Paid Content (4) The Future

16. Mai 2010

Google kümmert sich um Journalismus

Nun bekommt meine Reihe doch noch – unerwartet – eine vierte Folge. Die Frage , wie man mit journalistischen Inhalten noch Geld verdienen kann, treibt viele Menschen um, und nicht nur in Print-Redaktionen. Zwei Artikel verdienen zu dem Thema Aufmerksamkeit. Da ist zum einen der Artikel von Wolfgang Blau, dem Chefredakteur von Zeit Online, in der Süddeutschen Zeitung, der das Dilemma der deutschen Medienhäuser perfekt auf den Punkt bringt: „Dem Journalismus geht es erstaunlich gut. Ja, die wirtschaftliche Zukunft vieler Zeitungshäuser ist ungewiss. Ja, auch die meisten online-journalistischen Angebote arbeiten noch nicht einmal kostendeckend und niemand kann mit Sicherheit sagen, welches journalistische Geschäftsmodell in Zukunft tragfähig sein wird. Dennoch erlebt der Journalismus gerade seinen größten Entwicklungssprung seit Erfindung des Rundfunks.“

Wolfgang Blau, Chefredakteur Zeit Online

Blau prangert – zu Recht – die Wehleidigkeit der (Print-)Redaktionen an und deren Unwillen, sich mit Social Media und der Masse der Blogger und deren eben in großer Breite auch professionellem Journalismus auseinanderzusetzen: „Es ist schon ein erstaunliches Paradoxon, dass viele von uns die Fähigkeit zur Analyse und zur Kommunikation für Kernkompetenzen ihrer Profession halten, gleichzeitig aber bei der Analyse ihrer eigenen Zukunftsfähigkeit und bei der direkten Kommunikation mit ihren Lesern so große Defizite zeigen.“

Erfrischend ist der fundamentale Zukunftsoptimismus von Blau: „Man muss kein Idealist sein, um dem Journalismus ein goldenes Zeitalter vorauszusagen.“ In seinem lesenswerten Essay, in dem er u. a. den Guardian oder die BBC als Vorbilder erwähnt und auf die unglaublichen Potentiale im öffentlich-rechtlichen System Deutschlands hinweist, bleibt er allein einen tragfähigen Ansatz schuldig, wie Journalismus nötiges Geld verdienen könnte.

How to Save the News

Dieses Versäumnis holt dafür in einer ebenso ausführlichen wie eindrucksvollen Art das renommierte amerikanische Magazin „The Atlantic“ in seiner Online-Ausgabe nach. „How to Save the News“ beschäftigt sich hauptsächlich mit den Bemühungen von Google, den Qualitäts-Journalismus am Leben zu erhalten.

Das Interesse von Google an guten News, an fundierten Stories und einer funktionierenden Kontrolle staatlicher und wirtschaftlicher Macht ist nicht irgendwelcher philantropischer Natur. Nein, dahinter stecken veritable wirtschaftliche Interessen. Google und seine Suche – und seine News-Sektion iGoogle – sind immer nur so gut, wie es genügend gute, professionelle und interessante Artikel gibt, auf die Google linken kann. Deshalb beschäftigt sich eine ganze Abteilung bei Google – und auch Googles CEO Eric Schmidt – mit der Frage, wie man gute journalistische Qualität monetarisieren kann.

Eric Schmidt, CEO Google

Eric Schmidt wird in dem Artikel mit der prägnanten Erkenntnis zitiert: „Ich sehe, wie parallel zu sinkenden Zeitungsauflagen die Online-Leserschaft dramatisch wächst. (…) Die Zeitungen haben nicht das Problem mangelnder Nachfrage. Ihr Problem ist ihr Business-Modell.“ Wie recht er hat. Die entsprechenden Fakten für diese Behauptung liefert „The Atlantic“ in einer unglaublich umfangreichen Zahlendokumentation, die dem Artikel beigefügt ist. Nur 15 % der Kosten der Medienhäuser werden für den Journalismus selbst investiert. (Und das ist vielleicht noch nicht einmal alles höchste Qualität, was da produziert wird?) Wenn man noch nötige Verwaltung und Marketing dazu zählt, sind es höchstens ein Drittel der Kosten, die für den Journalismus selbst aufgewendet werden.

News waren nie rentabel

Der größte Teil der Kosten geht bei Zeitungen für Papier, Druck und Distributionskosten drauf. Der Artikel schildert sehr eindrucksvoll, wie absurd die Idee in einer Zeit kompletter digitaler Komplettvernetzung ist, eine krude Mischung unterschiedlichster Inhalte plus Werbung auf gedrucktem Papier auszuliefern. Das Business-Problem aber ist, dass sich News und Qualitätsjournalismus nie per se gerechnet haben. Sie waren nur die Attraktionen, die Menschen dazu bewegt haben, eine dicke Masse an bedrucktem Papier zu kaufen. (Wer erinnert sich noch an die Kilo Papier einer Wochenendausgabe vor zehn Jahren?)

Die News wurden damals von Erlösen aus Rubrikenanzeigen (Kfz, Immobilien, Jobanzeigen etc.) und von anderen Anzeigen subventioniert. Seit die Medienhäuser all das ans Internet verloren haben (aus eigener Schuld!), haben sie 30 bis 50 % des Umsatzes verloren. Da liegt das Kernproblem: In Internet funktioniert das Bundling nicht mehr. Jede einzelne Nachricht, jeder Artikel muss sozusagen in Eigenregie sein Geld verdienen. Es kann nicht mehr quersubventioniert werden. Und die Nutzer sind nicht bereit, für Dinge zu bezahlen (wenn überhaupt), die sie gar nicht nutzen und nicht wollen. Zur gleichen Zeit zahlen die deutschen Mediennutzer aber klaglos jährlich 7,4 Milliarden Euro, wie Wolfgang Blau sehr richtig hinweist, als GEZ-Gebühren für offentlich-rechtliche Medien!

Intelligente Zahlmodelle

Google versucht nun, in seinen Laboratorien Konzepte zu entwickeln, wie ein Bezahlmodell in Zukunft aussehen könnte. Erste Prämisse wäre natürlich, die Druckkosten einzusparen. Dafür sind wir nur noch ganz wenige Entwicklungszyklen von elektronischen Lesegeräten entfernt. (Nein der iPad ist auch noch nicht die Lösung!) Aber in fünf, spätestens zehn Jahren könnte es soweit sein, dass News und Stories auf digitalen Geräten nicht nur lesbar sind, sondern sogar mehr Lesespaß bereiten als heute Papierversionen. (Da wird das iPad den Weg dafür bereiten!)

Das allein löst aber nicht das Problem. Der Ansatz von Google geht da weiter. Eine Richtung ist, Werbung intelligenter zu machen und neue Plattformen zu schaffen, die gute Inhalte mit passenden Anzeigen kommerziell ertragreicher machen. AdSense ist hier nur ein erster Schritt. Man stelle sich nur anstatt von Fünfzeilern wie bei AdSense Videos, optische Explorationsabenteuer oder AudioFiles etc. vor, die Firmen inhaltsadäquat zu Geschichten platzieren und die die Story besser und vielschichtiger machen. Dazu müssten sich aber das gängigen Werbebusiness komplett umstellen und Werbung vor allem anders vermarktet werden. Google ist da schon dran.

Eine andere Option wären Micropayment-Systeme, die Artikel – oder Abonnements (etwa von intelligenten Angebotsplattformen – Glam.com ist da nur ein erster Schritt) fair, einfach und kostentransparent funktionieren ließen. Auch in diese Richtung denkt Google.

Google muss es richten

Traurig eigentlich, dass Medienhäusern von außen geholfen werden muss. Aber diese haben in den letzten 15 Jahren ja eindrucksvoll bewiesen, wie wenig sie mit digitaler Intelligenz umgehen können. Ihr Versäumnis haben erst Multis wie Yahoo, Google, Facebook oder Twitter möglich gemacht. Alles eigentlich einfache Konzepte, die hätte man nur mutig finanzieren müssen in Zeiten, als noch super verdient wurde. Aber da hat man das Geld lieber für TV-Experimente und dicke Dividenden ausgegeben (manchmal auch für saftige Honorare). Und jetzt muss es Google richten…

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