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	<title>The Difference</title>
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	<description>Der Blog von Michael Konitzer</description>
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		<title>The Difference</title>
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		<title>Diagnose einer Bagatell-Hysterie</title>
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		<pubDate>Sat, 07 Jan 2012 11:45:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>konitzer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Causa Wulff: Bashing-Rituale 2012 &#8222;Würde mich mal jemand dafür loben, dass ich den ganzen Tag noch nichts zum Thema W. getwittert habe?&#8220; Christian Buggisch twittert zurecht, wenn er sich für seine Wulff-Bashing-Enthaltsamkeit loben lassen will. Es macht einen fassungslos, dass Deutschland scheinbar nichts Wichtigeres kennt, als sich über die Verfehlungen eines mittelmäßigen Provinzpolitikers zu echauffieren, den es [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=konitzer.wordpress.com&amp;blog=5284230&amp;post=2024&amp;subd=konitzer&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Causa Wulff: </strong><strong>Bashing-Rituale 2012</strong></p>
<p>&#8222;Würde mich mal jemand dafür loben, dass ich den ganzen Tag noch nichts zum Thema W. getwittert habe?&#8220; <a href="https://twitter.com/#!/Chris_Buggisch" target="_blank">Christian Buggisch twittert</a> zurecht, wenn er sich für seine Wulff-Bashing-Enthaltsamkeit loben lassen will. Es macht einen fassungslos, dass Deutschland scheinbar nichts Wichtigeres kennt, als sich über die Verfehlungen eines mittelmäßigen Provinzpolitikers zu echauffieren, den es in einer besonders herben Laune des <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Peter-Prinzip" target="_blank">Peter Prinzip</a>s auf die Position des Bundespräsidenten gespült hat.</p>
<p><a href="http://konitzer.files.wordpress.com/2012/01/stethoscope-3.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-2030" title="Stethoscope-3" src="http://konitzer.files.wordpress.com/2012/01/stethoscope-3.jpg?w=480&#038;h=415" alt="" width="480" height="415" /></a>Christian Wulff hat es mehr als verdient, kritisiert und auch gebasht zu werden, keine Frage. Nicht nur wegen seiner Kredite, seiner Ferienreisen und seinem Hang zum Gratis-Luxus. Sondern vor allem wegen seiner kompletten Uneinsichtigkeit in seine Verfehlungen: seine Kleinhäusler-Mentalität, wie man in Bayern sagt, wenn einer versucht, zwanghaft vor sich selbst größer wirken zu wollen, als er ist. Zudem hat er sich durch seine hahnebüchen desaströse Medienstrategie im Umgang mit seinem Skandal jedes Recht auf sein weiteres Beharren in diesem hohen Amt erfolgreich verwirkt.</p>
<p><strong>Die Symptome einer Bagatell-Hysterie</strong></p>
<p>So weit, so gut. Aber was reitet uns Deutsche, dieses Skandälchen so ernst zu nehmen und uns so manisch auf diese Amateur-Posse zu kaprizieren. Christian Wulff und seine &#8211; kleinhäuslerisch &#8211; verständliche Unfähigkeit zum Rücktritt ist eine Nichtigkeit, die man bestenfalls mal kurz belachen darf, vorzugsweise als Apercu bei Harald Schmidt. Aber damit genug! Bagatellen solcher Dimension taugen nicht zu Dramen. Aber wenn sie sich zu nicht enden wollenden Medien-Hysterien auswachsen, sagt das viel über den Zustand unseres Landes und seiner Bürger aus. Es verrät viel über den akuten mentalen Status der Deutschen. (Na ja, auch darüber, wie es um die etablierten Medien hierzulande steht.)</p>
<p><a href="http://www.wolfgangmichal.de/?p=1544" target="_blank">Wolfgang Michal vermutet in seinem Blogbeitrag ganz richtig</a>: &#8222;Das crossmediale Bohei, das um das (politisch eigentlich überflüssige) Amt des Bundespräsidenten veranstaltet wird – ein Amt, das kaum einen Journalisten jemals ernsthaft interessiert hat – ist ein psychohygienisches Rätsel. Und ein Symptom. Aber für was? Gab es im deutschen Journalismus eine moralische Ruck-Rede? War es die Sehnsucht nach dem guten Prinzen? Oder schmerzt einfach die herbe Enttäuschung, dass es wieder nur ein Frosch ist?&#8220; Gehen wir kurz den Symptomen nach, um dem physischen Momentanzustand unseres Landes und uns Bürgern auf die Schliche zu kommen.</p>
<p><strong>Symptom 1: Wir schrumpfen die Krise</strong></p>
<p>Die Krisen häufen sich: Finanzkrise, Bankenkrise, Euro-Krise. Europa ist bedroht. Die Weltwirtschaft. Die Medien hyperventilieren nun schon seit Monaten im schrillsten Tonfall des Alarmismus. Wir sind inzwischen dagegen immun geworden, wir trotzen der Krise und kaufen, kaufen, kaufen. Aber wirklich perfekt hilft dagegen die Ablenkung durch eine Wulff-Krise, deren liliputaneske Dimension wir nicht fürchten müssen. Eine Krise, die wir beurteilen können, weil wir die Verfehlungen, die wir anklagen, selbst gut kennen, weil wir sie selbst schon begangen haben &#8211; oder zumindest gerne begangen hätten. (Gratisurlaub, Upgrade, Schnäppchen, Freunderl-Dienste&#8230;)</p>
<p>Wir wählen uns die Krise nach unserem Gusto und portionieren sie so, wie es uns behagt. Wie befreiend, wie beruhigend, wie genüsslich ist es, sich die Krisenlandschaft so gesund zu schrumpfen. Das geht ganz leicht. Denn das Internet ist dafür der ideale Hysterie-Boiler. Ein paar spärliche Fakten, viel Moralin, ein paar Spritzer Hohn &#8211; und ganz viel präsidiales Selbstverschulden: Fertig ist die ideale Krisen-Schrumpfung über die Feiertage.</p>
<p><strong>Symptom 2: Die Getriebenen der Meute</strong></p>
<p>Der Hysterie-Boiler funktioniert so gut, weil die Medien sich von der Bloggeria massiv getrieben fühlen. <a href="http://www.wolfgangmichal.de/?p=1450" target="_blank">Noch einmal Wolfgang Michal zitiert: </a>&#8222;Nicht die Blogger und Twitterer haben sich den Leitmedien angepasst, sondern die Leitmedien den Bloggern und Twitterern. Herausgefordert durch deren kräftige (oft populistische) Sprache, greifen nun auch etablierte Medien immer häufiger zu drastischen Begriffen und Vergleichen, fordern eilends Rücktritte und rigorose Konsequenzen, und zelebrieren die unfreiwilligen Abgänge aus dem öffentlichen Leben als reinigende Buß- und Sühneopfer fürs Volk.&#8220;</p>
<p>Die Medien erleben sich immer mehr als Getriebene der Meute des Realtime-Journalismus bzw. der Realtime-Kolportage. Es muss extrem frustrierend sein, etwa als Printjournalist mitzuerleben, wie das eigene Produkt frisch aus der Druckpresse am Morgen rettungslos veraltet ist und schon längst neue Fakten vorliegen, ersatzweise neue Mutmaßungen, und der Diskurs über ein Thema längst schon viel weiter ist. Die Elite der Blogger hat den meisten Journalisten längst die Meinungshoheit abgejagt. &#8211; Den  TV-Leuten geht es nicht besser. Sie hetzen sinnlos Bildern hinterher, die nur noch überholte Tatsachen bebildern können. Im übrigen neigt man zunehmend dazu, &#8222;Facebook&#8220; oder &#8222;Twitter&#8220; zu zitieren als wären sie verlässliche Presseagenturen.</p>
<p><strong>Symptom 3: Klassenkeile für Hierarchen</strong></p>
<p>Wer es aus der Provinz ganz nach oben geschafft hat, mit all den Privilegien und Vergütungen, der ist unausweichlich Opfer unserer Neidgesellschaft. Vor allem, wenn einem wie Wulff das nicht reicht und man noch bei reichen Freunden Urlaub in allem Luxus machen muss oder sich von ihnen Kredite aufdrängen lässt. Aber es steckt da noch mehr dahinter: Wulff-Bashing ist immer zugleich auch Hierarchie-Bashing. <a href="http://konitzer.wordpress.com/2010/01/17/flache-hierarchien/">Hierarchien werden flacher, das heißt, der Abstand nach oben ist geringer geworden. </a>Das heißt, dass immer mehr nach oben kommen, ohne die nötige Qualifikation zu haben &#8211; da ist Christian Wulff das passende Abwatsch-Modell. Er ist Präsidenten-Darsteller wie viele leitende Manager lediglich Chef-Darsteller sind.</p>
<p>Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass sich immer mehr berufen fühlen, ganz nach oben zu kommen. Das untergräbt die natürliche Autorität von jedem, der oben ist, nachhaltig. Und weil es dann doch heikel und selten Karriere fördernd ist, den eigenen Chef anzumachen, kommt Wulff als Ersatzkandidat dafür gerade recht. Er ist der ideale Mann für befreiende Klassenkeile. An ihm kann man alle Aggressionen, Ressentiments und Frustrationen, die man in einem Berufsjahr so ansammelt, wunderbar abbauen. Daher die Moralinsäure, daher die Häme, daher der fast augenzwinkernde Sarkasmus. Und Wulff mit seiner unsäglichen PR-Taktik sorgte auch noch dafür, dass die Affäre dauerhaft am Leben erhalten blieb. Was für ein willkommenes Purifikations-Ritual des kleinen Mannes, passend für die Feiertage!</p>
<p><strong>Symptom 4: Anti-autoritäre Reflexe.</strong></p>
<p>Gemeinsam sind wir stark. Das ist die Erfahrung, die die Baby Boomer von Kindesbeinen an reichlich in einem antiautoritären Klima machen konnten. Und nie zuvor konnte man wieder so schnell und so machtvoll Gemeinsamkeit organisieren und dialogisch feiern wie heute. Aber eben auch Gemeinheiten. Schwarm-Intelligenz ist das gern bemühte Schlagwort. Es gibt aber auch Schwarm-<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Impertinenz" target="_blank">Impertinenz</a>, Schwarm-Penetranz, Schwarm-Perfidie oder Schwarm-Intrige. Ein selbst verstärkender Prozess mit ungeheurer Schlagkraft.</p>
<p>Ein Christian Wulff hatte keine Ahnung, welch Wucht solch ein Prozess entwickeln kann, wenn er nicht rechtzeitig und mit den richtigen Mitteln gestoppt wird. Er hingegen verstärkte und prolongierte mit seinem ungelenken Umgang mit der Öffentlichkeit diesen Prozess. So war der höchste Repräsentant, die höchste Autorität des Staates zur Abrechnung frei gegeben. So konnte dann die eine, ältere Generation (Baby Boomer) ihre fast schon vergessenen antiautoritären Reflexe noch einmal ausleben. Und die junge Internet-Generation (Digital Natives) durfte erstmals dieses Vergnügen auskosten, Riesen zu Zwergen schrumpfen zu sehen, joviale Gesichtszüge in Tagen um Jahre altern zu lassen, schlicht indem man die Autorität als nicht vorhanden (virtuell) behandelt.</p>
<p>Deutschland zu Beginn des Jahres 2012: ein virtueller anti-autoritärer Kindergarten. Die Kinder amüsieren sich prächtig, die Leitungsebene aber versteht die Welt nicht mehr. &#8211; Aber das ist ihnen ja inzwischen zur Gewohnheit geworden&#8230;</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/konitzer.wordpress.com/2024/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/konitzer.wordpress.com/2024/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/konitzer.wordpress.com/2024/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/konitzer.wordpress.com/2024/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/konitzer.wordpress.com/2024/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/konitzer.wordpress.com/2024/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/konitzer.wordpress.com/2024/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/konitzer.wordpress.com/2024/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/konitzer.wordpress.com/2024/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/konitzer.wordpress.com/2024/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/konitzer.wordpress.com/2024/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/konitzer.wordpress.com/2024/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/konitzer.wordpress.com/2024/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/konitzer.wordpress.com/2024/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=konitzer.wordpress.com&amp;blog=5284230&amp;post=2024&amp;subd=konitzer&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Annual Multimedia</title>
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		<pubDate>Sat, 03 Dec 2011 13:16:43 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Multimedia im Print Ich gestehe, ich bin rückfällig geworden. Seit vielen Jahren publiziere ich nur noch digital. Jetzt bin ich aber wieder zu meinen Wurzeln zurückgekehrt, zum Print. Seit heute ist das Annual Multimedia 2012 (Walhalla Verlag) auf dem Markt &#8211; 394 (Hochglanz-)Seiten dick. Erstmals erscheint es in meiner Verantwortung als Herausgeber. Seit 1995, als [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=konitzer.wordpress.com&amp;blog=5284230&amp;post=1970&amp;subd=konitzer&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Multimedia im Print</strong></p>
<p>Ich gestehe, ich bin rückfällig geworden. Seit vielen Jahren publiziere ich nur noch digital. Jetzt bin ich aber wieder zu meinen Wurzeln zurückgekehrt, zum Print. Seit heute ist das <a href="http://www.annual-multimedia.de/" target="_blank">Annual Multimedia 2012 (Walhalla Verlag)</a> auf dem Markt &#8211; 394 (Hochglanz-)Seiten dick. Erstmals erscheint es in meiner Verantwortung als Herausgeber. Seit 1995, als Werner Lippert das Annual Multimedia gegründet hat, war ich in der Jury dieser Leistungsschau der kommerziellen Multimedia-Arbeiten. Im letzten Jahr fragten mich Werner Lippert und der Verlag, ob ich die Herausgabe des Annuals künftig übernehmen will. Ich habe nur zu gerne zugesagt.</p>
<p><a href="http://konitzer.files.wordpress.com/2011/12/annual2012_buch_medium.png"><img class="alignleft size-full wp-image-1972" title="annual2012_buch_medium" src="http://konitzer.files.wordpress.com/2011/12/annual2012_buch_medium.png?w=480" alt=""   /></a>Ein wunderbarer Widerspruch: Digitale Multimedia-Arbeiten auf Papier gedruckt. Ein Paradox, das nur der verstehen mag, der seit langer Zeit digital arbeitet &#8211; und der noch weiß, wie es sich anfühlt, wenn man ein Printprodukt in Händen hält, das man mitgestaltet hat. Bei letzterem wird man physikalisch für seine Arbeit &#8222;belohnt&#8220;. Man &#8222;begreift&#8220;, was man selbst mit seinen Händen &#8211; und seinem Kopf &#8211; geschaffen hat. Das ist ein sehr schönes Gefühl. Eine wunderbare, große, innere Freude für kreative Menschen, ein Triumph für narzisstisch veranlagte Gemüter.</p>
<p><strong>Leere Hände der Moderne</strong></p>
<p>Wenn  man aber seine kreative Arbeit in den digitalen Raum verlagert, geht diese physikalische Belohnung verloren. Über lange Jahre meiner Arbeit im Online-Business hat meine eigene Familie, da selbst nicht vernetzt, keine Ahnung gehabt, was ich da mache. Sie haben mir geglaubt, dass da Sachen von mir im Internet existieren. Nachprüfen konnten sie es nicht. Sie haben sich damit getröstet, dass ich ja sichtlich Geld dafür bekomme. Speziell meine Mutter, der Reputation so wichtig war, litt unter der Virtualität meiner Arbeit. Wenn ich ihr etwa Europe Online am Bildschirm zeigte, hätte das ja auch eine Macromedia-Präsentation sein können. (Kein Scherz, die ersten Online-Projekte wurden damals so verkauft. Und danach wunderten sich die Auftraggeber, warum die Bilder so winzig waren und die Seiten so lange zum Laden brauchten. Bei Macromedia war das alles so schnell und opulent gewesen.)</p>
<p>Noch schlimmer ist, dass viele Online-Projekte irgendwann nicht mehr live zu erleben sind. Entweder waren sie als Microsites sowieso nur auf Zeit angelegt &#8211; oder aber die Jahre (Monate?), die technische Entwicklung und natürlich auch die Fortentwicklung von Design, State of the Art und Breitengeschmack fordern kontinuierlich ihre Opfer. Die meisten Projekte im digitalen Bereich sind heute nicht mehr im Web zu sehen. Es gibt ein paar Archivseiten des Internets wie <a href="http://www.archive.org/web/web.php" target="_blank">Wayback Machine</a> oder <a href="http://www.webcitation.org/query" target="_blank">WebCite</a>. Aber wenn man da überhaupt einen Snapshot von früher bekommt, dann erscheinen meist nur Fragmente, meist ohne Bilder &#8211; und ohne Flash-Animationen.</p>
<p><strong>Erinnerungen an vergangene Pixel</strong></p>
<p>Schon dafür ist das Annual Multimedia, so absurd eine gedruckte Website auch scheinen mag, eine sinnvolle Sache, dass nämlich hier digitale Projekte physikalisch dokumentiert sind. Dswegen ist sie bei kreativen Arbeitern im digitalen Raum so beliebt. Deswegen reichen die meisten Agenturen Deutschlands (und Österreichs und der Schweiz) ihre gelungensten Arbeiten eines Jahres ein &#8211; und werden, sofern sie von der Jury für gut genug befunden werden, im Annual Multimedia verewigt. So entsteht ein hochqualitatives Erinnerungsbuch an digitale Arbeiten &#8211; und ein paar Jahre weiter gedacht &#8211; ein Almanach vergangener Pixel.</p>
<p>Aber es ist die Arbeit der Jury, die den wahren Wert des Annual Multimedia ausmacht. Jedes Jahr arbeitet sie sich durch Hunderte von Einsendungen hindurch. Das Spektrum, das einst 1995 mit Werken auf CD-ROM angefangen hat, umfasst heute Portals, Websites, Microsites, Web-Kampagnen, Banner, Interactive Ads, Social Media, Intranet, E-Mail-Marketing, Desktop Anwendungen, Tools, Web-TV/-Video, Terminals, Events, Games, Installationen, Shops, Apps, Mobile Anwendungen und Digitale Innovationen. Fast jedes Jahr gibt es in den Kategorien Ergänzungen und Wandlungen.</p>
<p><strong>Messlatte für Qualität</strong></p>
<p>Jedes Jahr steht für die Jury die wirklich schwierige Aufgabe an, die stets mit ausführlichen Diskussionen begleitet ist, den Qualitäts-Status des jeweiligen Jahres zu ermitteln. Der ist jedes Jahr höher, der Standard steigt kontinuierlich. Was drei Jahre zuvor noch respektierlich war, erntet heute nur noch ein Schulterzucken. Und nur, was über diesem jeweils neu definierten Anspruchs-Level liegt, wird in das Annual aufgenommen. Die Mehrzahl der Einsendungen schafft das nicht. Die, die aufgenommen werden, werden mit Silber bedacht. Die absolut besten Arbeiten, ca. 20 Highlights, werden speziell erwähnt &#8211; und mit Gold bedacht.</p>
<p>So hat sich das Annual Multimedia über die Jahre &#8211; wohlgemerkt seit 1995 &#8211; als verlässliches Qualitäts-Barometer der Digitalen Branche etabliert. Blättert man durch die Jahre, erlebt man ein Wiedersehen mit wichtigen Websites, erfolgreichen Ideen und bahnbrechenden Kampagnen. Zugleich bekommt man dabei einen plastischen Eindruck, wie sich Standards herausbilden, neue Stile entwickeln und verbreiten. Das ist digitaler Zeitgeist pur.</p>
<p><strong>Texte und Autoren</strong></p>
<p>Die jeweils wichtigen Themen im Umfeld kommerziellen digitalen Schaffens werden in jedem Annual nicht nur optisch dokumentiert, sondern auch stets von kompetenten Autoren analysiert und kommentiert. Im Annual Multimedia 2012 sind folgende Autoren mit folgenden Artikel zu finden:</p>
<ul>
<li>Peter Glaser: &#8222;Die Coca-Cola-Formel des 21. Jahrhunderts&#8220; &#8211; Zum Thema der Allmacht der Algorithmen</li>
<li>Hubertus von Lobenstein: &#8222;Wege aus der digitalen Hilflosigkeit&#8220; &#8211; Ein Leitfaden zum Einsatz von Social Media</li>
<li>Thomas Koch. &#8222;Online: Das erste Medium, das wirklich hilft&#8220; &#8211; Wie technisch darf digitales Marketing sein?</li>
<li>Michael Geffken: &#8222;Dem digitalen Tsunami standhalten&#8220; &#8211; Wie Medienhäuser und deren Mitarbeiter digital lernen müssen.</li>
<li>Anatol Locker: &#8222;Was man von Gamern lernen kann&#8220; &#8211; Die Spiele-Industrie erfindet sich neu.</li>
<li>Henry Steinhau: &#8222;Der Netz-Erklärer&#8220; &#8211; Portrait des Web-Vordenkers Peter Kruse.</li>
<li>Karen Heidl: &#8222;Methoden einer Innovationskultur&#8220; &#8211; Agilität als Methode des Innovations-Managements</li>
<li>Thomas Hoeren: &#8222;I like &#8211; what the law hates&#8220; &#8211; Facebook &amp; Co, die rechtlichen Risiken.</li>
<li>Werner Lippert: &#8222;Internet killed the Video Star&#8220; &#8211; Fünf außergewöhnliche Videokunstwerke per Smartcode.</li>
</ul>
<p>Das Annual Multimedia erscheint im Walhalla Verlag und kostet 79,00 Euro. Viel Spaß beim Lesen&#8230;</p>
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		<title>Willkommen Krise &#8211; wenn es denn sein muss</title>
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		<pubDate>Tue, 29 Nov 2011 23:33:34 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Änderungsprozesse sind nie gemütlich Wenn man einmal in einer wissenschaftlichen Animation gesehen hat, wie sich ein System in ein anderes transformiert, sei es ein Bakterienstamm oder ein soziales System, dann ist das eindrucksvoll: Ein stabiles System arbeitet zunächst brav in einem funktionierenden Schema. Alles ist ruhig und &#8222;normal&#8220;. Dann erscheint irgendwo ein kleiner Störfaktor. Normalerweise [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=konitzer.wordpress.com&amp;blog=5284230&amp;post=1940&amp;subd=konitzer&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Änderungsprozesse sind nie gemütlich</strong></p>
<p>Wenn man einmal in einer wissenschaftlichen Animation gesehen hat, wie sich ein System in ein anderes transformiert, sei es ein Bakterienstamm oder ein soziales System, dann ist das eindrucksvoll: Ein stabiles System arbeitet zunächst brav in einem funktionierenden Schema. Alles ist ruhig und &#8222;normal&#8220;. Dann erscheint irgendwo ein kleiner Störfaktor. Normalerweise wird er von dem System absorbiert. Ist aber das System dazu nicht mehr in der Lage, vielleicht weil es in Teilen heimlich schon dysfunktional ist, dann verbreitet sich dieser kleine Störfaktor immer mehr. Zunächst minimal und fast unscheinbar, dann aber immer mehr und mit wachsender Dynamik.</p>
<div id="attachment_1942" class="wp-caption alignleft" style="width: 490px"><a href="http://konitzer.files.wordpress.com/2011/11/evolution-galaxy1.jpg"><img class="size-full wp-image-1942" title="Evolution Galaxy" src="http://konitzer.files.wordpress.com/2011/11/evolution-galaxy1.jpg?w=480&#038;h=523" alt="" width="480" height="523" /></a><p class="wp-caption-text">Rosette Nebula - Galaktische Evolution</p></div>
<p>Ab einem kritischen Punkt wird nun das System immer unruhiger, es gerät immer mehr in Unordnung, wird immer hektischer und chaotischer. Man nennt diesen Vorgang dann nicht zu unrecht Krise. <em>κρίσις</em> (<em>krísis) </em>stammt aus dem Griechischen (!) und bedeutet in etwa &#8222;Zuspitzung&#8220; oder auch Wendepunkt. Er beschreibt den Zustand des Wechsels von einem stabilen Zustand in einen anderen. Und solch ein Wechsel ist unweigerlich mit einem sehr unruhigen, turbulenten, chaotischen Moment verbunden bis sich das neue System, das einmal als kleiner Störfaktor begonnen hat, durchgesetzt hat. Nun erst beruhigt sich das System in der dann neuen Funktionsweise. So funktioniert  Evolution.</p>
<p>Schaut man sich um, liest und sieht die Nachrichten, dann liegt der Verdacht nahe, dass wir uns gerade in solch einer turbulenten, hitzigen Wechselphase befinden. Und das Wort &#8222;Krise&#8220; liest und hört man sowieso allenthalben. Fragt sich nur, wohin der Wechsel gehen soll. Welche unserer gewohnten, aber vielleicht doch etwas überholten Systeme stehen denn zur Abwahl an? Da fällt uns recht viel ein, ohne auch nur ansatzweise in die Esoterik abgleiten zu müssen:</p>
<p><strong>1. Das Banken- &amp; Glückspielsystem</strong></p>
<p>Da ist als erstes sicher das Bankensystem, das nach seiner Liberalisierung zu großen Teilen &#8211; vor allem denen, wo am meisten Umsatz und Profit gemacht wird &#8211; zu einem Wettbüro degeneriert ist. Heute muss schon jeder Lottobetreiber darauf aufmerksam machen, dass Glücksspiel süchtig macht. Warum müssen das die Investmentbanker, Derivate-Händler &amp; Konsorten nicht? Und wäre es nicht ein willkommener Effekt der Krise, wenn damit in Zukunft erst einmal Schluss wäre?</p>
<p><strong>2. Das kapitalistische System</strong></p>
<p>Nur einen kleinen Gedanken-Fußbreit weiter gedacht: Vielleicht hat nach dem sozialistischen System auch der Kapitalismus in seiner Reinkultur ausgedient. Sein naiver Glauben an unaufhörliches Wachstum als Heilmittel hat sich überholt. Und wie sich der Sozialismus heute in sonderbare kapitalisteske Mutationen manifestiert, beispielsweise in China, und damit wirtschaftlich nicht schlecht fährt, so muss sich vielleicht der Kapitalismus neu erfinden, um noch im 21. Jahrhundert lebensfähig zu bleiben. Er muss möglicherweise sozialer werden &#8211; ohne seine Grundidee des Wettbewerbs aufgeben zu müssen.</p>
<p><strong>3. Das Sozialsystem</strong></p>
<p>Apropos sozial. Unser viel gelobtes Sozialsystem, das so viel auf sich hält, muss schätzungsweise auch möglichst bald von seinen Lebenslügen geheilt werden. Es braucht wahrscheinlich eine grundlegende Runderneuerung, um den vorhersehbaren Katastrophen wie Rentenpleite, marodem Gesundheitssystem und System-Arbeitslosigkeit irgendwie noch zu entgehen.</p>
<p>Braucht es erst eine Verelendung auf breiter Front mit begleitenden Unruhen und Aufständen, bis sich vernünftige Ideen wie eine Grundrente &#8211; oder positiver formuliert: Bürgereinkommen &#8211; durchsetzen können? So etwas wäre ein dermaßen grundlegender gesellschaftlicher Paradigmenwechsel, der viele andere anstehende Probleme leichter lösbar machen würde: Leistungsschutz, Nutzungsrechte, Versorgungsbürokratie etc. Wie anders als durch eine Krisensituation soll sich solch eine Idee, die grundlegende Paradigmen berührt, durchsetzen?</p>
<p><strong>4. Konsum-System</strong></p>
<p>Es fällt auf, wo in dieser Welt welcher Luxus gelebt wird. Einerseits der laute, protzige Glam-Luxus als Reichtums-Peep Show. Das findet vorzugsweise dort statt, wo es besonders viel Wohlstands-Nachholbedarf gibt und zugleich noch sehr feudale Strukturen überlebt haben, etwa in Russland oder auf der arabischen Halbinsel. Anders in Indien oder China. Auch hier gibt es reichlich Nachholbedarf und genug feudalistische Reste, und Reichtum wird stolz gezeigt, aber es gibt längst nicht solch prosperitäts-exhibitionistische Exzesse. Es fällt auf, dass ausgerechnet dort Luxus am dekadentesten gelebt wird, wo am wenigsten produktiver Reichtum aus neuen Ideen und innovativer Produktion entsteht, sondern Geldüberflüsse nur durch Förderung von Rohstoffen erzielt werden.</p>
<p>Bei uns im Westen, wo wir seit langem Reichtum und Prosperität gelernt haben, wird offensive Zurschaustellung von Luxus längst als peinlich empfunden. Vielleicht sind wir jetzt so weit, neue Wertesysteme des Luxus zu entwickeln . Die haben weniger mit Insignien des Reichtums zu tun, als vielmehr mit Lifestyle, neuen Optionen und gelebter Erfahrung und gelebtem Wissen. Genuss wird hier anders zelebriert. Durch neue Geschmackserlebnisse, durch neue Freiheits-Optionen, durch neue Perspektiven.</p>
<p><strong>5. Die Welt der Arbeit</strong></p>
<p>Es ist heute sehr gut absehbar, dass die Arbeitswelt schon mitten dabei ist, sich massiv zu verändern. Das kann man ganz brav und uninspiriert darstellen wie etwa aktuell in der <a title="SZ &amp; Arbeit der Zukunft" href="http://www.sueddeutsche.de/karriere/2.220/zehn-trends-in-der-berufswelt-wie-wir-morgen-arbeiten-1.1221247" target="_blank">Süddeutschen Zeitung</a>, oder aber man bezieht den Paradigmenwechsel in eine digitale Netzgesellschaft mit ein, wie es Jeanne C. Meister und Karie Willyerd in ihrem Buch &#8222;The 2020 Workplace&#8220; entwerfen. Dankenswerterweise hat <a title="The 2020 Workplace" href="http://www.karenheidl.de/2011-11-29/arbeitsplatz-2020/" target="_blank">Karen Heidl die Grundthesen des Buchs in ihrem Blog kurz zusammengefasst</a>. Es wird in Zukunft darauf ankommen, Talente und Könner damit zu ködern, dass sie ihre Marke (Employee Brand) weiter entwickeln können und dass sie sich kontinuierlich weiterentwickeln können. Beruflich, fachlich, menschlich, sozial etc.</p>
<p><strong>6. Steuersystem</strong></p>
<p>Wie will man übrigens bei einem Arbeitssystem, das auf neue Freiheit, Flexibilität und gleichzeitig auf extreme Effektivität ausgerichtet ist, noch darauf hoffen, darauf sein Steuersystem aufbauen zu können. Es braucht deutlich andere Bewertungsgrundlagen: etwa Effektivität, Wertschöpfung, Maschinenleistung etc. Genug intelligente Ideen dazu gibt es längst. Den Mut, hier einen Schnitt zu machen, können Politiker, die immer die nächste Wahl vor Augen haben, nicht aufbringen. Das ist nur aus einer massiven Krisensituation heraus durchzusetzen.</p>
<p><strong>7. Digitales Denken </strong><strong>und Leben</strong></p>
<p>Realistisch gesehen wird die Ablösung unseres Denkens aus den Limitationen des analogen Systems auf breiter Basis noch Zeit brauchen. Aber analoges Denken wird sich, gerade weil es bei uns in Deutschland (Dichter &amp; Denker?) so tief verankert und mit seltsamer Nostalgie und Wehleidigkeit aufgeladen ist, nur in krisenhaften Situationen durchsetzen können. Nur wenn es gar nicht mehr weitergehen mag, ist man wohl bereit, sich an eine Digitale Intelligenz samt Netzwerk-Denken mit ihren ganz anderen Gesetzmäßigkeiten zu gewöhnen. Und sie dann ganz schnell genießen zu lernen. Nur so lässt sich die weitere unausweichliche Beschleunigung unserer Welt, unseres Wissens und unseres neuen, fluiden Wertesystems überhaupt aushalten.</p>
<p>Oder kurz zusammengefasst: Es wird höchste Zeit, dass wir endlich im 21. Jahrhundert, im 3. Jahrtausend ankommen. Kann sein, dass wir dafür ein weiteres Mal, wie schon bei so vielen Fin de siècles, eine Krisensituation brauchen. Schade! &#8230; Aber wenn es denn sein muss&#8230;</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/konitzer.wordpress.com/1940/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/konitzer.wordpress.com/1940/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/konitzer.wordpress.com/1940/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/konitzer.wordpress.com/1940/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/konitzer.wordpress.com/1940/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/konitzer.wordpress.com/1940/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/konitzer.wordpress.com/1940/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/konitzer.wordpress.com/1940/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/konitzer.wordpress.com/1940/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/konitzer.wordpress.com/1940/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/konitzer.wordpress.com/1940/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/konitzer.wordpress.com/1940/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/konitzer.wordpress.com/1940/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/konitzer.wordpress.com/1940/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=konitzer.wordpress.com&amp;blog=5284230&amp;post=1940&amp;subd=konitzer&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Müllmänner der Politik</title>
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		<pubDate>Wed, 09 Nov 2011 22:14:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>konitzer</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<description><![CDATA[Exekutive der Fachleute Ein kurioses Konzept boomt dieser Tage in Europa &#8211; und die Journaille goutiert und applaudiert. In Griechenland und in Italien soll statt einer gewählten Exekutive, eine sogenannte &#8222;technische Regierung&#8220; die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Missstände wieder richten, die über Jahrzehnte entstanden sind. Kein Wunder, dass die Idee des &#8222;governo tecnico&#8220; eine italienische Erfindung [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=konitzer.wordpress.com&amp;blog=5284230&amp;post=1924&amp;subd=konitzer&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Exekutive der Fachleute</strong></p>
<p>Ein kurioses Konzept boomt dieser Tage in Europa &#8211; und die Journaille goutiert und applaudiert. In Griechenland und in Italien soll statt einer gewählten Exekutive, eine sogenannte &#8222;technische Regierung&#8220; die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Missstände wieder richten, die über Jahrzehnte entstanden sind. Kein Wunder, dass die Idee des &#8222;governo tecnico&#8220; eine italienische Erfindung ist. Wer in 65 Jahren 60 Regierungen verschleißt, hat eben Erfahrung damit, was man tun muss, wenn das Kind ins Bade fällt.</p>
<p><a href="http://konitzer.files.wordpress.com/2011/11/garbageman-01.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1925" title="Garbageman 01" src="http://konitzer.files.wordpress.com/2011/11/garbageman-01.jpg?w=480&#038;h=351" alt="" width="480" height="351" /></a>Eine &#8222;technische Regierung&#8220;, auch genannt &#8222;Kabinett der Fachleute&#8220;, wird vom (italienischen) Staatspräsidenten eingesetzt und soll dann die Dinge richten, die die gewählten Volksvertreter verbockt haben. Ein sehr eigenartiges, wenn auch von viel Realismus geprägtes Demokratrieverständnis, das sich hinter diesem Konzept verbirgt. Es wird einfach davon ausgegangen, dass in ein Parlament entweder keine Fachleute hinein gewählt werden &#8211; oder diese, sofern es sie gibt, nichts zu sagen haben. Sie werden von Fach-Dilettanten, die aber wohl hochqualifizierte Experten in Sachen Wahltaktik, Lobbyismus und Schlimmerem sind, erfolgreich still gestellt.</p>
<p><strong>Die Buhmänner der Politik</strong></p>
<p>Wenn dann durch teure Wahlversprechen und unsolides Wirtschaften der Haushalt ruiniert ist, dürfen &#8222;Fachleute&#8220; ran, die das alles wieder in Ordnung bringen sollen. Das sind sozusagen die Müllmänner der Politik, die Unschönes entsorgen müssen und vor allem unpopuläre Dinge wie Sparmaßnahmen, Abbau von Rechten, Kündigungen, Rentenkürzungen etc. durchführen dürfen. Vor allem müssen sie aber Vorgaben von hypernationalen Organisationen exekutieren, von der Europäischen Union, vom IWF, der Weltbank und wer noch alles hier das Sagen hat.</p>
<p>Diese &#8222;technischen Politiker&#8220; sind so gesehen die Insolvenzverwalter von heruntergewirtschafteten Staaten. Mit dem großen Nachteil, dass sie sich im Unterschied zu echten Insolvenzverwaltern, keine goldene Nase verdienen Im Gegenteil, sie werden im eigenen Land tief verhasst und verachtet sein, weil sie ausschließlich unpopuläre Maßnahmen durchführen müssen, die noch dazu fast ausnahmslos von außen oktruiert werden. So werden nach den Bad Banks auch noch Bad Boys erfunden, die als Buhmänner alle negativen Reaktionen auf sich ziehen dürfen. Und wenn Maßnahmen dann doch erfolgreich sein sollten, werden bis dahin längst wieder ganz schnell Politiker bereit stehen, um die Lorbeeren entgegen zu nehmen.</p>
<p><strong>Die Kandidaten der Medien</strong></p>
<p>Es ist verwunderlich, dass solche undemokratischen Vorgänge, solche als Übergangsregierungen oder &#8222;technische Regierungen&#8220; schön geredete politische Vollzugsinstitutionen in den Medien eher positiv aufgenommen werden, als quasi Wunderheiler, die ganz schnell die richtigen Kaninchen aus dem Hut zaubern werden. Kaum eine kritische Stimme, die sich wundert, wie hier mal kurz alle Demokratie ausgehebelt wird. Das Prinzip ist frappant: Demokratie ist nur so lange o.k., solange sie lautlos funktioniert &#8211; und sei es auf Kosten der Staatsbilanzen. Wenn es dann zum Schwur kommt, müssen es halt Bad Boys richten.</p>
<p>Die Ernennung dieser &#8222;Fachleute&#8220; erfolgt immer sehr nebulös. Die Medien haben stets auf die Schnelle geeignete Kandidaten zur Hand, die die Sache schon wuppen können. Gibt es geheime Reservoirs, wo solche Leute für den Ernstfall bereit gehalten werden? In Institutionen, Stiftungen, hypernationalen Behörden? Und woher wissen die in Frage kommenden Medien immer so schnell, wer für den jeweiligen Posten geeignet und verfügbar ist? Und warum sollen diese Menschen Lust auf solch einen Loser-Job haben? Gibt es da geheime Entlohnungssysteme? Existieren obskure Fonds, die politisch verbrannten Akteuren im Nachhinein noch ein angenehmes Auskommen ermöglichen? Wie etwa finanzieren sich Gorbatschow oder Schewardnadse, die in ihrem Heimatland Unpersonen sind? Von Vorträgen und Interviews in ZDF-History-Dokus von Guido Knopp werden sie vielleicht nicht auskömmlich genug leben können&#8230;</p>
<p><strong>Die Klientel schlägt zurück</strong></p>
<p>Es ist faszinierend zu beobachten, dass die Idee von &#8222;technischen Regierungen&#8220; oder &#8222;Übergangsregierungen&#8220; die Medien begeistern können. Sicher treffen sie auch zielgenau das ademokratische Sentiment des verängstigten Krisenbürgers. Aber letztlich kommen solche externen Regierungskonstruktionen dann doch nicht zustande. Dafür sorgen die &#8222;gewählten&#8220; Politiker, die um ihren Einfluss und die Pfründe ihrer Klientel fürchten. Zu essentielle Interessen, zu grundsätzliche Machtkonstruktionen stehen hier auf dem Spiel &#8211; und schätzungsweise hat man viel zu viele Leichen im Keller, um hier Amtsfremde samt deren Medienkontakten zu viel Einblick gewähren zu wollen.</p>
<p>Da lassen sich Politiker lieber die Maßnahmen von Finanzmärkten, Staatsbanken, Währungsunionen etc. diktieren. Es gibt da ja immer ein paar Köpfe, die keine Karriere mehr machen wollen/können. Die sind in solchen Fällen wunderbar geeignet, hier ihren Dienst am Volk leisten zu dürfen. Und wenn die Sache schief läuft und die Bürger gegen die &#8222;Rettungspolitik&#8220; auf die Straße gehen, kann man ja immer jederzeit eine Dolchstoßlegende zimmern. Das hat noch immer funktioniert. Und sollte es doch gut gehen, dann darf man sich selbst mit den Erfolgen schmücken. Auch nicht schlecht.</p>
<p><strong>Das Risiko Wutbürger</strong></p>
<p>Bleibt die Frage: Macht der Bürger das Spiel mit? Lässt er sich die Maßnahmen gefallen, die ihm Wohlstand und Wohlergehen schmälern werden, wenn nicht gar rauben? Er, der Bürger, ist zwar an allem schuld, weil er die Politiker gewählt hat, die ihm mit geliehenem Geld das Leben versüßt haben. Aber das wird der Bürger nicht so sehen wollen. Und er hat recht damit. Denn so übel die Hochverschuldung ist, so absurd ist es, dass man harte Maßnahmen ergreift, um die &#8211; anonymen &#8211; Finanzmärkte, die gegen die verschuldeten Staaten und ihre Schuldpapiere wetten, zu beruhigen.</p>
<p>Denn damit löst man das Problem nicht. Angenommen, es wird nicht mehr gegen griechische oder italienische Schuldverschreibungen gewettet, wie soll dann die dicke Kohle mit frei flottierendem Kapital gemacht werden? Dann muss eben gegen andere Werte und Güter gewettet werden, etwa gegen Preise von Nahrungsmitteln, gegen Rohstoffpreise oder dergleichen. Und das wird ebenso verheerende Folgen haben. Vielleicht nicht gleich für uns, sondern zuerst für die Dritte Welt.</p>
<p>Ehe jetzt Müllmänner der Politik und Insolvenzverwalter maroder Staatsfinanzen verheizt werden, wäre es doch viel sinnvoller, die Ursachen solcher Entwicklungen abzustellen: Das existierende Finanzsystem muss dringend reformiert werden. Es ist nicht nur zu zynisch darauf zu vertrauen, dass Haie die Hand, die sie füttern, schon nicht fressen werden. Das ist zu naiv. Und Kindern, die drauf und dran sind, ihr Lieblingsspielzeug aus lauter Übermut (aka Gier) kaputt zu machen, nimmt man es besser aus der Hand&#8230;</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/konitzer.wordpress.com/1924/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/konitzer.wordpress.com/1924/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/konitzer.wordpress.com/1924/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/konitzer.wordpress.com/1924/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/konitzer.wordpress.com/1924/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/konitzer.wordpress.com/1924/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/konitzer.wordpress.com/1924/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/konitzer.wordpress.com/1924/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/konitzer.wordpress.com/1924/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/konitzer.wordpress.com/1924/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/konitzer.wordpress.com/1924/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/konitzer.wordpress.com/1924/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/konitzer.wordpress.com/1924/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/konitzer.wordpress.com/1924/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=konitzer.wordpress.com&amp;blog=5284230&amp;post=1924&amp;subd=konitzer&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Wirkung und Piraten</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Nov 2011 09:35:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>konitzer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Krise der Krise Wenn man Nachrichten liest oder im Radio hört oder im TV sieht, dann ist es ein Wort, das wirklich keiner mehr hören will und kann: &#8222;Krise&#8220;. Wenn es eine veritable Angst vor Inflation gibt, dann vor dem inflationären Gebrauch dieses Wortes. Kein Tag ohne neue Volte zum Schlechten, kein Tag mit einem [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=konitzer.wordpress.com&amp;blog=5284230&amp;post=1910&amp;subd=konitzer&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Krise der Krise</strong></p>
<p>Wenn man Nachrichten liest oder im Radio hört oder im TV sieht, dann ist es ein Wort, das wirklich keiner mehr hören will und kann: &#8222;Krise&#8220;. Wenn es eine veritable Angst vor Inflation gibt, dann vor dem inflationären Gebrauch dieses Wortes. Kein Tag ohne neue Volte zum Schlechten, kein Tag mit einem neuen Plan, alles in den Griff zu bekommen. Zugegeben, das politische Personal für die Perma-Krise ist hochqualifiziert. Papandreou und speziell Berlusconi sind echte Garanten für Sisyphos-Arbeit, denn sie haben beide eine andere Agenda als die der Rettung des Euros: die Rettung der eigenen Karriere bzw. dem Entrinnen strafrechtlicher Verfolgung.</p>
<div id="attachment_1911" class="wp-caption alignleft" style="width: 490px"><a href="http://konitzer.files.wordpress.com/2011/11/1984-front-666x1024.jpg"><img class="size-full wp-image-1911" title="1984-front-666x1024" src="http://konitzer.files.wordpress.com/2011/11/1984-front-666x1024.jpg?w=480&#038;h=738" alt="" width="480" height="738" /></a><p class="wp-caption-text">Cover der englischen Neuausgabe von George Orwells &quot;1984&quot;. Wie zeitgemäß das ist: &quot;Ignorance is Strength&quot;. Silvio Berlusconi &amp; Co,. lassen grüßen.</p></div>
<p>Mich erinnert dieses Trommelfeuer an Krisen-Situationen &#8211; und Krisen-Unkereien &#8211; sehr an die mediale Unterjochung durch Dauerkonflikte, wie sie George Orwell in seinem Roman &#8222;1984&#8243; beschrieben hat. Faszinierend, wie nach 10 Jahren Dauerstress durch den Kampf gegen Osama bin Laden und seine Terrorkommandos jetzt ein neuer Schauplatz von <a title="Angst &amp; Keime" href="http://konitzer.wordpress.com/2011/10/17/angst-keime/">Angst und Schrecken mit viel Potential für &#8222;nachhaltige&#8220; Krisenkultur</a> entstanden ist. Angela Merkel schätzt schon mal, dass es mindestens zehn Jahre dauern wird, bis die Krise des Euros oder wahlweise der Banken oder des Finanzsystems behoben sein könnte. Auch eine Art von Verlässlichkeit.</p>
<p><strong>Mediale Sozialisation</strong></p>
<p>Ich hatte im (Humanistischen) Gymnasium das Privileg, im Deutsch- und Sozialkundeunterricht ca. ausgiebig &#8222;Medienkunde&#8220; zu haben (anno 1972!) und ausgiebig die Wirkungen von Presse, Presseagenturen (!) und TV vermittelt zu bekommen. Aber meine wirksamste mediale Sozialisation habe ich im Englisch-Unterricht bekommen, eben durch Orwells &#8222;1984&#8243;. Da habe ich erahnen können, wie manipulierte und manipulierende Medien Wirkungen auf eine Gesellschaft und ihre Kultur haben können.</p>
<p>Wie viel Wirkung die Medien  wirklich haben, konnte ich dann über Jahre im praktischen Selbstversuch erleben. Bei der Münchner Stadtzeitung und beim WIENER. Mal bitterernst, wenn es um investigative Geschichten wie die <a title="Humor &amp; Justitia" href="http://konitzer.wordpress.com/make-a-difference/humor-justitia/">&#8222;Schwarzen Sheriffs&#8220;</a> oder die Gründung von &#8222;AIDS-KZs&#8220; ging. Oder auch extrem kurios, wenn wir etwa den Müll von Prominenten analysierten oder den reichsten und mächtigsten Deutschen einen Scheck über 1,23 DM schickten, dessen Einlösung teurer als der Wert des Schecks war. (Der ernste Teil war, dass ich jahrelang kein Konto mehr bei einer großen deutschen Bank eröffnen konnte.)</p>
<p><strong>Nächtliche Rache</strong></p>
<p>Die wohl kurioseste Wirkungs-Episode war dann über Jahre die eher anstrengendste. Bei der Münchner Stadtzeitung hatten wir des Öfteren für unsere Leser auch Spiele entwickelt und mit der Zeitung ausgeliefert. Brettspiele mit sehr kreativen und vielleicht auch gemeinen Aufgaben. So bekam man etwa entsprechend viel Punkte für jede Minute, die man einen willkürlich angewählten Telefonpartner im Gespräch hielt.</p>
<p>Was wir damals nicht recht bedacht hatten war die Tatsache, dass solche Spiele gern spät nachts gespielt werden &#8211; und dann die Hemmschwellen eher niedrig sind. Der Endeffekt war jedenfalls, dass ich über Jahre hinweg immer wieder nachts Anrufe bekam &#8211; auch um 3 oder 4 Uhr morgens &#8211; um mit mir viele Minuten am Telefon zu verbringen, um Punkte zu sammeln. &#8211; Wie witzig. &#8211; Aber wir hatten halt findige Leser.</p>
<p><strong>Sind Sie <em>der</em> Konitzer?</strong></p>
<p>Wie sehr TV wirkt, habe ich dann viele Jahre später durch Günther Jauch erleben dürfen. Ich war für meine Ex-Frau Beate, die es in die Sendung &#8222;Wer wird Millionär&#8220; geschafft hatte, als Telefon-Joker vorgesehen. Ich war an dem Tag der Aufzeichnung aber in Italien in Urlaub, aber unser Urlaubsdomizil hatte einen Festnetzanschluss. Nachmittags war schon ein Kontrollanruf &#8211; und dann hieß es, ich sollte mich bis 22.00 Uhr bereit halten, so lange dauert die Aufzeichnung. Kein Problem, ich wartete und drückte Beate die Daumen, dass sie es auf den Stuhl schaffen möge.</p>
<p>Die Zeit verrann, ich war nie weiter als 10 Meter vom Telefon entfernt. Ich traute mich nicht mal aufs Klo zu gehen, man weiß ja nie. Irgendwann war es 22.00 Uhr. Aber ich hielt noch durch, man weiß ja nie. Erst um 22.30 Uhr wagte ich mich auf die Toilette &#8211; und es kam wie es kommen musste, genau dann klingelte das Telefon. Ich schaffte es noch innerhalb der vereinbarten fünf Klingelphasen, und tatsächlich Günther Jauch war am Telefon.</p>
<p>Ich hatte mir eine Strategie zurecht gelegt, wie ich das Gespräch lenken wollte, um möglichst viel Andeutungen zur Frage vorab zu bekommen. Abgesehen davon, dass ich schon gestresst an den Hörer kam, nahm mir Günther Jauch sofort allen Wind aus den Segeln mit der Frage: &#8222;Sind Sie <em>der</em> Michael Konitzer?&#8220; Er kannte mich und meine Arbeit bei der Münchner Stadtzeitung und beim WIENER inklusive meiner investigativen Recherchen und interviewte mich dazu in aller Länge. Auch so kann man Wirkung erzielen. &#8211; Ich habe dann tatsächlich die Frage beantworten können &#8211; es ging um den Ural als drittlängsten Fluss Europas. &#8211; Beate war mir sehr dankbar&#8230;</p>
<p>Die nächsten Tage habe ich dann real erfahren, wie bekannt man werden kann, wenn man in einer gern gesehenen Sendung nur per Telefon erlebbar ist. Die Nachbarschaft, alle Verkäufer, die meinen Namen kennen, Kollegen, Freunde und eher unbekannte Menschen riefen an und schrieben Mails. (Das war noch weit vor Erfindung von Facebook &amp; Co.) Noch Monate später wurde ich immer wieder auf Jauch und meinen Cameo-Auftritt angesprochen.</p>
<p><strong>Ohnmacht vor Piraten</strong></p>
<p>Diese (kleine) Wirkungshistorie von Medien im Hinterkopf, bin ich dann doch erschrocken, wie sehr die etablierten Medien an Durchschlagskraft und Effizienz verloren haben. Den Zeitungsmachern und TV-Redakteuren muss doch der Schrecken in die Glieder gefahren sein, als sie nach der Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses sehen mussten, wie die Piraten fast 8 Prozent der Stimmen eroberten, obwohl sie so gut wie keine Presse bekommen hatten und in keine TV-Runde im Vorfeld der Wahl eingeladen waren. Man kann heute auch abseits der großen Meinungsmacher Wahlerfolge feiern.</p>
<p>Und diesen Gedanken weiter gedacht: Wie wenig Wirkung zeitigt letztlich doch die kontinuierliche Bombardierung der Bevölkerung mit wirtschaftlichen Untergangsszenarien. Wie krisenimmun sind wir letztlich schon geworden. Wir widerstehen nicht nur alljährlich neu beschworenen Killerviren und drohenden Epidemien. Wir geben sogar unbeirrt weiter unser Geld aus, vielleicht sogar etwas mehr mit leichter Hand, wenn es denn schon bald nichts mehr wert ist. Wir lassen uns nicht unterkriegen. &#8211; Und das ist gut so.</p>
<p>Damit hat Orwell nicht gerechnet, dass man immun gegen Panikmache und Krisenbeschwörungen werden kann.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/konitzer.wordpress.com/1910/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/konitzer.wordpress.com/1910/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/konitzer.wordpress.com/1910/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/konitzer.wordpress.com/1910/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/konitzer.wordpress.com/1910/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/konitzer.wordpress.com/1910/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/konitzer.wordpress.com/1910/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/konitzer.wordpress.com/1910/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/konitzer.wordpress.com/1910/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/konitzer.wordpress.com/1910/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/konitzer.wordpress.com/1910/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/konitzer.wordpress.com/1910/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/konitzer.wordpress.com/1910/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/konitzer.wordpress.com/1910/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=konitzer.wordpress.com&amp;blog=5284230&amp;post=1910&amp;subd=konitzer&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Neue Spielregeln</title>
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		<pubDate>Sun, 23 Oct 2011 09:40:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>konitzer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Finanzhaie mit Torschlusspanik  Ich stelle mir das Leben der Finanzjongleure und -spekulanten heute nicht leicht vor. Da haben sie geackert und gebuckelt, Stress ohne Ende, jahrelang, um endlich auch an die Position oben zu kommen, in der man selbst Entscheidungen treffen kann. Vor allem aber, wo man Provisionen bekommt &#8211; oder noch besser &#8211; über [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=konitzer.wordpress.com&amp;blog=5284230&amp;post=1883&amp;subd=konitzer&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Finanzhaie mit Torschlusspanik </strong></p>
<p>Ich stelle mir das Leben der Finanzjongleure und -spekulanten heute nicht leicht vor. Da haben sie geackert und gebuckelt, Stress ohne Ende, jahrelang, um endlich auch an die Position oben zu kommen, in der man selbst Entscheidungen treffen kann. Vor allem aber, wo man Provisionen bekommt &#8211; oder noch besser &#8211; über sie entscheiden kann. Kurz: Wo man so richtig absahnen und &#8222;nachhaltig&#8220; reich werden kann.</p>
<p><a href="http://konitzer.files.wordpress.com/2011/10/shark-bw-02.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1889" title="shark bw 02" src="http://konitzer.files.wordpress.com/2011/10/shark-bw-02.jpg?w=480&#038;h=369" alt="" width="480" height="369" /></a>In all den Jahren haben diese Menschen ihre Vorgänger und Vorvorgänger und Vorvorvorgänger mit Millionen und Abermillionen an Provisionen und Abfindungen etc. in das vermeintliche Nirwana des unkaputtbaren Reichtums abwandern sehen. Sie haben aber warten müssen, bis sie selbst dran waren. Und jetzt auf einmal soll das nicht mehr gelten, soll das nicht mehr funktionieren? Eine wirklich fatale Situation für eine Kaste, der Gier genetisch eingepflanzt zu sein scheint.  (Warum sonst haben sie diesen Beruf gewählt?) Diese Menschen haben nie auch nur im (Alp-)Traum daran gedacht, vielleicht ein Leben lang zu arbeiten &#8211; oder gar bei der Arbeit Glück und Befriedigung erleben zu können oder zu sollen.</p>
<p><strong>Spieler &amp; Dealer</strong></p>
<p>Diese Menschen sind Spieler, und wie jeder Spieler, der zu lange dabei ist, ist er von dem alltäglichen Thrill, den vielen kleinen Siegen (und dem damit verbundenen Reibach) längst trunken. Diese Menschen sind süchtig nach diesem großen Spiel. Deshalb kommen sie auf immer neue Ideen, Geld durch Wetten zu verdienen. Viel Geld! Sie wetten auf Firmen, Märkte, Bodenschätze, auf Lebensmittel, Geld, Währungen und Gold, aber ebenso auf Pleiten, kaputt gehende Märkte und Konkurs gehende Staaten. Und das stets mit geliehenem Geld. Geliehen von Anlegern oder neuerdings gleich vom Staat und seinen Kreditinstituten bis hinauf zu den Zentralbanken. Der Staat drängt den Süchtigen ihren Stoff noch regelrecht auf.</p>
<p>Soll man von solchen Menschen Einsicht erwarten? Darf man da auf die &#8222;Selbstheilungskräfte&#8220; eines Marktes hoffen? Soll man nicht! Darf man nicht! Darf man dann den freien Finanzmärkten ihre Freiheit lassen? Darf man auf keinen Fall, weil Freiheit immer nur mit Verantwortung funktioniert. Und Verantwortung kann nicht funktionieren, wenn es darum geht, (viele, viele!) Millionen zu kassieren &#8211; und die Zeit drängt, an diese noch herankommen zu können! So edel, rein und korruptionsimmun kann kein Mensch sein. Schon gar nicht einer mit dem Gier-Gen.</p>
<p><strong>Entzugs-Therapie</strong></p>
<p>Fragt sich, ob die Politik die Situation in dieser Weise schon kapiert hat? Es geht nicht mehr darum, ob man diesem Treiben Einhalt gebieten muss. Das muss man ganz dringend! Es geht nur noch darum, ob man sich noch eine Entzugs-Therapie leisten kann &#8211; sowohl finanziell, vor allem aber zeitlich. Oder ist es nicht längst so weit, dass nur noch der kalte Entzug funktioniert? Einfach absetzen der Droge &#8211; mit all den absehbaren Folgen: Schweißausbrüchen, Torschlusspanik, Aggression, Verzweiflung, Zerstörung &#8211; Cold Turkey.</p>
<p>Das klingt jetzt vielleicht &#8222;brutal&#8220;. Aber es geht um eine Wertabschätzung. Auf der einen Seite das Bedürfnis weniger, doch noch auf einen Schlag (schöner Begriff) reich werden zu dürfen. Am besten hyperreich, dass es auch über Krisen und Staatsbankrotte hinüber reicht. Auf der anderen Seite das Bedürfnis der ganz vielen, ihr Leben in vergleichsweise geordneten Bahnen weiter leben zu können und nicht dafür verarscht zu werden, dass sie gespart und Geld beiseite gelegt haben. &#8211; Eigentlich müsste der Politik die Entscheidung leicht fallen.</p>
<p><strong>Training für Perma-Instabilität</strong></p>
<p>Und während diejenigen, die wähnen, die Macht zu haben &#8211; die Politik, oder doch das Geld &#8211; über die Zukunft der Finanzsysteme verhandeln, üben wir Normalbürger uns in Gelassenheit. Ganz nach dem Motto: Es ist Krise, aber keiner geht hin. Oder: Unser Geld geht den Bach runter &#8211; aber wir haben schon längst unser Badezeug an. Wie immer, wenn Hiobsbotschaften und Panikmeldungen in Überintensitäten auf uns einprasseln, entwickeln wir nahezu traumwandlerisch (!) eine Sorgen-Imprägnierung, eine Krisenallergie, eine &#8211; um im Bild zu bleiben &#8211; Krokodillederhaut gegen die täglichen Beängstigungen. Wir wissen, das 21. Jahrhundert ist eines der Transition in die Perma-Instabilität. Und wir üben jetzt schon mal dafür, die richtige Mentalität zu entwickeln. Gelassenheit, Gleichmut, aber mit MUT in Versalien: GleichMUT.</p>
<p>Dafür haben wir schon gut und lange geübt. Ob Nachrüstung, Viren, Lebensmittelgifte, radioaktive Verseuchung oder Untergang des Abendlandes. Wir haben aus der Überdosis von Sorgen und Bedrohungen gelernt, lieber mal ganz ruhig zu bleiben. Manchmal zu ruhig. Das hat dann andere ermutigt, einfach so weiter zu machen wie bisher. Vielleicht haben wir mittlerweile unsere Lektionen gelernt: Wir bleiben gelassen und lassen alle Panik an uns vorüber ziehen &#8211; aber wir machen nun endlich den Verantwortlichen klar, dass unsere Geduld am Ende ist. Wenn wir lieb sind, zeigen wir das an Wahlurnen und geben Denkzettel ab. Aber wenn wir richtig sauer sind, gehen wir jetzt auch mal auf die Straße &#8211; oder per Internet.</p>
<p><strong>Netzwerke der kalten Wut</strong></p>
<p>Eine gute Idee: Wir organisieren uns ausgerechnet da, wo die Mächtigen, seien sie Politiker oder Besitzende, sich am allerwenigsten auskennen: im Internet. Gerade die wirklich Mächtigen haben ihre eigenen Netzwerke. Aber dieses Wissen hilft ihnen nicht weiter im großen Netzwerk des Internet . Deshalb reagieren sie ja so panisch bis peinlich auf alles, was sich da an Kraft und Gegen-Macht entwickelt.</p>
<p>Es ist sehr schwierig, ein System zu ändern, das lange ungestört gelaufen ist und das für einige so eindeutige Vorteile von solch riesigen Dimensionen hat. Das schafft mehr als massive Gegenkräfte. (Das ist jetzt täglich real zu erleben.) Das 20. Jahrhundert mit seinen Millionen von Toten, die aufgrund von (Umsturz-)Ideologien gestorben sind, hat sich an der Idee abgearbeitet, das System mit seinen eigenen Mitteln, also Gewalt, zu ändern.</p>
<p>Im 21. Jahrhundert muss das anders funktionieren. Die Finanzspekulanten, die Nutznießer von wirtschaftlichen Ungleichgewichten und Instabilitäten, müssten mit einer neuen, digitalen Kompetenz ausgebremst werden. Daher macht es so Sinn mit Instabilitäten umzugehen zu lernen und wie man durch Netzwerk-Intelligenz alerter und schneller wird. Die Idee ist ganz einfach. Man muss &#8222;nur&#8220; die Spielregeln ändern, dann gewinnt es sich am leichtesten.</p>
<p>Na ja, ein bisschen Wut wäre auch nicht schlecht. &#8211; Kalte Wut. Die wirkt am besten. Weil sie nicht blind macht.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/konitzer.wordpress.com/1883/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/konitzer.wordpress.com/1883/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/konitzer.wordpress.com/1883/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/konitzer.wordpress.com/1883/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/konitzer.wordpress.com/1883/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/konitzer.wordpress.com/1883/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/konitzer.wordpress.com/1883/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/konitzer.wordpress.com/1883/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/konitzer.wordpress.com/1883/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/konitzer.wordpress.com/1883/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/konitzer.wordpress.com/1883/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/konitzer.wordpress.com/1883/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/konitzer.wordpress.com/1883/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/konitzer.wordpress.com/1883/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=konitzer.wordpress.com&amp;blog=5284230&amp;post=1883&amp;subd=konitzer&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Angst &amp; Keime</title>
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		<pubDate>Mon, 17 Oct 2011 22:52:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>konitzer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Don&#8217;t touch Sagrotan  Es gibt nichts Schöneres, als wenn eine Firma wirklich ihre Kunden versteht, ihre geheimen Ängste, ihre verborgenen Wünsche. Und was brauchen zwanghafte Menschen, die sich von Herzen vor Keimen und Bakterien fürchten, dringender als eine Automatik, die ihnen keimtötende Substanzen auf die Hände sprüht, ohne dass sie dafür einen Hebel bedienen müssen? [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=konitzer.wordpress.com&amp;blog=5284230&amp;post=1864&amp;subd=konitzer&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Don&#8217;t touch Sagrotan </strong></p>
<p>Es gibt nichts Schöneres, als wenn eine Firma wirklich ihre Kunden versteht, ihre geheimen Ängste, ihre verborgenen Wünsche. Und was brauchen zwanghafte Menschen, die sich von Herzen vor Keimen und Bakterien fürchten, dringender als eine Automatik, die ihnen keimtötende Substanzen auf die Hände sprüht, ohne dass sie dafür einen Hebel bedienen müssen? Schließlich könnten ja gerade dabei neue Keime auf die Hand kommen. Dass diese Sekunden später durch genau die aufgetragene, Keim vernichtende Substanz abgetötet werden, kümmert einen konsequent zwanghaften Menschen ja nicht.</p>
<span style="text-align:center; display: block;"><a href="http://konitzer.wordpress.com/2011/10/17/angst-keime/"><img src="http://img.youtube.com/vi/1g5HrshuQIA/2.jpg" alt="" /></a></span>
<p>Zwang ist nun mal nicht mit Ratio in Griff zu bekommen. Und das weiß Reckitt Bensicker, die sich auf aggressive Reinigungsprodukte spezialisiert haben. Ihre 17 Keim- &amp; Schmutzvernichter vermarktet die Firma sinnigerweise unter dem Motto <a href="http://www.rb.com/Our-brands" target="_blank">&#8222;Keep Customers Delighted&#8220;</a>. Beispielsweise eben mit &#8222;No Touch Sagrotan&#8220;.</p>
<p>Es lohnt sich auch das Video anzusehen, mit welch unsubtilen Mitteln der Zielgruppe das neue Produkt nahe gebracht wird. Es ist so gesehen dann schon wieder Realsatire. Natürlich sind die Helden des Werbespots Kinder. Die wilden Racker neigen ja dazu, Schmutz und Keime in die so sorgsam steril gehaltenen Küchen zu bringen. Zum Beispiel, in dem sie dort mit (seltsam sauberen) Kröten spielen. Das macht die Patsch-Händchen ganz keimverseucht. (Das wird mit roten Stäbchen auf seltsam krötenfarbenem Untergrund symbolisiert.) Und Mami kocht und fasst rohes Fleisch an &#8211; igittigitt &#8211; und Papi fasst in den Müll &#8211; igittigittigittigitt!</p>
<p><strong>Das Leben endet meistens tödlich</strong></p>
<p>Es ist so leicht, sich über zwanghafte Menschen lustig zu machen, die Angst vor der Wirkung von Keimen und Bakterien haben. Und kein Business ist so leicht und ersprießlich wie das Geschäft mit der Angst. Hier sind Wirkung und Ertrag fast garantiert, weil die Ratio als Kontroll-Element keine Chance hat. Dass die Werbung das so oft und gerne ausnutzt, ist traurig, aber logisch. Schade ist nur, dass ausgerechnet die Medien, denen bislang eigentlich die Rolle der Aufklärung und so der einzig wirksamen rationellen Kontrolle zukamen, jetzt in ihrer selbst verordneten Existenzangst auch lieber auf Ängste als auf deren Abbau setzen. Keine Woche, in der nicht eine Meldung über neue, ganz schlimme <a href="http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,791818,00.html" target="_blank">Keime</a> durch die Medien geistern. Eine ganz sichere Sache das, denn das Leben endet nun mal meistens tödlich&#8230;</p>
<p>Erreger in Lebensmitteln und die Schuldenkrise sind dann auch die beiden größten Ängste der Nation, <a href="http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-72617.html" target="_blank">wie eine Studie feststellt</a>. Entsprechend vergeht kein Tag mit neuen Untergangs-Szenarien des Euro, mit neuen Angstmachereien vor einer Wirtschaftsreform und einer Weltrezession. Nicht umsonst kritisiert die einzig funktionierende deutsche Reflexions-Institution <a href="http://www.zeit.de/2011/41/Fragen-an-Helmut-Schmidt" target="_blank">Helmut Schmidt im aktuellen Interview der <em>Zeit</em> mit Giovanni di Lorenzo</a> die Angstmache der Medien vor dem Verlust der Ersparnisse der Deutschen: &#8222;Wenn es Deutsche gibt, die Angst haben, dann ist ihnen die Angst gemacht worden. Zum Beispiel durch dicke Überschriften im <em>Spiegel</em> oder in der <em>Bild</em>-Zeitung. Dabei wurde die Bankenkrise des Jahres 2008 noch sehr vernünftig zurückhaltend kommentiert. Aber das ist vorbei. Jetzt machen fast alle in Angst – selbst in der <em>Süddeutschen Zeitung</em> habe ich schon gelesen, dass wir es mit einer Euro-Krise zu tun hätten. Aber das stimmt nicht. Wir haben es mit einer Krise der europäischen Institutionen zu tun.&#8220;</p>
<p>Die Wirtschaftspresse, die die erste Bankenkrise in ihrer Wachstumseuphorie so gar nicht hatte kommen sehen, will nicht noch mal auf dem falschen Fuß erwischt werden. Um so energischer und drastischer werden jetzt gebetsmühlenartig Untergangs- und Verarmungs-Szenarien gemalt. Mit dieser Haltung weiß man sich auf der sicheren Seite. Sollte es nun doch nicht so schlimm kommen, wird einem das im Nachhinein keiner übel nehmen.</p>
<p><strong>Die Kartelle der Angst</strong></p>
<p>Pavel Mayer, einer der Piraten, die in das Berliner Abgeordnetenhaus eingezogen sind, beschreibt in einer <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/netzfreiheit-die-antwort-der-piraten-11495541.html?utm_medium=referral&amp;utm_source=pulsenews" target="_blank">Replik auf <em>faz.net</em></a> gut die &#8222;Kartelle der Angst&#8220;, die ihre Besitzstände zu verteidigen suchen: &#8222;Da sind die „Kartelle der Angst“, die sich dem Wandel entgegen stemmen. Es sind mehr oder weniger mächtige Interessengruppen, die Angst vor Veränderung haben. Sie glauben, dass ihre bisherigen wirtschaftlichen und politischen Erfolge sie moralisch dazu berechtigen, die Regeln der neuen Welt bestimmen zu können. Sie wollen weiter erfolgreich und mächtig sein, ohne sich so radikal ändern zu müssen, wie es die neuen Umstände der digitalen Welt erfordern.&#8220; Was Pavel Mayer vergisst &#8211; oder übersieht &#8211; sind die Mittel, die diese Kartelle zur Verteidigung ihrer Besitzstände nutzen: Angst, blanke Angst. Ein Mittel, das in Deutschland schon immer funktioniert hat. Und in den USA sowieso.</p>
<p>Man erinnere sich nur an die Vision eines Unterdrückungsstaates, wie ihn George Orwell einst mit &#8222;1984&#8243; beschrieben hat. Wer dieses Werk nur als Warnung vor Faschismus und/oder Stalinismus interpretieren mag, der greift zu kurz. Bei mir hat schon damals, als wir den Roman in der Schule (!) behandelt haben, vor allem die kontinuierliche Angstmache mittels Terrorismus, Krieg und anderen Katastrophen Beklommenheit ausgelöst. Schaut man heute Tag für Tag Nachrichten, sind wir so weit davon nicht entfernt. Einziger Unterschied ist, dass es uns im Gegensatz zu &#8222;1984&#8243; wirtschaftlich gut geht. Umso besser funktioniert das Schreckgespenst, dass es damit schon bald vorbei sein könnte.</p>
<p><strong>Die Stimme der Optimisten</strong></p>
<p>Umso willkommener sind in diesen Zeiten die Stimmen von Gelassenheit und Optimismus. Matthias Horx, der nun wirklich nicht im Rufe eines Euphorikers steht, predigt in einem mehr als<a href="http://www.fr-online.de/meinung/gelassenheit-und-wahn,1472602,10974846.html" target="_blank"> lesenswerten Artikel in der <em>Frankfurter Rundschau</em></a> auf überzeugende Weise Gelassenheit: &#8220;Angst ist ein Geschäft. Das muss man wissen, wenn man Krisen begreifen will. In einer durchgängig vernetzten Medienwelt bildet sich eine eigene Erregungs-Ökonomie, mit eigenen Gesetzen und neuen Stars. Aber auch hier gilt: Die Karawane wird weiterziehen. Was gestern die Islam-Angst war, ist heute Euro-Hysterie. Sich diesem Zirkus zu verweigern, das Spiel nicht mitzuspielen, ist eine Form mentalen Widerstands.&#8220;</p>
<p>Die Steigerung von Gelassenheit ist aktiver Optimismus &#8211; oder sogar der Glaube an das Gute &#8211; oder gar an die positive Absicht der Evolution. Der beste Protagonist dafür ist Matt Ridley. Sein Vortrag <a href="http://www.ted.com/talks/lang/eng/matt_ridley_when_ideas_have_sex.html" target="_blank">&#8222;When Ideas Have Sex&#8220; auf der TED-Konferenz</a> ist auf alle Fälle als Mutmacher und Kraftgeber immer wieder sehenswert. Inzwischen ist sein Buch &#8222;Wenn Ideen Sex haben&#8220; auch in Deutschland erschienen. <a href="http://blogs.sueddeutsche.de/feuilletonist/2011/10/15/alles-wird-gut/" target="_blank">Andrian Kreye hat es sehr gut und ausführlich in der Literaturbeilage der Süddeutschen Zeitung bewertet.</a>  Es tut einfach gut, auch aus wissenschaftlicher Sicht positive Nachrichten zu bekommen.</p>
<p><strong>Schule zu Lebensmut</strong></p>
<p>Ich bin einst als 16-Jähriger sehr nachhaltig von Zukunftsangst und Miesepetrigkeit geheilt worden (von einigen Rückfällen abgesehen). Es war ein alter, blinder Mann, der mir das ausgetrieben hat. Mein Vater hatte zu seinen Junggesellenzeiten im Berlin der Vorkriegszeit ein möbliertes Zimmer bei der Familie Kleina. Nach dem Tod meines Vaters besuchten wir noch einmal Hannes Kleina und seine Frau. Er war damals über 70, seit Jahren blind, er hatte Krebs und wusste, dass er nur noch wenige Zeit zu leben hatte.</p>
<p>Ich hatte aber noch nie zuvor (und ganz selten danach) einen Menschen mit solcher Lebenslust und solchem Lebensmut getroffen. Er genoss jeden Tag, war politisch informiert (per Radio &amp; vorgelesener Zeitung), er ging ins Fußballstadion zu Hertha. Er sprühte vor Ideen, Begeisterung und war sich für sexuelle Scherze nicht zu schade. &#8211; Ich weiß noch, wie ich nach dem Besuch im Treppenhaus auf dem Weg nach unten geflennt habe. Seine positive Art war damals zuviel für mich gewesen. Sein Motto: &#8222;Ich habe nicht mehr lange zu leben, warum soll ich mir da auch nur eine einzige Stunde vermiesen lassen.&#8220; Das beste Gegenmittel gegen Angstmache und ihre Folgen: LebensMUT!</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/konitzer.wordpress.com/1864/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/konitzer.wordpress.com/1864/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/konitzer.wordpress.com/1864/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/konitzer.wordpress.com/1864/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/konitzer.wordpress.com/1864/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/konitzer.wordpress.com/1864/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/konitzer.wordpress.com/1864/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/konitzer.wordpress.com/1864/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/konitzer.wordpress.com/1864/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/konitzer.wordpress.com/1864/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/konitzer.wordpress.com/1864/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/konitzer.wordpress.com/1864/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/konitzer.wordpress.com/1864/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/konitzer.wordpress.com/1864/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=konitzer.wordpress.com&amp;blog=5284230&amp;post=1864&amp;subd=konitzer&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Wies&#8217;n-Special: Rausch als The Difference</title>
		<link>http://konitzer.wordpress.com/2011/09/30/rausch-difference/</link>
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		<pubDate>Fri, 30 Sep 2011 20:57:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>konitzer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Fremdeln in Tracht Woran erkennt auch der medienscheueste Münchner, wenn Wiesn-Zeit ist? Richtig, plötzlich trifft man überall in der Stadt Menschen in Tracht. Vor allem sind dabei sehr viele Menschen, die Dirndl und Lederhosen sichtlich das erste Mal in ihrem Leben tragen. Das merkt man nicht nur, wenn sächsische, schwäbische oder andere fremdsprachige Laute aus Lederbuxen und/oder [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=konitzer.wordpress.com&amp;blog=5284230&amp;post=1852&amp;subd=konitzer&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Fremdeln in Tracht</strong></p>
<p>Woran erkennt auch der medienscheueste Münchner, wenn Wiesn-Zeit ist? Richtig, plötzlich trifft man überall in der Stadt Menschen in Tracht. Vor allem sind dabei sehr viele Menschen, die Dirndl und Lederhosen sichtlich das erste Mal in ihrem Leben tragen. Das merkt man nicht nur, wenn sächsische, schwäbische oder andere fremdsprachige Laute aus Lederbuxen und/oder Rüschendekolletees tönen. Denn merke: Je fremder und unwohler man sich in bayerischer Traditionskleidung fühlt, desto mehr und  lauter spreche ich.</p>
<div id="attachment_1854" class="wp-caption alignleft" style="width: 490px"><a href="http://konitzer.files.wordpress.com/2011/09/ministry-of-silly-walks.jpg"><img class="size-full wp-image-1854" title="ministry-of-silly-walks" src="http://konitzer.files.wordpress.com/2011/09/ministry-of-silly-walks.jpg?w=480&#038;h=375" alt="" width="480" height="375" /></a><p class="wp-caption-text">Monty Python: Ministry of Silly Walks</p></div>
<p>Das verräterischste Merkmal eines ungeübten Trachtenträgers sind neben völlig unzulässigen Kombinationen von Accessoires seltsame Bewegungs-Anomalien. Mädels von auswärts in Dirndln nesteln am Dekolletee und versuchen &#8211; vergeblich &#8211; zu kurze Rücke nach unten zu verlängern. Die Buben und Herren in ungewohnten Lederhosen haben einen seltsam gestelzten Gang, als seien sie in ein zu steifes, zwickendes Lederfutteral gesteckt worden. Und genau so ist es.</p>
<p><strong>Ministry of Silly Walks</strong></p>
<p>Was aber im Stadtbild noch mehr auffällt &#8211; etwa ab 14:00 Uhr jeden Tag &#8211; sind Menschen, die direkt aus dem <a href="http://www.youtube.com/watch?v=i5Jyu6eioZ4" target="_blank">&#8222;Ministry of Silly Walks&#8220; (aus dem legendären Sketch von Monthy Python)</a> entsandt zu sein scheinen. Es gibt nichts Erheiterndes als den Versuch von Menschen, die konzentriert versuchen, vor der Öffentlichkeit zu verbergen, dass sie am hellichten Tag schon zuviel Bier erwischt haben. Besonders absurd wird das natürlich, wenn solche Personen kurze Lederhosen mit Brustgeschirr und karierte Hemden tragen. Jeder Schritt ist zu groß oder zu klein, zu langsam, zu bemüht und natürlich unstet. Und je mehr versucht wird, das mit einem breiten, nicht sehr intelligenten Grinsen zu kaschieren, um so schlimmer wird es.</p>
<p>Je später der Abend, desto verrückter werden die Geh-Deformationen &#8211; und die Bemühungen, sie zu kaschieren tendieren gegen Null. Die Burschen sind viel zu sehr damit beschäftigt, das Ziel mit großen Umwegen zu erreichen und dabei das Gleichgewicht zu halten, als dass noch auf Wirkung nach außen geachtet werden kann. Gäbe es das &#8222;Ministry of Silly Walks&#8220; heute noch, es müsste zu Recherchezwecken unbedingt eine Webcam aufstellen, die Menschen auf dem Weg vom Bierzelt zum Pissoir aufzeichnet. Ich denke, dass die U-Bahn-Angestellten, die die Monitore der Überwachungskameras an den Wies&#8217;n-Haltestellen überwachen, alle zwei Stunden wegen akuter Zwerchfellerschöpfung ausgetauscht werden müssen.</p>
<p><strong>Theorie des Suri</strong></p>
<p>Wer mit einem analytischen Auge und hoher Toleranzschwelle das Oktoberfest besucht, und dann nicht zu viel Bier erwischt, der kann  sehr gut die verschiedenen Stadien der Betrunkenheit feststellen. Es ist bezeichnend, dass die bayerische Sprache dafür auch unterschiedliche Begriffe geprägt hat, die es so im Hochdeutschen &#8211; und anderen Weltsprachen &#8211; nicht gibt. Der schönste Begriff in diesem Zusammenhang ist der &#8222;Suri&#8220;. Das ist der Zustand, der sich so langsam nach einer zügig getrunkenen Maß Oktoberfestbier einstellt, vor allem wenn einem dabei die Sonne voll aufs Hirn scheint.</p>
<p>&#8222;Suri&#8220; wird in den einschlägigen Wörterbüchern mit &#8222;Rausch&#8220; oder &#8222;Schwips&#8220; übersetzt. Beides ist grundfalsch. Der &#8222;Suri&#8220; ist eben (noch) kein Rausch. Es ist der Zustand, in dem man den Rausch erahnen kann, der die Welt um einen seltsam wattig aber zugleich sehr schön und angenehm wirken lässt. Er ist das bayerisch zurückgenommene Äquivalent zur Euphorie und ist dem Gefühl nahe, mit der weichen Seite der Faust einen liebevollen, aber veritablen Schlag auf die Stirn bekommen zu haben. Das Schöne am Suri ist, dass er keine negativen Folgeerscheiningen (Unwohlsein, Kater etc.) nach sich zieht. Er ist sozusagen die wohlseitige Variante des Rausches. Und es ist der Zustand, in dem die Kontrolle über die Gehmotorik langsam verloren geht.</p>
<p><strong>Die Nebenwirkungen der Süffigkeit</strong></p>
<p>Es ist ja auch bezeichnend, dass als Beschreibung für das Wiesnbier der Begriff &#8222;süffig&#8220; erfunden wurde, der sich von &#8222;saufen&#8220; ableitet. Einen Begriff, den andere Sprachen gar nicht kennen oder anders interpretieren. &#8222;Quaffable&#8220; im Englischen meint, dass man ein Gebräu sehr gut in großen Schlucken vertilgen kann, also die Vorbedingung zum <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Binge-Drinking" target="_blank">&#8222;binge drinking&#8220;</a> erfüllt. Das Italienische kennt das Wort beverino, was aber eher gut trinkbar meint und eher Weinqualität beschreibt.</p>
<p>Wenn man im Zustand des Suri nicht das Trinken langsam ausschleicht, ist der Weg zum Rausch nicht weit. Und das ist auf der Wiesn nur das Zwischenstadium zum &#8222;Fetzen Rausch&#8220;, dessen Nachwirkungen man dann am späten Abend in den verschiedenen Fahrzeugen des Öffentlichen Nahverkehrs in aller deprimierenden Deutlichkeit des Neonlichtes begutachten darf, wenn auch die letzte lederhosen-bedingte Steifheit völliger Erschlaffung gewichen ist.</p>
<p><strong>Die Kultur des Rausches</strong></p>
<p>Nein, wir schließen uns an dieser Stelle nicht dem üblichen Lamento an, dass das Oktoberfest doch nur ein widerliches Massenbesäufnis ist, eine staatlich sanktionierte und touristisch hoch willkommene Massen-Drogen-Darreichung. Der Rausch, vor allem der gemeinsam vollzogene Rausch, ist ein hohes und sehr altes Kulturgut. In allen Kulturen seit der Steinzeit wurde dem Rausch gefrönt, seien es Bier, Met, halluzinogene Pilze, Cannabis oder sonstige Rauschmittel gewesen. Selbst in der Bibel wird der maßvolle Rausch (Suri!) als positiv, weil fröhlich machend gesehen. Und noch in den indogensten Stämmen des Amazonas ist der Rausch Teil der Kultur und des Soziallebens.</p>
<p>Zwei steile Thesen gibt es, warum wir Menschen berauschende Momente dringend benötigen. Die erste, religiöse Variante ist, dass uns kulturhistorisch der Rausch aus unserem lapidaren Menschsein für Stunden befreit und uns den Göttern näher bringt. Die zweite, psychologische Interpretation ist, dass uns der Rausch dabei hilft, das stets verdrängte Bewusstsein, dass wir alle einmal sterben müssen, auszuhalten. Es bringt uns für Stunden dem Tode (je nach Dosis) sehr nah &#8211; wir springen ihm aber am nächsten Tag wieder vom Schippchen.</p>
<p>Es ist daher sehr faszinierend zu sehen, welche meiner Freunde fast jeden Tag diese Nähe zu Tod und Gott suchen. Facebook, Foursquare &amp; Co. enttarnen die notorischen Wiesnbesucher.</p>
<p>Prost &#8211; samma wieda guad!</p>
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		<title>Asymmetrie des Wissens</title>
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		<pubDate>Tue, 13 Sep 2011 22:36:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>konitzer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Sokrates hat recht &#8211; teilweise zumindest &#8222;Ich weiß, dass ich nicht weiß&#8220; &#8211; Es ist doch manchmal ein Vorteil, auf einem Humanistischen Gymnasium gewesen zu sein. So hat man die wesentliche Erkenntnis von Sokrates früh vermittelt bekommen &#8211; und auch noch inhaltlich richtig im Sinne: &#8222;Ich weiß als Nicht-Wissender.&#8220; Dieses Prinzip sollte der Ausgangspunkt eines lebenslangen [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=konitzer.wordpress.com&amp;blog=5284230&amp;post=1822&amp;subd=konitzer&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Sokrates hat recht &#8211; teilweise zumindest</strong></p>
<p>&#8222;Ich weiß, dass ich nicht weiß&#8220; &#8211; Es ist doch manchmal ein Vorteil, auf einem Humanistischen Gymnasium gewesen zu sein. So hat man die wesentliche Erkenntnis von Sokrates früh vermittelt bekommen &#8211; und auch noch inhaltlich richtig im Sinne: &#8222;Ich weiß als Nicht-Wissender.&#8220; Dieses Prinzip sollte der Ausgangspunkt eines lebenslangen (In-)Fragestellens sein &#8211; und der Reflexion &#8211; auch über sich selbst.</p>
<p><strong></strong><a href="http://konitzer.files.wordpress.com/2011/09/sokrates.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1837" title="sokrates" src="http://konitzer.files.wordpress.com/2011/09/sokrates.jpg?w=480" alt=""   /></a>Heute wissen sehr viele Datenbanken sehr viel über mich &#8211; davon darf man ausgehen.Vorgeblich können damit Profile über mich erstellt werden, die meine innersten, vielleicht auch geheimsten Wünsche entlarven. Es heißt sogar, die Algorithmen der Datenbankeigner durchschauen mich irgendwann besser als ich mich selbst. &#8220;Ich kenne dich besser als du selbst!&#8220; Diesen Satz habe ich einst aus dem Mund meiner Mutter gehört, als ich ernst machte mit der Abnabelung von zuhause. Und ich wusste damals nur allzu gut, dass sie nicht recht hatte. (!!!)</p>
<p><strong>Manipulation statt Anamnese</strong></p>
<p><strong></strong>Ähnlich geht es mir mit den Datenbankprofilen. Ich bin mir relativ sicher, dass die Komplexität, die Sensibilität und Intelligenz von Maschinen und die sie steuernden Algorithmen so lange mehr als beschränkt sein müssen, solange sie von Menschen programmiert werden. Vor allem auch so lange, als der erwünschte Erkenntnisgewinn von psychologisch eher schlicht gestrickten Marketing- und Vertriebsmanagern bestimmt wird. <a href="http://konitzer.wordpress.com/2011/08/26/der-glaserne-mensch/">(Siehe dazu auch meinen Blogeintrag: Der Gläserne Mensch.)</a></p>
<p>Eine tiefenpsychologische Anamnese eines Kunden, wie sie mit einem umfangreichen Arsenal von im Internet und Konsumenten-Datenbanken gesammelten Daten im Idealfall möglich sein könnte, ist nur hilfreich, wenn dabei wirklich verborgene Wünsche zu Tage kämen, die den Menschen individuell weiterbringen &#8211; und die dazu noch real finanzierbar wären. Meine Befürchtung aber ist, dass es Marketing und Vertrieb immer noch viel zu gerne darauf anlegen, Konsumenten zu manipulieren, um ihnen statt individuell gewünschter (und finanzierbarer) Wunschprodukte lieber irgendwelche Produkte aufzuschwätzen, die sie nicht brauchen, die sie sich nicht leisten können. Das alles nur der lieben Rendite und womöglich der Bonifikation der jeweiligen Manager zuliebe.</p>
<p><strong>Wissen ist Macht</strong></p>
<p><strong></strong>So lange das hierarchische Prinzip der alten Produktions- und Vermarktungsweise von oben nach unten weiter beibehalten wird und die Haltung praktiziert wird, dass man selbst (oben) am besten weiß, was die Kunden wollen, kann eine Analyse oder Interpretation von Kunden anhand von Daten nicht funktionieren. Solange nicht sichtbar und real erlebbar wird, dass Kundendaten zugunsten der Kunden, gerne auch in einer Win-Win-Situation, ausgewertet werden, sondern zur Erhöhung von Umsätzen und Renditen, vulgo zur Belohnung der Einfallslosigkeit von Produktentwicklern und Vermarktern, muss man bei allem Verständnis für eine offene Datenwelt der Zukunft erst einmal noch Vorsicht walten lassen, sprich die Privatsphäre des Einzelnen mittels Datenschutz berücksichtigen. Das kann man restriktiv tun, wie es in Europa und speziell in Deutschland allzu gerne betrieben wird, es ginge aber auch anders.</p>
<p>Zur Zeit ist die Wissensmacht im Internet schmerzhaft asymmetrisch. Die Datensammler wissen so viel über uns, wenn sie die richtigen Daten verknüpfen und intelligent daraus Schlüsse ziehen. Wir dagegen haben keinerlei Ahnung, was genau über uns gespeichert ist, ob die Daten überhaupt zutreffend sind &#8211; und am wenigsten ahnen wir, welche Schlüsse die auswertenden Algorithmen über uns ziehen. Was ist da zu unserer Kreditwürdigkeit errechnet worden &#8211; und mit welchen Daten? Welche geheimen Bedürfnisse sind über uns ermittelt &#8211; und gespeichert? Gelten wir als guter, als schlechter, als renitenter oder als dummdoofer Kunde? Wir haben davon keine Ahnung. Die einen sitzen im Dunkeln &#8211; und die anderen wissen &#8211; angeblich &#8211; alles.</p>
<p><strong>Das Gleichgewicht des Datenschreckens</strong></p>
<p>Diese Asymmetrie ist so nicht akzeptabel. Um wenigstens ein wenig ein Gleichgewicht (des Datenschreckens) herzustellen, müsste für jeden Einzelnen von uns Einsicht auf alle über uns gesammelten Daten gegeben werden &#8211; und die Schlüsse, die daraus gezogen werden (können). Und wirklich alle Daten, natürlich nur für jeden einzelnen User. Und natürlich darf dieses Wissen nicht als undurchsichtiger Datenwust präsentiert werden, sondern ganz schick aufbereitet.</p>
<p>Wie so etwas aussehen kann, machen etwa die unterschiedlichen Monitoring-Dienste schon mal vor. Da kann man zu den Social Media Daten, die zu einem Stichwort, einem Firmennamen etc. gesammelt werden, in schön aufbereiteten Tortengrafiken, in Manometer-Skalen, in Statistik-Balken &#8211; und natürlich in bunten Farben. Digital Dashboard heißt so etwas, das digitale Armeturenbrett. Dort ließe sich etwa ganz kulinarisch die eigene Kreditwürdigkeit ablesen &#8211; samt möglicher Bewegung hin zum roten Bereich. Man könnte seine Obsessionen in bunten Info-Grafiken bewundern, samt ihrer kontinuierlichen Veränderungen. Man kann seine Hitzigkeit im Umgang mit Behörden oder Call Centern an einem Thermometer ablesen. Der Kreativität an Inhalten und grafischer Umsetzung ist hier Tür und Tor offen.</p>
<p><strong>Bequemes Ego-Mirroring</strong></p>
<p>So gerne, wie heute Menschen Ego-Googeling betreiben, so bereitwillig würde solch digitale Ego-Bespiegelung angenommen werden, keine Frage. In einer narzisstoiden Gesellschaft, wie wir es sind, ist solch ein Tool die ultima Ratio. &#8211; Ja man könnte sogar vielleicht bestimmte Daten und Auswertungen für die Öffentlichkeit freigeben und könnte damit lustige Vergleiche &#8211; und Spiele &#8211; starten. So könnte gar das reale Leben zum Spielfeld werden. Und die Partnervermittlungen im Netz könnten sich die albernen Persönlichkeits-Tests sparen &#8211; und gleich ihre Parameter für eine gelungene Paarkonstellation mit realen Daten von Usern füttern.</p>
<p>Scherz beiseite. Die Asymmetrie des Datenwissens kann nicht auf Dauer akzeptiert werden. Es baut eine (neue) Hierarchie des Wissens auf, ausgerechnet im Digitalen Raum, der bisher alle bestehenden Hierarchien eingerissen hat. Auf alle Fälle müssen alle wirklich wesentlichen Daten, vor allem persönlichkeitskritische Informationen wie Kreditwürdigkeit, Zahlungsverlässlichkeit, strafrechtliche Erkenntnisse, Einreiseverbote, Bewegungsprotokolle etc. einsehbar sein.</p>
<p>Es gab &#8211; und gibt laufend &#8211; zu viele Falscheinträge, Verwechslungen und Daten-Irrläufer, die immer wieder zu kritischen Situationen führen. Die Polizei verhaftet Namens-Zwillinge. Ein Tippfehler hat oft dramatische Folgen, wenn es um Job, Geld, Steuern oder andere brisante Themen geht. Und Datenirrläufer werden immer mehr, je mehr Daten gesammelt  und verarbeitet werden. Das ist unausweichlich. Und wenn schon, möchte ich für mein Verhalten &#8222;büßen&#8220; &#8211; und nicht das eines virtuellen Doppelgängers.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/konitzer.wordpress.com/1822/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/konitzer.wordpress.com/1822/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/konitzer.wordpress.com/1822/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/konitzer.wordpress.com/1822/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/konitzer.wordpress.com/1822/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/konitzer.wordpress.com/1822/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/konitzer.wordpress.com/1822/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/konitzer.wordpress.com/1822/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/konitzer.wordpress.com/1822/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/konitzer.wordpress.com/1822/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/konitzer.wordpress.com/1822/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/konitzer.wordpress.com/1822/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/konitzer.wordpress.com/1822/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/konitzer.wordpress.com/1822/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=konitzer.wordpress.com&amp;blog=5284230&amp;post=1822&amp;subd=konitzer&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Das Ende des Individualismus</title>
		<link>http://konitzer.wordpress.com/2011/09/01/ende-des-individualismus/</link>
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		<pubDate>Thu, 01 Sep 2011 11:03:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>konitzer</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Individualisierung]]></category>
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		<description><![CDATA[Propriozeption &#8211; der soziale Gleichgewichtssinn Jetzt mal kurz innehalten, alle Ablenkung abschotten und sich ganz auf sich selbst konzentrieren. Wie steht es um einen in diesem Augenblick? Ist alles in Ordnung? Man sitzt, steht, liegt? Die Welt dreht sich unentwegt. Wir haben genug Sinne, um uns jederzeit in dieser Welt orientieren zu können, selbst bei [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=konitzer.wordpress.com&amp;blog=5284230&amp;post=1796&amp;subd=konitzer&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Propriozeption &#8211; der soziale Gleichgewichtssinn</strong></p>
<p>Jetzt mal kurz innehalten, alle Ablenkung abschotten und sich ganz auf sich selbst konzentrieren. Wie steht es um einen in diesem Augenblick? Ist alles in Ordnung? Man sitzt, steht, liegt? Die Welt dreht sich unentwegt. Wir haben genug Sinne, um uns jederzeit in dieser Welt orientieren zu können, selbst bei völliger Dunkelheit. Unsere Wahrnehmungssensoren melden ob es laut ist oder leise, warm oder kalt, ob wir uns bewegen oder still stehen, sitzen oder liegen. Das melden uns feinste Härchen in unserem inneren Ohr. Wir wissen wenn ohne Panik &#8211; stets wo oben ist oder unten &#8211; das melden unsere Augen oder in der Dunkelheit die Lage des Speichels in unserem Mund.</p>
<p><a href="http://konitzer.files.wordpress.com/2011/08/one_hand_handstand.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1799" title="One_hand_handstand" src="http://konitzer.files.wordpress.com/2011/08/one_hand_handstand.jpg?w=480" alt=""   /></a>Propriozeption (von lat. proprius &#8211; eigen und recipere &#8211; aufnehmen) nennt man unsere Fähigkeit der Eigenwahrnehmung und der stets, meist unbewussten Verortung von uns in der uns umgebenden Welt. Das brauchen wir dringend, vor allem unsere Psyche braucht diese Versicherung dringend. Wer nur eine Fähigkeiten zur Selbstwahrnehmung verliert, hat unausweichlich Probleme; funktionieren mehrere der dafür nötigen Sensorien nicht mehr, hat unsere Psyche ein ernsthaftes Problem.</p>
<p><strong>Sozialer Gleichgewichtssinn</strong></p>
<p>Nicht viel anders als im physisch-biologischen System geht es uns in unserem sozialen Umfeld. Auch hier müssen wir uns unentwegt unserer momentanen Lage versichern. Liegen wir richtig oder liegen wir falsch? Ist alles im Gleichgewicht? Liegen wir zurück oder eilen wir voraus? Ist es warm um uns oder eher kalt? Sind wir geliebt oder nicht? Geachtet? Akzeptiert? Jedem sozialen Wesen, das nicht zum sozialen Autisten verkümmert ist, ist eine funktionierende soziale Verortung wichtig.</p>
<p>Dieses Bedürfnis ist historisch gesehen vergleichsweise neu, es entstand erst mit der Ausprägung eines starken Individualismus in unseren Wohlstandsgesellschaften in diesem Jahrhundert &#8211; speziell nach dem 2. Weltkrieg. Früher war die soziale Verortung naturgegeben, der soziale Rang war durch Stand, Geschlecht, Religion, Geld und Abstammung vorgegeben. Nur mit äußerster Anstrengung war dem auszukommen &#8211; und dann war die Außenseiterstellung unausweichlich.</p>
<p><strong>Auf der Suche nach dem Ich</strong></p>
<p>Seit wir gesellschaftliche Klassen, Normen und Werte gesprengt und verdrängt haben, sind wir (vergleichsweise) frei in der Wahl unserer gesellschaftlichen Rollen und unserer Selbstdarstellung. Wir sind, wie der französische Soziologe Jean-Claude Kaufmann in seinem Buch <a href="http://www.amazon.de/Die-Erfindung-Ich-Theorie-Identit%C3%A4t/dp/3896695339/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;qid=1314741157&amp;sr=8-1" target="_blank">&#8222;Die Erfindung des Ich&#8220;</a> so überzeugend darstellt, permanent auf der Suche nach neuem Input für die immer neue Ausgestaltung, immer aktuelle Kalibrierung unseres Ich.</p>
<p>Wir brauchen immer neue Anregungen, immer neue Ideen, immer neue Optionen zur persönlichen Ausdifferenzierung. Das ist der Wesensinhalt  unseres Daseins als Individualist, wir wollen unverwechselbar sein (werden), ein Solitär &#8211; aber kein Unikum. Denn zugleich wie wir die nötigen Anregungen für unsere Ausdifferenzierung aus Gesellschaft und Medien, von Peers und Role-Models brauchen, so dringend brauchen wir, wenn wir diese Anregungen annehmen und unser Ich damit neu justieren, die Rückmeldung dazu aus unserem Umfeld. Liegen wir so richtig? Beeindrucken wir unser Umfeld &#8211; oder sind wir zu weit oder in die falsche Richtung gegangen &#8211; und unser Umfeld geht da nicht mit und/oder findet das nicht gut?</p>
<p><strong>Das Sozial-Barometer</strong></p>
<p>Dieser Abstimmungsvorgang ist ein schwieriger Vorgang. Das lief bisher über komplexe informelle Kanäle, oft nonverbal. Ein staunender Blick, ein abschätziger Blick. Ein zustimmendes Brummen, ein Seufzen oder Missfallensgeräusch. Ein Flirt oder ein Abrücken &#8211; die gesamte Palette unausgesprochener Meinungsäußerungen kam da zur Anwendung. Zugleich wurde auch die große Bandbreite des sozialen Geräuschs dafür zu Rate gezogen: der verletzende Witz, die spitze Bemerkung, der Klatsch hinter dem Rücken, die abschätzige Geste &#8211; oder positiv: das Lob, das Kompliment, der freundliche Scherz, die Anerkennung &#8211; der Daumen nach oben.</p>
<p>Die Menschen um uns herum brauchen wir dringend als Projektionsfläche unserer Individualgestaltung. Nur mit ihnen kann eine stets individuelle persönliche Evolution funktionieren. Und nur durch die Reaktion des Umfelds und mithilfe ihres Feedbacks können wir erahnen, ob sich unsere Mühe der individuellen Ausdifferenzierung gelohnt hat &#8211; oder nicht. Nur mit der Affirmation des sozialen Umfelds funktioniert unser Spiel der Individualisierung.</p>
<p><strong>Der Segen der Social Media</strong></p>
<p>Bis noch vor kurzem war das Spiel der individuellen Ausdifferenzierung, der Beschaffung der dafür nötigen Anregungen, vor allem aber die Justierung der individuellen Fortentwicklung mittels der Reaktion des sozialen Umfelds ein Prozess, der immer mehr Schwierigkeiten bereitete. Speziell in einer Single-Gesellschaft waren die Beschaffung kompetenter Reaktionen und die Evaluierung der jeweiligen Zustimmung oder Ablehnung ein äußerst diffiziles Unterfangen. Da musste dringend Abhilfe geschaffen werden.</p>
<p>Und siehe da, es entstanden die Social Media. Die so explosive Verbreitung der Social Media-Plattformen, allen voran Facebook, ist nicht zuletzt auch damit zu begründen, dass sie die soziale Propriozeption so schnell, so einfach und so wirkungsvoll gemacht haben. Hier ist ein wirkungsvoller und individualisierender Markt von Anregungen direkt aus dem sozialen Umfeld oder seitens Vorbildern und Peers (Twitter!) entstanden. Vor allem aber fungieren Social Media vorbildlich als Projektionsfläche der individuellen Ausdifferenzierung &#8211; und als optimale Feedback-Plattform.</p>
<p><strong>Social Convenience</strong></p>
<p>Das funktioniert einerseits durch eine wirklich optimale Convenience: Anerkennung durch das Minimal-Signal des Drückens eines &#8222;Like&#8220;-Buttons auszudrücken &#8211; einfacher geht es wirklich nicht. Zum anderen ist der (scheinbar) paradoxe Mix aus Anonymität der virtuellen Sphäre des Internet und der scheinbaren Intimität eines ausgewiesenen &#8222;Freundeskreises&#8220; das ideale Ambiente für soziale Affirmation oder auch nachjustierender Korrektur.</p>
<p>Die Anzeige von Likes, die Kommentare zu Bildern und Bemerkungen, die witzigen Kommentar-Kaskaden bei besonders gelungenen Meldungen in Social Media-Plattformen, das isteben nicht (nur) willkommene Seelen-Nahrung für die narzisstoide Gesellschaft von heute, sondern sie sind dringend benötigtes Futter für die Ausgestaltung der Abermillionen von Ichs in unserer Gesellschaft von Individualisten. Der Erfolg von Social Media-Plattformen wird sich nicht zuletzt auch immer daran bemessen, wie gut sie für die soziale Propriozeption funktionieren &#8211; oder eben nicht.</p>
<p><strong>Das Ende des Individualismus</strong></p>
<p>So sehr Social Media die Individualisierung unterstützen und einfacher machen, so werden sie schätzungsweise zugleich für das Ende des Individualismus sorgen. Was für ein Paradoxon! Wir werden, indem wir immer mehr von uns in Social Media preisgeben, immer transparenter in unserer Wesensart &#8211; selbst dann, wenn wir uns dort perfekt inszenieren. Die Datensammel-Monster von Google, Facebook, Twitter &amp; Co. machen uns zu gläsernen Menschen, zu Menschen mit immer weniger Geheimnissen.</p>
<p>Der Individualismus aber, diese Idee zu einem Solitär zu werden, lebt von der Idee eines ganz persönlichen Geheimnisses. Das einzigartige Ich kann ich nur sein, wenn ich etwas (möglichst viel) habe, was andere nicht haben. Und das funktioniert nur so lange, wie es andere noch nicht für sich entdeckt haben. Haben es andere auch für sich entdeckt, ist man nicht mehr Solitär &#8211; und muss sich seine nächste, unverwechselbare Besonderheit erfinden oder erarbeiten. Das war ja das Wesen der steten individuellen Evolution.</p>
<p>Das Internet &#8211; und speziell Social Media &#8211; ist aber der denkbar ungeeignetste Ort, um ein Geheimnis zu hüten, eine solitäre Idee zu bewahren oder als Unikat &#8222;überleben&#8220; zu können. So einfach es unser Geschäft der Individualisierung macht, so wird damit der Individualismus, wie wir ihn die letzten Jahrzehnte gelebt und geliebt haben, auch sein Ende finden. &#8211; Wir sind längst auf dem Weg in die Epoche des Post-Individualismus&#8230;</p>
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