Drehbuch des eigenen Lebens

23. Februar 2010

Die Manipulation der Massen und Medien

Hätte nicht gedacht, dass ich auch noch mal Gedanken zu Michael Jackson oder Tiger Woods zu Desktop bringe… – Aber auffallend ist schon wie schwer sich Menschen mit dem Drehbuch tun, das sie und vor allem andere für ihr Leben geschrieben haben.

Zynisch gesehen bastelt sich jeder Mensch seine eigene Lebenslüge. Es kann sehr hilfreich sein, in dem warmen Bett einer gepflegten Selbsttäuschung zu leben. Das geht perfekt, so lange diese nicht allzu heftig mit einer anderen, die gerne Realität genannt wird, kollidiert. Aber je mehr Sozialkontakte man hat, um so schwieriger wird es, eine Lebenslüge, die sehr weit ist vom eigenen Ich, durchzuhalten.

Ganz hart wird es, wenn die Drehbücher des Lebens zum einen von falschen Erwartungen an das eigene Ich geschrieben werden. Daran können die Eltern (Michael Jackson, Tiger Woods) heftig schuld haben oder auch Ehefrauen oder Freunde, die zu viel Einfluss auf das eigene Leben gewinnen. Das schafft man aber auch gut selbst, sich seine eigene falsche Erwartungswelt aufzubauen, wenn man nie so recht aus den Allmachts- und Alles-Können-Phantasien der Pubertät herausfindet.

Am schlimmsten aber wird es, wenn das Drehbuch des eigenen Lebens von den Medien und damit mittelbar vom Massenpublikum geschrieben wird. So besonders extrem geschehen bei Michael Jackson. Das Zuckerguss- und Fantasy-Märchen mit Pop-Appeal, das hier zur Aufführung kommen sollte, war einfach nicht mehr lebbar. Und die dann logischen Kollisionen des gelebten mit dem erwünschten Lebens werden natürlich genüsslich von den Medien ausgekostet. (Da machen inzwischen längst sogar die sich selbst „seriös“ nennenden Medien keine rechte Ausnahme mehr. – Aber das ist jetzt wieder ein anderer Fall von Lebenslüge…)

Dieser Konflikt zwischen einer Erwartung an den Lebenszuschnitt eines Stars, seinen eigenen Erwartungen und der seines sozialen Umfeldes und den Realitäten des Lebens – und der Medien – kann sehr leicht eskalieren, weil alle diese Komponenten ihre Eigendynamik haben und logischerweise mehr als selten kongruent sein können. Irgendwann kommt es dann aus den Konflikten zu ersten kleinen Störfällen in dem sonst scheinbar so perfekten Drehbuch.

Überraschendes Finale im Drehbuch

Die Störungen können physischer Natur sein: Erschöpfungssymptome, Krankheiten etc. Aber anstatt das als Hinweis für einen außer Kontrolle geratenen Lebensplan zu verstehen, werden solche Irritationen vor allem von Menschen, die das Thema Allmacht nicht für sich in Griff bekommen haben, mit Tabletten jeglicher Couleur und Substanz bekämpft. Bis hin zur perfekten Eigenvergiftung. So bekommt dann das Drehbuch des eigenen Lebens ein für alle Beteiligten sehr überraschendes Ende geschrieben. So geschehen bei Elvis oder eben auch Michael Jackson.

Die Störungen können natürlich auch psychologischer Natur sein. Da wird dann mal gerne eine dunkle Parallelwelt zum Überkitsch des eigenen Drehbuchs geschrieben. Ich könnte mir  gut vorstellen, dass das so bei Tiger Woods oder Ashley Cole so gelaufen ist. Und wenn im Drehbuch immer nur Siege und Triumphe aneinandergereiht werden, kann man ja auch der Illusion verfallen, dass das für jeden Lebensbereich gilt und man mit allem heil davon kommt.

Ich mag mir nicht vorstellen, was in einer amerikanischen Suchtklinik passiert, die sich auf Sex-Sucht spezialisiert hat. Kaum vorstellbar, dass dort Lebenslügen demaskiert werden und der Weg zu einem authentisch gelebten Leben bereitet wird. So schön es wäre. Da wird doch vermutlich eher an einem neuen Drehbuch gestrickt. An einem besseren oder nur an einem leichter lebbaren Drehbuch des eigenen  Lebens.

Rent a wing

Wenn das dann kein Autorenfilm wird, also der Held nicht selbst Regisseur ist; oder wenn dessen Talent zum Regisseur begrenzt ist, dann ist das nächste Scheitern vorprogrammiert. Sehr zur Freude des breiten Publikums, die Dramen und böse Grimmsche Märchen lieber mögen als Zuckerguss-Parodien. Und sehr zur Freude ihrer Helfershelfer, der Medien.

Einen Vorschlag für ein neues Drehbuch für Tiger Woods kam ja schon. Ausgerechnet von Bau-Schwerenöter Donald Trump. Er schlägt vor, Tiger solle wieder auf die Golf-Tour gehen, diesmal gleich als promisker Playboy. Ohne Gewissensbisse und mit hohem Frauenverschleiß. – Nun ja, dann wären aber schnell einige Sponsoren weg. Aber neue könnten hinzugewonnen werden. Red Bull vielleicht. Das verleiht ja immerhin Flügel. Rent a wing sozusagen…

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One Response to “Drehbuch des eigenen Lebens”


  1. […] für sein Leben geschrieben (oder schreiben lassen?) – das hatte er dann auch ganz gut drauf. (Siehe hier auch The Difference: Drehbuch des eigenen Lebens.) Aber wehe, wenn das einmal nicht passte, wenn Dinge passierten, für die keine Handlungsanleitung […]


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