreichte deutlicher wertzuschätzen.

Zensur des Internet

mak@muc.010.96.11:58

Täglich kommen neue Nachrichten über die Ticker, wie gefährlich, verderbnisvoll und schlimm das Internet angeblich ist. Immer neue Ideen für Zensur im Internet entstehen. Die Diskussion über Pornografie bzw. Kinderpornografie (und die Überreaktion von Compuserve darauf) war nur der Anfang.

Die chinesische Regierung möchte alle politisch und gesellschaftlich unliebsamen Inhalte im Internet verbieten bzw. herausfiltern. Simon Wiesenthal möchte eine Selbstzensur des Internet gegen rassistische Inhalte. Der neue deutsche Justizminister schlägt eine freiwillige Selbstkontrolle des Internet vor usw. usw.

So genervt die Internet-Gemeinde auf solche Interventionen reagieren – und so verständlich solch Genervtheit ist – die Vorwürfe müssen ernst genommen werden. Sie sind letztendlich Ausdruck einer tiefgreifenden Verunsicherung und grundsätzlicher Mißverständnisse.

Der Boom von Zensur-Ideen hat viele Gründe:

  1. Politiker und andere um Aufmerksamkeit bemühte Personen des öffentlichen Lebens geben sich gerne als modern, indem sie übers Internet mitreden.
  2. Die meisten von ihnen haben aber leider keinerlei Ahnung vom Internet, waren wohl auch kaum je online.
  3. Diese fremde Welt macht aber solchen Menschen Angst, sie haben kein Gefühl dafür, aber vor allem haben sie keinen Einfluß darauf. Die einzige Art, Einfluß zu nehmen – und wieder Einfluß zu bekommen, wären Verbote und Einschränkungen.
  4. Grundmißverständnis aller Internet-Outsider ist die Rezeption des Internet als neues Medium wie es Zeitungen, Zeitschriften, Radio oder TV sind. Daher die Idee, Inhalte zu zensieren. Das kann man bei Medien-Inhalten versuchen. Sollte es natürlich nie.

Das Internet ist aber eben weit mehr als ein Medium. Es ist ein Treffpunkt, ein Kommunikationstool (wie z.B. auch das Telefon), ein Marktplatz, eine virtuelle Welt. Welten aber kann man nicht mit Zensur in den Griff bekommen. Daran sind selbst die repressivsten politischen Systeme oder Ideologien gescheitert.

Warum aber sollte solch eine neue, virtuelle Welt in irgendeiner Weise „besser“, heiler, sauberer oder netter sein als die reale Welt? (Diese Einsicht geht sogar manchem Internet-Afficionado ab, der sich seine nonkommerzielle, intime, abgeschiedene Internet-Welt anno 1994 zurückwünscht.) Die Online-Welt hat dieselben Abgründe, dieselben Widersprüche, Probleme wie die reale Welt, nur eben in digitaler Form. Und es braucht genausoviel „kriminelle Energie“ in dieser Welt Abseitigkeiten und Perversionen aufzustöbern wie in der realen Welt, vielleicht sogar ein bißchen mehr, nämlich einiges technisches Knowhow und sehr viel reale Geduld.

Argumente aber helfen gegen solche Vorurteile gegen das Internet wenig. Es hilft nur, möglichst bald möglichst viele und möglichst viele gesellschaftliche Multiplikatoren in der Online-Welt heimisch zu machen.

Information, Exchange und Entertainment

mak@muc.011.96.11:27

Über die Zukunft des Internets gibt es inzwischen eine Menge Artikel in den (meist amerikanischen) Internet-Fachzeitschriften. Es gibt sogar schon einige Bücher, die sich mit dem Thema beschäftigen. Die beste Auseinandersetzung mit der Zukunft des Web, strukturell, inhaltlich wie technisch, ist – natürlich – im Internet selbst zu finden.

Auf der sowieso schon sehr empfehlenswerten Site von David Siegel (z.B. mit interessanten Webangeboten speziell für Frauen!) hat Siegel einen sehr interessanten, sehr langen und tiefgreifenden Artikel über den gegenwärtigen Zustand des Netzes und seine absehbare/mögliche Entwicklung geschrieben. Der Titel des Web-Essays „The Balkanization of the Web klingt pessimistischer und chaotischer als der Titel droht.

Die Grundthese von David Siegel lautet, daß das Netz drei zentrale Bereiche bedient:

  1. Information – was bei Europe Online in den News und den Magazinen geboten wird
  2. Exchange – wir nennen es bei Europe Online: „Services“, die bald Transactions, Online-Banking und Online-Shopping etc. bieten werden
  3. Entertainment – hier ist interaktives Entertainment incl. der Chat- und Foren-Kommunikation zu subsummieren.

Die „Balkanisierung des Web“, von der Siegel schreibt, hat nichts mit Krieg und Krise zu tun, sondern mit dem überproportionalen Wachstum von vor allem „Entertainment“ (also Chat & Games & Applets etc.) und auch von „Exchange“ (dem Online-Marktplatz). Das führt zu einem sehr großen, bunten Marktplatz mit viel Kurzweil und Unterhaltungsangeboten. Und dafür stand schließlich einst der Begriff „Balkan“, bevor er zu einem Synonym für Krieg und Brudermord wurde.

Wen die technischen Zukunftsoptionen des Web und seiner Technologieträger (Netscape, MS Explorer, HTML 3.0) interessieren, auch der wird in dem Essay – unter dem Kapitel „Future of Information“ – optimal bedient.

Hier findet sich auch eine sehr intelligente Auseinandersetzung mit Netscape 2.0, dem Browser, den Europe Online als Basis-Software gewählt hat. Die Vorteile und positiven Perspektiven von Netscape 2.0 sind hier optimal geschildert, aber ebenso sind auch die noch nötigen Weiterentwicklungen, die Netscape machen sollte erwähnt.

Man sollte sich viel Zeit nehmen, um David Siegels Web-Essay zu lesen – und sich damit auseinanderzusetzen. Aber diese Investition lohnt sich!

Besuch aus Bonn

mak@muc012.96.12:44

Besuch aus Bonn. Dr. Martin Mayer, Bundestagsabgeordneter (CSU) und Berichterstatter der CDU/CSU-Fraktion für Fragen der Informations- und Kommunikationstechnologien und Mitglied der gleichnamigen Enquéte-Kommission möchte sich informieren, „durch welche Maßnahmen des Bundes Behinderungen bei der Einrichtung von Online-Diensten beseitigt werden können.“

Passend zu dieser löblichen Absicht verkündet Forschungsminister Rütgers, daß er durch die neuen, überhohen Ortstarife für den deutschen Kommunikations- und Online-Markt deutliche Nachteile sieht. Er befürchtet, daß Deutschland durch so bei dieser Zukunftstechnologie ins Hintertreffen gerät.

Dr. Mayer ist einer der angenehmen Menschen, der wirklich etwas wissen will, der seine Informationsdefizite offen einräumt – aber eben beseitigen will. Wir stellen Europe Online vor, machen einen kleinen Exkurs ins Internet, schildern die Probleme mit der Telekom, vergleichen die Situationen in den verschiedenen Ländern, streifen alle (uns) wichtigen Themen. Es ist ein ungewohntes Gefühl, daß die Politik von sich aus aktiv wird und vor Ort die Situation recherchiert. Ein angenehmes Gefühl.

Natürlich bleibt die Diskussion um Zensur und Kontrollmaßnahmen im Internet nicht aus. Unser Vorschlag an Dr. Mayer: Statt Ordnungsmaßnahmen und Zensur, statt Schließung von Newsgrous und Bann von Websites sollten sich möglichst schnell die Ordnungsbehörden – wie alle Ämter und staatlichen Institutionen überhaupt – in die neue Online-Welt integrieren und dort kompetent im Netz selbst aktiv werden.

Mir ist lieber, Kriminelle (wie Terroristen, Dealer oder Kinderporno-Vertreiber) werden in den Netzen verfolgt und in der realen Welt abgeurteilt, als daß ganze Teile des Netzes ausgefiltert oder gebannt werden. Wir sperren in unseren Städten ja auch nicht ganze Stadtviertel ab, in denen Sex, Drogen und Kriminalität überproportional vertreten sind. Eine gut eingesetzte Polizei sorgt in solchen Gegenden, daß die Geschäfte nicht zu gut laufen und die wirklich dicken Fische gefangen werden, ehe sie zu großes Unheil anrichten können. Das sollte im Net nicht anders sein wie im richtigen Leben.

Golden Eye

mak@muc013.96.23:24

Endlich Zeit gefunden „Golden Eye“ zu sehen. Irgendwie habe ich mir nach den positiven Kritiken mehr erwartet. Aber vielleicht ist es wie bei jedem Bond: aktuell sind sie in ihrer Anbiederung an den Zeitgeist immer ein wenig peinlich. Erst Jahre später sind Bond-Filme als Zeitdokumente nett-nostalgische Reminiszenzen.

Besonders kurios die Figur des Internet-Hackers: skrupellos, da doof und autistisch. Besonders unglaubwürdig: die Arbeitsplatzbeschreibung. Kein Hacker würde je einen so offen einsehbaren Arbeitsplatz und solch dumme Codewörter wählen. Selbst russische Hacker im Sold von Mafiosi nicht.

Telekom als Sonntagsthema

mak@muc014.96.14:22

Wieder einmal Sonntagsdienst. Der Streifzug durch die Nachrichtendienste bringt jeden Tag mehr News zur Online-Welt. Sicherster News-Provider zur Zeit: die Telekom. Heute mit dem Skandal, den sowieso schon geschröpften T-Online-Usern doppelt die Mehrwertsteuer berechnet zu haben. Zweite News: Compuserve beklagt sich auf einer Pressekonferenz, die Telekom würde durch ihre Tarife den Internet- und Online-Boom in Deutschland erfolgreich verhindern. – Dem ist nichts hinzuzufügen.

Auf der Suche nach dem Patentrezept

mak@muc015.96.14:55

„Ich half neue Produkte zu kreieren, für die es keine Modelle und keine Vorgeschichte gab. Jeden Tag standen neue Themen an, für die es keine Vorbilder gab, an die man sich hätte halten können oder die einem die Entscheidung leichter gemacht hätten.“ So beschreibt Walter Isaacson, der neue Chefredakteur von „Time“, in seiner ersten Kolumne sehr eindrucksvoll seine letzten zwei Jahre, in der er für Time Inc. Internet-Services wie Pathfinder aufgebaut hatte.

In genau derselben Situation befindet sich Europe Online jeden Tag. Immer neue Entscheidungen wollen getroffen werden, sollen neue Ideen umgesetzt werden, und nie weiß man wie. Jeder hat nur seine Vermutungen, wie es gehen könnte und wie man erfolgreich sein könnte. – Um so leichter ist der Umgang mit Menschen, die auch im Internet Erfahrungen gesammelt haben. Jeder weiß, daß auch der andere kein Patentrezept hat und entsprechend geht man sehr rücksichtsvoll und tolerant miteinander um.

Deshalb stimmt auch eine zweite Beobachtung von Walter Isaacson: „Die Leute, die technischen Neuerungen, das Business, die gesamte Onlinewelt ist faszinierend. Sie alle haben die Macht, unsere Kultur zu beeinflussen und zu verändern wie seit Erfindung des Fernsehens nicht mehr.“

Start von Focus Online

mak@muc016.96.22:17

Burda-Online-Aktivitäten geballt. Nach Europe Online starten heute offziell die Reise- und Freizeit-Line „Traxx“, „Uni-Online“ und am 18. Januar dann auch „Focus Online“. Der Health Online Service, ein geschlossener Online-Service für Ärzte folgt Ende Februar.

Zur Pressekonferenz heute mittag, in der sich all diese neuen Services vorstellten, kommen massenhaft KollegInnen von der Presse. Sie zeigen sich sehr interessiert, teilweise sogar beeindruckt. Das war nicht immer so. Das Klima in Kollegenkreisen hat sich seit neuestem deutlich verändert, zum Besseren.

Das ganze Jahr 1995 über schwankte die Reaktion zwischen Anfeindungen oder ängstlichem Nachfragen, ob die Online-Dienste nicht bald alle Journalisten-Arbeitsplätze vernichten würden – das Gegenteil ist der Fall. Online-Services, und die Burda-Lines sind das beste Beispiel dafür, schaffen massenweise neue Arbeitsplätze. Zusammen sind es von Burda allein in München ca. 40 feste Arbeitsplätze für Journalisten, Jobs für freie Mitarbeiter kommen dazu.

Vor allem aber hat die tägliche Realität im Netz, die Möglichkeit, sich die Services der Online-Dienste anzuschauen, viele Vorurteile abgebaut. Journalisten und andere Online-Tester – und wenn sie nur aus Neugier ins Netz gehen – fangen fast unweigerlich Feuer für dieses Medium, wenn sie erst einmal Berührungsngste abgebaut haben und erleben, wie wenig technisches Knowhow man braucht, um in locker im Internet zu navigieren. Fast jeder mit dem Mindestmaß an Neugier und Fernweh, der sich erst einmal eine Stunde lang in der Online-Welt getummelt hat, ist unweigerlich und unumkehrbar für diese Welt gewonnen.

Die Flut der Informationen

mak@muc017.96.15:12

Fundstelle: „Spiegel“. Zur Titelstory über die Antimaterie (?!?) gibt es auch ein Interview mit der Science-fiction-Legende Stanislaw Lem. Der Altmeister der Zukunfts-Visionen reagiert völlig unaufgeregt auf die Vision von Antimaterie, ihm dräut Schlimmeres: „Ich fürchte das Internet, das für mich die wahre Sintflut darstellt, mehr als die Antimaterie.“ Er erklärt auch seine Angst: „Wir leben in einer Flut von Informationen und sind doch im Grunde kaum anders als vor 100.000 Jahren, als wir noch in unseren Höhlen hockten.“

Diese Angst des sonst so abgeklärten Lem überrascht. Ist es die Furcht vor der Box der Pandora? Graust ihn davor, daß Visionen seiner Bücher (und der von Kollegen) tatsächlich Wirklichkeit werden? Und warum traut er uns Menschen so wenig zu? Ist er ein zu literaler Mensch, als daß er sich ein angenehmes Leben quasi als Nußschale in der Informationsflut vorstellen kann?

Apropos: So schief und verhängnisvoll das Bild vom „Information-Highway“ ist, so unreflektiert wird der Begriff der „Informationsflut“ inflationiert. Der Begriff „Information-Highway“ ist nicht zufällig vom US-Vize-Präsident Al Gore geprägt worden. Dessen Vater war einst Minister für Straßenbau und deshalb faszinieren seinen Sohn eher die verbindende Qualität von (Überland-)Straßen (= Leitungen) anstatt der kommunikativen Qualität urbaner Zonen, Locations oder Marktplätzen, die der Wirklichkeit des Internet viel näher kommen.

Der Begriff „Informationsflut“ ist ähnlich irreführend. Die Masse an verfügbarer Informationen, die da stets zur Flut (ein absichtlich negatives Bild) emporstilisiert wird, war doch eigentlich schon immer latent in dieser Welt vorhanden. Wir Menschen können nur immer schneller immer mehr von diesen Informationen entschlüsseln, verstehen und verbreiten. Seien sie Atommodelle, Formeln, Gen-Codes, Ideen, Visionen, Meinungen oder Erkenntnisse…

Vor allem aber repräsentiert der Begriff „Informationsflut“ und der dahinter verborgene Vorwurf, dadurch werde die Welt unübersichtlich und unbeherrschbar, nur den Grundirrtum, es gebe feste Wahrheiten und eherne Prinzipien. Das war ein Irrtum einer vergangenen Kulturepoche, die Komplexheit fürchtete, nicht zu letzt, weil lineare, einfache Welten besser beherrschbar sind, ideell wie machtpolitisch.

Es gibt in der Welt keine aber Wahrheiten, sondern nur evolutionäre Prozesse, die Masse zur Norm (auch Wahrheit genannt) macht, aber nichts notwendiger zu seiner Fortentwicklung braucht als die Ausnahme (alias: Abweichung, Perversion), um den (über)lebensnotwendigen evolutionären Prozeß fortzutreiben.

Zurück zu Stanislaw Lem. Sein Einwurf, wir wären heute nicht sehr viel weiter als vor 100.000 Jahren, verrät eine tiefe Unkenntnis des Internet und seiner Alltags-Normalität: richtig ist, daß sich viele Parameter menschlicher Bedürfnisse und menschlicher Reaktionen – positive wie negative – wirklich seit Jahrhunderten oder Jahrtausenden nicht geändert haben: Liebe, Neugier, Ehrgeiz, Freundschaften, Mitteilungsbedürfnis, Neid, Kommunikation, Schadenfreude, Hilfsbedürfnis, Geborgenheit etc. etc. sie alle sind unabänderliche, menschliche Grundbedürfnisse. Das ist aber online in keinster Weise anders. Das alles gibt es auch in der globalen Welt des Internet. Und das ist gut so, daß es so ist. Nur schade, daß das Stanislaw Lem noch nicht erlebt zu haben scheint.

Lob und Komplimente

mak@muc018.96.15:30

Liebe deine Leser wie ich selbst! Diese Maxime hat mir einmal ein Blattmacher nahegelegt. Leider ein Mensch, der fatalerweise zu Selbsthaß neigte. Trotzdem ist dieses Motto sicherlich richtig, ein gesundes emotionales Verhältnis zu sich selbst vorausgesetzt. Nur muß es heute eben „User“ statt „Leser“ heißen.

Das gute Verhältnis zu den Usern von Europe Online wird mir sehr leicht gemacht. In meiner Mail finden sich fast täglich positive Anmerkungen zu EOL. Viel Lob, viel Ermunterung, viel Staunen, viel Anerkennung – und natürlich auch etliche gute Anregungen und Verbesserungsvorschläge.

Neben dieser sehr persönlichen positiven Reaktionen freuen uns bei Europe Online aber auch die ersten Ergebnisse der User-Befragung, die die Burda Medien Forschung für uns durchgeführt hat. Die User von Europe Online sind nach diesen Daten eine extrem interessierte, aufgeschlossene Gruppe. Sie sind hoch gebildet, umfassend interessiert, sie lesen viel, sind viel unterwegs, unternehmen viel etc… – Aber was erzähle ich viel? Die Ergebnisse sind für jedermann komplett im Internet nachzulesen, auf der Website der Burda Medien Forschung.

Ich möchte auch Sie herzlich einladen, an der User-Umfrage selbst teilzunehmen. Es gibt sogar etwas zu gewinnen: Telefonkarten. Der folgende Link führt direkt zum Fragebogen.

Geschlossene Online-Dienste

mak@muc019.96.15:41

„Die Popularität des Internet droht die Online-Dienste überflüssig zu machen“, so titelt das „Wall Street Journal“ vom 18. Januar. In dem spaltenlangen Artikel wird das Internet als die große Gefahr der proprietären Online-Dienste wie AOL, Compuserve, Prodigy oder GenIE beschrieben. Motto: Das Internet frißt ihr Kinder.

Alle proprietären Dienste, die im Gegensatz zu Europe Online ein technisch eigenständiges, zum Internet abgeschlossenes System haben, laufen zur Zeit zum einen die User weg. Sie wollen statt der kleinen, beschränkten Welt der Online-Dienste lieber das große Internet erleben – und dafür auch lieber optimale Browser wie Netscape 2.0 statt des dürftigen AOL-Browsers oder des technisch limitierten Mosaic-Browsers von Compuserve nutzen. Das Wall Street Journal zitiert in dem Zusammenhang einen enttäuschten AOL-User: „AOL is like the Internet on training wheels“ (AOL ist wie ein Internet mit Stützrädern.)

Auf der anderen Seite laufen den abgeschlossenen Online-Diensten auch die Content-Provider davon, die ihnen die Inhalte stellen. Immer mehr von ihnen bauen eigene Websites auf, weil sie so von allen Internet-Nutzern zu erreichen sind, weil sie so direkten Kontakt zu Usern bekommen und selbst Erfahrung im Internet machen können. Oft kündigen sie jetzt, kaum steht ihre eigene Website, ihren Vertrag mit AOL, Compuserve oder Prodigy.

Solche Artikel wie jetzt im renommierten Wall Street Journal bestätigen den Entschluß von Europe Online als Online-Service offen auf dem Internet – und mit dem Internet-Browser Netscape 2.0 gestartet zu sein. Wir kennen keine „Stützräder“. Wir sind kein geschlossenes System, wir sind voll ins Internet integriert und bieten doch den einzigen Vorteil, den proprietäre Dienste noch haben, die Navigation durch Online- und Internet-Inhalte.

Man kann von uns dank unserer Navigationsleiste unten auf den Seiten und unserem Inhalts-Index links auf jeder Seite im Internet nicht verloren gehen, auch wenn man mit den von der Redaktion ausgewählten (und getesteten) Links in den Artikeln themenbezogen und tagesaktuell quer durchs Internet surft.

Der Artikel im Wall Street Journal schließt mit der netten Episode, daß sich ein fester Online-Zirkel mit dem Namen „Freunde von America Online“ heute nicht mehr in den Chaträumen von AOL, sondern auf eigenen Websites trifft. Alle Mitglieder haben längst komplett AOL gekündigt. Ein Mitglied des Zirkels, Mimi Kahn aus Oakland, wird mit den Worten zitiert. „Wir sind einfach den Kinderschuhen entwachsen.“

Musikbusiness am Computer

mak@muc020.96.11:30

Raumschiff-Party des Musik-Express in den Originaldekorationen der Bavaria von „Enemy Mine“. Erstklassiges Catering. Die Säfte schmecken besser als die Alkoholika. Da macht es richtig Spaß, einen klaren Kopf zu behalten.

Die alljährliche Feier des ME ist die willkommene Gelegenheit der Musik-Branche sich Anfang des Jahres wieder einmal zu sehen. Das übliche Ritual: Wiedersehensfreude, routinemäßiges Fragen nach dem werten Befinden, Job-Check (bist du noch bei…) und ein klein wenig Klatsch (hast du schon gehört…?). Und dann vereinbart man: „Wir müssen demnächst mal unbedingt länger telefonieren!“ – was man dann doch nicht tut, um sich es beim nächsten Treffen z.B auf der PopKomm in Köln (16. – 18.8.1996) wieder vorzunehmen.

Bei den Gesprächen überrascht, wie weit die Musikszene die Online-Welt schon als Selbstverständlichkeit sieht. Jeder hat seine Website oder entwickelt eine. Die Konzernmütter in den USA sind zwar oft schon weiter, aber man ist dran mitzuhalten.

Aber selbst in dieser für deutsche Verhältnisse extrem weit entwickelten Online-Kompetenz wird man schmerzhaft daran erinnert, wie wenig Begriffe wie „online“, „Modem“, „Chat“ etc. in der „normalen“ Bevölkerung verbreitet sind. Gerade das Modewort „Internet“ ist bekannt, kann aber meist nur sehr unpräzise zugeordnet werden.

Eine Anekdote dazu: Fragt ein altgedienter PR-Mann: „Und wo bist Du jetzt?“ Bei Europe Online. Nachfrage: „Wie heißt die Zeitung?“ Und selbst nach der dritten Erklärung, was online sei, die Frage: „Ja und wann kommt ihr dann an den Kiosk?“ Erst nach weiteren Erklärversuchen dräut ihm: „Ah, dann ist das sowas mit Mail? Das muß ich jetzt auch. Es ist furchtbar. Ich hasse Computer!“

Es ist leicht, sich über solche Episoden zu amüsieren. Es ist ganz einfach die Realität der breiten Mehrheit. Eine Realität, die man sich immer wieder vor Augen halten muß, wenn man seinen Alltag im Net verbringt!

Offline

mak@muc021.96.21:12

Abgeschnitten von der Außenwelt. Ausgesperrt von der Online-Welt. In der neuen Wohnung ist noch kein Telefonanschluß gelegt. Man muß wie einst zur Telefonzelle um die Ecke.

Die positive Nebenerscheinung: Freunde kommen einfach vorbei, statt vorher anzurufen und zu fragen ob es recht wäre. Das führt zu der kuriosen Situation, daß man für Freunde noch mal aus dem Nachtgewand hüpft und statt wie geplant mal ganz lange zu schlafen bis in die tiefe Nacht weiterklönt.

Fragt sich, wie sich solch herrliche Spontaneität erhalten läßt, wenn das Telefon demnächst funktioniert.

Spielräume statt Enge

mak@muc022.96.17:14

„Multimedia kann ganz entscheidend dazu beitragen, die Vision vom umweltverträglichen Wachstum weltweit Realität werden zu lassen!“

„Euphorische Prognosen über Millionen zusätzlicher Arbeitsplätze durch Multimedia sind bisher reine Spekulation und durch nichts begründet.“ Anscheinend gehört es sich für ein Gutachten für die Friedrich-Ebert-Stiftung der SPD, daß erst einmal tüchtig geunkt wird. Ich weiß nicht, wer Millionen von Arbeitsplätzen im Multimedia-Bereich prognostiziert hat und für welchen Zeitraum, Uwe Koch, ehemaliger Wirtschaftsminister von Schleswig-Holstein und Verfasser des Gutachtens mit dem Titel „Multimedia im ISDN-Zeitalter“ warnt jedenfalls vor großen Erwartungen an die Multimedia-Industrie. – Nun ja, man wird sehen.

Es ist bezeichnend, wie distanziert und unbegeistert in Deutschland der Einstieg in die Multimedia- und Online-Welt gewagt wird. Weltweit, in den USA, in Großbritannien, in Japan oder sogar in Indien werden – zugegeben teilweise zu euphorisch – die neuen Möglichkeiten des Internet und seiner globalen Kommunikation betont und wertgeschätzt. Neue Freiräume, neue Optionen, neue Synergien, neue Denkanstöße, neue Kommunikationsmöglichkeiten, neue Märkte, neue Ideen, neue Ästhetik, neue Medien, neue künstlerische Möglichkeiten… all das und viel mehr sind die Faszinosa, die anderswo im Internet entdeckt und genossen und kommuniziert werden.

Nicht so bei uns. Hier wird lieber geunkt und es werden vorzugsweise die – zugegeben – finsteren Seiten der Internet-Welt betont. Das führt zu der kuriosen Situation, daß wir im Atemzug mit dem undemokratischen, autoritativen China mit Attributen wie Zensur, Verboten und Restriktionen assoziiert werden. Wie wenig lebensfroh und zukunftsbereit muß unser Deutschland so nach außen hin wirken.

Bezeichnend auch, wie Uwe Koch in seinem Gutachten dann doch noch positive Seiten der Multimedia-Welt entdeckt: in der in Deutschland so beliebten Ökologie: „Multimedia kann ganz entscheidend dazu beitragen, die Vision vom umweltverträglichen Wachstum weltweit Realität werden zu lassen!“ Nicht die mediale und mentale Öffnung ist also ein Argument für Multimedia in Deutschland, sondern die ökologische Verträglichkeit: Multimedia trägt zur effizienteren Nutzung knapper Resourcen bei und erhöht gleichzeitig dir volkswirtschaftlichen Spielräume für umweltverträgliches Wachstum.“, schreibt Uwe Koch.

Mir sind andere – kreative, freie und gerne auch verrückte – Spielräume weit wichtiger! Gerade in Deutschland!

Spiel-Sucht

mak@muc023.96.22:34

Gestern nacht ereilte mich wieder einmal ein Rückfall in die Sim City-Spielsucht. Eigentlich wollte ich das Spiel nur einmal schnell einem Freund vorführen. Daraus wurde dann doch wieder eine größere Sim-Village – in mehreren Stunden Spieldauer.

Sim City ist ein solch suchtbildendes und erfolgreiches Spiel, weil anscheinend das Planen, Entwerfen, Bauen und Vernetzen zu Siedlungsgebilden eines der ältesten und tiefst verwurzelten Bedürfnisse von Menschen (von Männern?). Vielleicht prägt uns hier noch immer frühgeschichtliche Erfahrung, als der Homo sapiens begann seßhaft zu werden, und statt in Höhlen etc. unterzuschlüpfen Behausungen plante und baute. Das Erfolgserlebnis, so besser vor Wind und Wetter geschützt zu sein und vielleicht auch die soziale Nähe, die die sich – niedergelassen – schnell entwickelte, könnten sich uns bis heute positiv in tiefste Bewußtseinsstrukturen eingraviert haben.

Wie anders erklärt sich das Faszinosum, das sich in der großen Welt des Web auch sofort, vom ersten Moment an, massenhaft virtuelle Stadt- und Gemeinwesen entwickelt haben. Auch hier scheint das Bedürfnis virtuelle Landschaften urbar zu machen, Städte und Gemeinden als sozialer Raum zu gründen vorzuherrschen. Nur ein paar Beispiele aus dem reichen Angebot: Netville, Cybertown, Cityscape, diverse Cyber Citys, diverse Virtual Citys etc. Dazu kommen Massen von Cyber-Malls, Strips, Straßen und Avenuen. Stadt- und Straßensymbole sind das Markenzeichen der meisten Websites.

Das alles wirkt auf den ersten Blick nicht sehr phantasievoll. Es ist aber verständlich, daß man am Anfang einer völlig neuen, (medien-)revolutionären Entwicklung wie das Web auf bekannte Assoziationen aus dem Alltagsleben zurückgreift. Man tut sich so leichter, das Neue zu wagen. Daher die assoziative Nähe von so vielen Websites zu Städten, Gemeinden, Malls etc.

Sieht man die Entwicklung neuerer Websites, dann läßt diese Manier aber langsam nach. Man wagt immer neue grafische Experimente, immer gewagtere Navigationsprinzipien. Ich denke bald schon wird man die allzuvertrauten, alltägliche Assoziationen immer mehr ablegen und eine eigene Ästhetik des Web gründen.

Die Cybercities (s.o.) werden deshalb nicht zu Geisterstädten werden. Sie werden Heimstatt von Webneulingen werden, die sich im vertrauten Ambiente leichter in die für sie noch fremde und vielleicht ein wenig beängstigende Welt eingewöhnen werden können.

Hot 100

mak@muc024.96.10:42

Kann man sich eine erfreulichere Mail am Morgen vorstellen als solch eine:

Date: Tue, 23 Jan 1996 23:28:54 -0800
From: murrayb@web21.com (Murray Bent)
To: Michael_Konitzer@eod.de
Subject: Hot100 places europenonline at #26

hi

nice work! we placed http://www.europeonline.com at #26 on the Hot100
in the US for Jan 21 1996: 

imagine the place when we do a europe Hot100 !

we’ll let you know the location when we start this series,
shortly.

please contact us for any information, or give feedback to
make the results more useful and compelling.

Thanks!
murrayb@web21.com

Danke für soviel Lob und Anerkennung! Platz 26, vor uns nur Web-Ikonen wie YahooPathfinderSun oder espnet (sowie Playboy und Penthouse), das ist ein größeres Kompliment als wir je gehofft haben – und vielleicht zur Zeit verdient haben. Daß Europe Online vor Hotwiredzdnetinfi.net oder Macromedia rangieren, kann nur der Reiz des Neuen erkläen, den wir als neue, große europäischer Online-Service repräsentieren.

Ich denke, wir müssen noch eine Menge tun, eine Menge verbessern und dazulernen, um solch ein tolles Ranking halten oder gar verbessern zun können.

Wir planen bereits eine Menge inhaltliche und strukturelle Verbesserungen und Neuerungen und vor allem Maßnahmen zu einer besseren und schnelleren Performance von Europe Online. – Stay tuned!

Kritik und Kompetenz

mak@muc025.96.10:11

So ist das in einem jungen Markt mit einem jungen Produkt. Den einen Tag bekommt man (wohlgemerkt innerhalb der Web-Community!) Komplimente, den nächsten Tag wird man abgewatscht: Diesmal von der deutschen Presse, in diesem Fall von der „Woche“.

Das Problem ist, daß man kompetente Kritik ja gut gebrauchen könnte. Es gibt, wie an dieser Stelle schon oft beschworen, wirklich noch viel bei Europe Online zu verbessern. Um so mehr ärgert und verletzt inkompetente und dilettantische Kritik.

Die Ärgerlichkeit beginnt damit, daß eine völlig falsche, überholte Frontpage von Europe Online den Artikel bebildert. Es ist ein Bild aus Interchange-Zeiten (der Browsersoftware, mit der wir bis Oktober 1995 arbeiteten), noch dazu in englischer Sprache. Scheinbar hat in der Redaktion der Woche noch keiner Europe Online wirklich selbst gesehen.

Fragt sich, ob selbst der Autor des Artikels überhaupt Europe Online je in Ausführlichkeit gesehen hat. Jede inhaltliche Kritik bezieht sich nur auf ganz wenige Seiten, vor allem auf solche, die man mit einem 1.2-Browser von Netscape oder Mosaic sehen kann. Und das sind, wie EO-User wissen, nur wenige Seiten. (Wir arbeiten daran, daß wir auch für andere Browser besser lesbar werden!) Entsprechend krude ist das Ergebnis dieser Kritik.
Absurder Höhepunkt der Mäkelei: EO wird vorgeworfen, keine Links auf Focus-Online zu setzen. Der Artikel scheint deutlich vor dem Start von Focus Online geschrieben worden zu sein, denn auf Focus Online verlinken wir seit der ersten Minute, in der dieser interessante und informative Service freigeschaltet wurde.

Mangels eigener Eindrücke von Europe Online wird ausgiebig der Artikel des kleinen Branchendienstes „Internet-Report“ zitiert. Der „Internet-Report“ favorisiert entgegen seinem Titel bewußt proprietäre Online-Dienste (vor allem AOL) gegenüber Internet-Services.

Der Artikel im „Internet-Report“ formulierte zwei Tage nach dem Start von Europe Online herbe Kritik an uns. Teilweise zurecht, weil damals wirklich einiges noch nicht so funktionierte, wie es sollte. Teilweise zu unrecht, weil auch der Verfasser dieser Zeilen offensichtlich nicht Netscape 2.0 benutzt hatte und daher nur die wenigsten Seiten sehen konnte. (Kuriosum am Rande: die dort beanstandeten und jetzt in der Woche zitierten „massenweisen Tippfehler“ werden mit dem Beispiel „Compute“ belegt. Leider heißt unser Computer-Magazin nun mal so, bewußt ohne „R“ geschrieben. Kein Tippfehler, sondern Zitat des Verbums „to compute“.)

Schade, daß die Kritik der Woche so wenig hilfreich ist. Uns nützt Kritik, die existierende Mängel konkret anspricht, nicht Stimmungsmache. Wir unterstellen aber nicht bösen Willen, sondern eher Mißbehagen gegenüber dem neuen Medium „Online“. (AOL kommt ja auch nicht so gut weg.)

Vielleicht können die neuesten Zahlen von regelmäßigen Internet-Usern in den USA das Unbehagen der Zeitschriftenkollegen besänftigen: Auf die Frage, welch andere Freizeitbeschäftigung sie zugunsten von Online einschränken, geben 52 Prozent Fernsehkonsum an, 36 Prozent spielen weniger Computerspiele, 18 Prozent schlafen weniger und nur 12 Prozent lesen weniger. (12 Prozent treffen seltener Freunde, 11 Prozent arbeiten/lernen weniger.)

Keine Angst also, das Internet nimmt keine Leser. Im Gegenteil. Bei unser User-Befragung steht Zeitschriften-Konsum (68%) und das Lesen von Zeitungen (66%) auf Platz zwei und drei der liebsten Freizeitbeschäftigung.

Internetsite des Monats

mak@muc026.96.15:42

Die Fahrstuhlfahrt zwischen Lob und Verriß für Europe Online geht weiter. Nach dem Tiefschlag der „Woche“ gestern heute wieder dicke Komplimente.

Auf der Internetseite von „Tempo“ sind wir zur „Internet-Site“ des Monats erklärt worden. Das macht den Frust und die Verletzungen von gestern mehr als wett. Nicht nur, weil es uns wichtig ist, in jungen Zielgruppen anzukommen, sondern weil auch der Artikel wirklich kompetent und realistisch ist. Und dabei eben nicht unkritisch.

Zitate: „Durch das bunte World Wide Web ist das Internet zum Neuland der Wirtschaft geworden, und Europe Online zeigt dem Rest der Welt, wie man es erobert.“

„Ein Redaktionsapparat, der ein komplettes Nachrichtenmagazin produzieren könnte, bietet auf EOL eine Datenmenge, die den Dienst zum weltgrößten Web-Anbieter macht – 3000 Seiten gingen an den Start. (…) Drei verschiedene Sprachen sind vertreten, alles auf Europa zugeschnitten: Im überamerikanisierten Cyberspace war das überfällig.“

„Das Design von EOL ist gehalten in der biederen Shopping-Mall-Ästhetik, die von CNN bis Focus alle neuen Medien bestimmt, aber hier geht es um Nutzwert für die Massen, und den hat EOL erreicht. Layout und Vernetzung sind leicht verständlich und nutzen die Möglichkeiten des Netscape 2.0 Browsers, eine Seite in mehrere Rahmen aufzuteilen.“

„Das Angebot ist so umfassend, daß EOL elegant mit Konkurrenten wie Compuserve und America Online gleichzieht, mit einem Unterschied: Das World Wide Web kostet nichts und ist erreichbar für 40 Millionen Benutzer, die sich nicht erst eine Spezialsoftware besorgen müssen.“

Wir fühlen uns verstanden! 😉 Zumindest läßt es so sich lockerer und gut gelaunt ins Wochenende gehen.

Humor im Internet

mak@muc027.96.08:04

Apropos gute Laune: Was fehlt dem Internet und der Online-Welt, um sich endgültig gesellschaftlich auf breiter Front zu etablieren? – Humor und Witz!

Apropos Humor: Es gibt nur vergleichsweise wenig Sites mit Scherzen und Kuriosa. Ausnahme sind Witzsammlungen wie etwa rec.humor.funny oder etwa die Site von Randy Cassingham, in der er täglich die absurdesten, abgedrehtesten und aberwitzigsten Meldungen veröffentlicht und kommentiert, denen er habhaft werden kann.

Wesentlicher als integrative Kraft ist der Witz über das Internet. Die beste und gesündeste Art eine Neuerung, die einer Gesellschaft nicht ganz geheuer ist, zu integrieren ist, sich darüber lächerlich zu machen.

Hoffen wir also möglichst bald auf eine Menge Witze über das Internet und seine User. Ein erster Vorgeschmack: Was heißt die Abkürzung „WWW“? – „Warten, warten, warten.“ – Oder der: Was ist der Unterschied zwischen einer Schnecke und einem Internetbrowser? – Eigentlich keiner. Aber die Schnecke kennt keine „Schutzverletzung“.

Not a bug, just a feature

mak@muc028.96.10:10

Apropos Witz und Schutzverletzungen: Wir bei Europe Online sind aus der Zeit, als wir uns noch an der vielversprechenden, aber nicht ausgereiften „Interchange“-Browser-Software versuchten, sehr ironie- und witzerprobt. Die wesentlichste Erkenntnis aus dieser Zeit war die perfekte Ausrede eines System Operators auf einen immer wiederkehrenden, anscheinend unausmerzbaren Softwarefehler: „That’s not a bug, that’s a feature.“

Wir empfehlen diese Maxime als sehr hilfreiches Nerventonikum, wenn wieder einmal ein Stück Software oder der neue Browser nicht so will, wie er soll oder der eigene Computer schier esoterisch anmutende Unsinnigkeiten treibt. Versucht Euch in positivem Denken: „That’s not a bug, that’s a feature!“

Mit ein wenig gutem Willen und gerüttelt Maß an Kreativität läßt sich in jeder Anomalie noch ein Feature herausdestillieren.

Gott und Internet

mak@muc029.96.13:34

Ist das Internet göttlich? In den Augen des bayerischen Kulturunikums Herbert Achternbusch irgendwie schon. Auf die Frage, an welche Götter er glaubt, antwortet der Filmer („Gespenst“), Autor und Maler im Interview mit der Süddeutschen Zeitung (27/28.01.1996): „Naja, das ist die Phantasie. Früher hat man Götter gesagt, heute sagt man Internet. Das sind nur verschiedene Wörter.“

Fragt sich, wie man es mit den Göttern namens Internet sinnvollerweise hält. Achternbusch hält es so: „Es gibt Gott, weil irgendwie hast du ein Verhalten in dir, daß du sagst: ,Des derf doch net sei, daß es koan gibt.‘ Einerseits weiß man ganz genau, daß es keinen gibt.“ Ins Hochdeutsche transferiert meint das wohl: Das Internet ist kein Gott, aber es tut der Seele wohl, wenn man es als Gott(ersatz) nimmt.

Das mag aber vielleicht für die USA schon gelten. Für Deutschland und seinen Online-Vergällungs-Tarifen der Telekom gilt eher der Achternbusch-Klassiker: „Du hast keine Chance, also nutze sie!“

Design und Usability

mak@muc030.96.13:12

Endlich ernten auch die grafischen Gestalter von Europe Online Deutschland die verdienten Lorbeeren der Kritik. Das für Online-User vielleicht meinungsbildendste deutsche Magazin PC Online lobt neben unserem „Idealismus“ und den vielfältigen Inhalten vor allem das grafische Konzept von EOL: „Das Layout der EO-Inhalte ist sehr modern gestaltet. Hinter den keinesfalls überdimensionierten Grafiken und schmalen Textformatierungen steckt ein klares Konzept: keine Effekthascherei, sondern augenfreundlicher Lesestoff.“

Auch unser Navigationskonzept findet bei „PC Online“ Anklang: „Der Bildschirm wird in drei verschiedene Bereiche gesplittet, die beim Navigieren durch das Online-Angebot deutlich mehr Komfort als herkömmliche Vor- und Zurück-Klicks bieten.“

Besonders freuen uns auch die guten Wünsche von PC-Online-Chefredakteur Thomas Jannot zum Schluß seines Artikels: „Bleibt zu hoffen, daß dieser gute Anfang deutscher Wertarbeit im Internet die nötige Zeit bekommt, die ein Medium braucht, bis es Erfolge feiern kann. Denn soviel steht schon jetzt fest: Das redaktionelle Aufgebot für Europe Online ist – gemessen an den sonstigen chronisch unterbesetzten Online-Abteilungen deutscher Verlage – angenehm optimistisch kalkuliert.“

Ein schönes Kompliment an Burda Medien und Verleger Dr. Hubert Burda, die Europe Online Deutschland gegründet haben und von Anfang an auf ein anspruchsvolles, journalistisches Konzept für die Online-Welt gesetzt haben.

Wir werden aber dafür sorgen, daß wir nicht nur „deutsche Wertarbeit“ abliefern, sondern auch noch viel mehr Esprit, Ideen, Charme und vor allem viel mehr Service- und Kommunikationsmöglichkeiten in unserem Dienst bieten.

Die Frau im Netz

mak@muc031.96.16:20

Das Schöne am Netz und seinen Sites ist, daß es dort wirklich wie im richtigen Leben zugeht. Zum Beipiel bleiben einem auch hier keine Peinlichkeiten erspart.

Zum Beispiel die Frau Netz. Sie ist eine Art Hostess in Deutschlands „erstem Web-Kaufhaus“, dem Netzmarkt.de. Schön brav im schlichten blauen Kostüm führt sie in immer neuen Posen (und mit reichlich Downloadzeit) durch das bislang noch sehr bescheidene Angebot der Mini-Mall.

Einmal mehr wurde hier eine Website nach dem Prinzip aufgebaut, digitale Services möglichst assoziativ mit der realen (analogen) Wirklichkeit zu verbinden. Da gibt es ein „Foyer“, einen „Aufzug“, der in den „ersten Stock“ im Kaufhaus führt (mehr existieren noch nicht), ja es existiert sogar eine „Hausordnung“. Das Ganze ist durchgehend im Biederdesign gehalten – und die unvermeidlichen Frau Netz im braven blauen Kostümchen gibt in immer neuen Posen immer neue, überflüssige Kommentare.

Es fällt leicht, sich über solch wenig gelungenen Web-Anfänge lustig zu machen. Und eigentlich verdient jeder Versuch, in Deutschland online etwas auf die Beine zu stellen, erst einmal Anerkennung.

Trotzdem muß man schon in diesen frühen Stunden des Web-Zeitalters hoffen dürfen, daß die Online-Welt bitteschön nicht zu banal und analog bleiben darf, sondern eigentlich das ideale Feld für ein völlig neues, breitentaugliches Design (ohne allen Elitarismus) werden könnte.

Die neuesten Websites aus den USA (speziell aus New York) und ihr Design geben dazu wirklich Hoffnung. Wenn wir, wie geplant, demnächst unsere EO-Hit-Listen der besten Websites veröffentlichen, wird es auf jeden Fall auch eine Rubrik für die am besten designten Web-Sites geben.

Weiter geht es mit dem Digitalen Tagebuch 2-1996.

2 Responses to “Europe Online – Digitales Tagebuch 1-1996”


  1. […] Weiter geht es mit dem Digitalen Tagebuch 1-1996. […]


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